Sanhedrin — Blatt 82b
1dann ging er gestützt auf seinen Stock. Als er zum Stamme Šimo͑n herankam, sprach er: Wo finden wir denn, daß der Stamm Levi besser wäre als der Stamm Šimo͑n? Da sprachen sie: Er geht dies ebenfalls tun; die Weisen haben dies also erlaubt.
2R. Joḥanan sagte: Sechs Wunder geschahen Pinḥas. Erstens, daß Zimri, der sich zurückziehen konnte, dies unterließ; zweitens, daß dieser, der [um Hilfe] rufen konnte, dies unterließ; drittens, daß er auf sein männliches Glied und auf ihr weibliches Glied traf; viertens, daß sie vom Speer nicht abglitten; fünftens, daß ein Engel kam und die Oberschwelle hochhob; sechstens, daß ein Engel kam und eine Verheerung im Volke anrichtete.
3Darauf kam er und schleuderte sie vor Gott, indem er vor ihm sprach: Herr der Welt, wegen dieser sollen vierundzwanzig Tausend in Jisraél fallen!? Es heißt nämlich: und es waren vierundzwanzig Tausend, die in der Plage umkamen. Deshalb heißt es: da stand Pinḥas auf und richtete,
4worüber R. Elea͑zar sagte: es heißt nicht: er betete, sondern: er richtete, und dies lehrt, daß er mit seinem Schöpfer Gericht hielt. Als die Dienstengel ihn fortstoßen wollten, sprach [Gott] zu ihnen: Laßt ihn, er ist ein Eiferer, der Sohn eines Eiferers, ein Zornabwender, der Sohn eines Zornabwenders.
5Darauf begannen die Stämme, ihn zu schmähen: Seht nur diesen Puṭi‐Sohn, dessen Großvater mütterlicherseits Kälber für die Götzen mästete, nun hat er einen Stammesfürsten in Jisraél getötet! Deshalb berichtet die Schrift seine vornehme Herkunft: Pinḥas, der Sohn Elea͑zars, des Sohnes Ahrons, des Priesters.
6Darauf sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu Moše: Geh, überbringe ihm einen Friedensgruß, wie es heißt: daher sprich: Ich gebe ihm meinen Bund des Friedens. Diese Sühne ist würdig, ewig sühnend zu wirken.
7R. Naḥman sagte im Namen Rabhs: Es heißt: der Lendenumgürtete und der Bock und der König Alqum mit ihm. Vierhundertvierundzwanzig Beschlafungen vollzog dieser Frevler an jenem Tage; Pinḥas wartete, bis seine Kraft ermattet war, denn er wußte nicht, daß der König Alqum mit ihm war.
8In einer Barajtha wurde gelehrt: sechzig, bis [seine Hoden] wie zerschlagenes Ei geworden waren, während sie einem mit Wasser getränkten Beete glich. R. Kahana sagte: Ihr Gesäß hatte [die Größe] einer Seáfläche. R. Joseph lehrte: Ihr Grab war eine Elle groß.
9R. Šešeth sagte: Sie hieß nicht Kozbi, sondern Ševilnaj, Tochter des Çur, und nur deshalb heißt sie Kozbi, weil sie ihren Vater belog [kizba]. Eine andere Erklärung: Kozbi, sie sprach zu ihrem Vater: Schlachte dieses Volk durch mich [kos‐bi].
10Das ist es, was die Leute sagen: Was sucht Ševilnaj zwischen Röhricht und Bachweide; was sucht Ševilnaj bei der Rohrrinde? Sie machte da ihre Mutter zur Hure.
11R. Joḥanan sagte: Fünf Namen hatte er: Zimri, Sohn Salus, Šaúl, Sohn der Kenaa͑niterin, und Šelumiél, Sohn des Çurišaddaj. Zimri, weil seine Hoden wie zerschlagenes Ei [mazar] geworden waren; Sohn Salus, weil er die Sünden seiner Familie in die Höhe steigen ließ [hisli]; Šaúl, weil er sich der Sünde hingab [hišíl]; Sohn der Kenaa͑niterin, weil er nach der Art Kenaa͑ns handelte. Sein eigentlicher Name war Šelumiél, Sohn des Çurišaddaj.
12WENN EIN PRIESTER DEN TEMPELDIENST IN UNREINHEIT VERRICHTET. R. Aḥa b. Hona fragte R. Šešeth: Verfällt ein Priester, der den Tempeldienst in Unreinheit verrichtet hat, dem Tode durch den Himmel oder nicht?
13Dieser erwiderte: Ihr habt es gelernt: Wenn ein Priester den Tempeldienst in Unreinheit verrichtet, so bringen ihn seine Priesterbrüder nicht vor das Gericht, vielmehr führen ihn die Priesterjünglinge außerhalb des Tempels hinaus und zerschmettern ihm das Gehirn mit Holzscheiten. Wenn man nun sagen wollte, er verfalle dem Tode durch den Himmel, so sollten sie ihn lassen, da er ja ohnehin durch den Himmel getötet wird. – Er ist also nicht schuldig;
14aber gibt es denn Fälle, derentwegen der Allbarmherzige ihn befreit hat, und wir ihn töten!? – Etwa nicht, wir haben ja gelernt, wer einmal und zweimal gegeißelt worden ist, den sperre man in einen Kerker. Der Allbarmherzige hat ihn [vom Tode] befreit, wir aber töten ihn!? – R. Jirmeja erklärte ja im Namen des Reš Laqiš, hier handle es sich um Geißelhiebe, mit denen auch die Ausrottungsstrafe verbunden ist, in welchem Falle er dem Tode verfallen ist. –
15Aber dies ist ja beim Stehlen einer Schale der Fall!? – R. Jehuda sagte ja, hier handle es sich um ein Dienstgerät und dies sei angedeutet [im Schriftverse:] sie sollen nicht hineingehen, um zu schauen, wie das Heilige verhüllt wird, denn sonst werden sie sterben. –
16Dies ist ja aber beim Gotteslästerer beim Qosem der Fall!? – R. Joseph erklärte ja: [wenn er spricht:] Der Qosem schlage den Qosem, sodaß es den Anschein hat, als lästere er den Gottesnamen. –
17Dies ist ja aber beim Beschlafen einer Aramäerin der Fall!? – Man las es ja R. Kahana im Traume vor, und Rabh erinnerte sich der Halakha.
18Er wandte gegen ihn ein: Wer außerhalb des Tempels gießt, umrührt, zerbrockt, salzt, schwingt, heranbringt, den Tisch ordnet, die Lampen putzt, oder das Blut aufnimmt, ist frei;
19er ist nicht schuldig
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.