Sanhedrin — Blatt 83b

1ausgenommen der Fall, wo es bereits entweiht ist.

2«Ein Gemeiner, der Hebe ißt.» Rabb sagte: Wenn ein Gemeiner Hebe ißt, so erhält er Geißelhiebe. R. Kahana und R. Asi sprachen zu Rabh: Sollte doch der Meister sagen, er verfalle dem Tode, denn es heißt: kein Fremder soll Geheiligtes essen !? –

3[Die Worte:] ich bin der Herr, der sie heiligt, unterbrechen den Zusammenhang. Man wandte ein: Folgende verfallen dem Tode: ein Gemeiner, der Hebe ißt!? – Aus einer Barajtha ist gegen Rabh nichts einzuwenden; er ist selbst Tanna und streitet gegen diese.

4«Ein Gemeiner, der den Tempeldienst verrichtet.» Denn es heißt: der Fremde, der herannaht, soll sterben.

5«Ein Unreiner, der den Tempeldienst verrichtet.» So fragte R. Ḥija b. Abin den R. Joseph: Woher, daß ein Unreiner, der den Tempeldienst verrichtet, dem Tode verfalle!? – Es heißt: sprich zu Ahron und seinen Söhnen, daß sie vorsichtig sein sollen mit den heiligen Gaben der Kinder Jisraél, sie sollen meinen heiligen Namen nicht entweihen,

6und man folgere durch [das Wort] entweihen, das auch bei der Hebe gebraucht wird; wie bei dieser die Todesstrafe gesetzt ist, ebenso auch hierbei die Todesstrafe. –

7Sollte man es doch folgern durch [das Wort] entweihen, das beim Übriggebliebenen gebraucht wird, wie bei diesem die Ausrottung gesetzt ist, ebenso auch hierbei die Ausrottung!? –

8Es ist einleuchtend, daß man es von der Hebe folgere, denn [bei beiden] ist die Person untauglich, sie sind unrein, müssen sie ein Tauchbad nehmen, und wird in der Mehrzahl gesprochen. –

9Im Gegenteil, man sollte doch vom Übriggebliebenen folgern, denn [bei beiden] handelt es sich um Geheiligtes, innerhalb des Tempels, auch gilt bei ihnen [das Gesetz vom] Verwerflichen und vom Übriggebliebenen!? – Er folgert lieber hinsichtlich des in der Mehrzahl gebrauchten entweihen vom in der Mehrzahl gebrauchten entweihen.

10«Der am selben Tage untergetaucht ist und den Tempeldienst verrichtet.» Woher dies? – Es wird gelehrt: R. Simaj sagte: Wo finden wir eine Andeutung, daß, wenn jemand, der am selben Tage untergetaucht ist, den Tempeldienst verrichtet, er ihn entweiht? Es heißt: heilig sollen sie ihrem Gott sein, sie sollen nicht entweihen,

11und da dies nicht auf einen Unreinen zu beziehen ist, da es schon hervorgeht aus [dem Verse]: sie sollen vorsichtig sein &c., so beziehe man es auf einen, der am selben Tage untergetaucht ist,

12und man folgere durch [das Wort] entweihen, das auch bei der Hebe gebraucht wird, wie bei dieser die Todesstrafe gesetzt ist, ebenso auch hierbei die Todesstrafe.

13«Der die Dienstkleider nicht anhat.» Woher dies? R. Abahu erwiderte im Namen R. Joḥanans, manche glauben, im Namen des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n: Umgürte sie mit einem Gürtel;

14wenn sie ihre Kleider anhaben, ruht die Priesterschaft auf ihnen, wenn sie aber ihre Kleider nicht anhaben, ruht die Priesterschaft nicht auf ihnen; sie gelten dann als Gemeine und der Meister sagte, wenn ein Gemeiner den Tempeldienst verrichtet, verfalle er dem Tode.

15«Dem die Sühne noch fehlt.» Woher dies? R. Hona erwiderte: Die Schrift sagt: der Priester schaffe ihr Sühne, so wird sie rein werden; wenn sie dann rein wird, so bleibt sie ja bis dahin unrein, und der Meister sagte, wenn ein Unreiner den Tempeldienst verrichtet, verfalle er dem Tode.

16«Der Hände und Füße nicht gewaschen hat.» Woher dies? – Es heißt: wenn sie in das Offenbarungszelt eintreten, sollen sie sich mit Wasser waschen, damit sie nicht sterben.

17«Der Wein getrunken hat.» Denn es heißt: Wein und Rauschtrank sollst du nicht trinken &c.

18«Das Haar verwahrlost trägt.» Denn es heißt: den Kopf sollen sie nicht rasieren, aber auch ihren Haarwuchs sollen sie nicht herabhängen lassen, und darauf folgt: und Wein sollen sie nicht trinken; man vergleiche den Haarwuchs mit dem Weintrinken, wie auf das Weintrinken die Todesstrafe gesetzt ist, ebenso auch wegen des Haarwuchses die Todesstrafe.

19«Aber der Unbeschnittene, der Leidtragende und der Sitzende.» Woher dies vom Unbeschnittenen? R. Ḥisda erwiderte: Dies lernen wir nicht aus der Tora Mošes, sondern erst Jeḥezqel, der Sohn Buzis, kam und lehrte es uns: kein Fremdling, der unbeschnittenen Herzens

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.