Sanhedrin — Blatt 90a
1Ihr Streit besteht nur über den Fall, wenn er das Gesetz vom Götzendienste vollständig verwirft oder es teilweise aufrecht erhält und teilweise verwirft, denn der Allbarmherzige sagt: vom Weg, auch ein Teil des Weges;
2wenn er aber andere Gesetze vollständig verwirft, so stimmen alle überein, daß er durch Erdrosselung hingerichtet werde, und wenn er andere Gesetze teilweise aufrecht erhält und teilweise verwirft, so stimmen alle überein, daß er frei sei.
3R. Hamnuna wandte ein: Zu wandeln, das sind die Gebote; auf diesen, das sind die Verbote. Wieso kann man nun sagen, dies beziehe sich auf den Götzendienst, beim Götzendienste gibt es ja keine Gebote!? R. Ḥisda erwiderte: Ihr sollt zertrümmern.
4R. Hamnuna sagte: Ihr Streit besteht über den Fall, wenn er ein Gesetz vollständig verwirft, einerlei ob das des Götzendienstes oder irgend ein anderes Gesetz, und wenn er das Gesetz des Götzendienstes teilweise erhält und teilweise verwirft, denn der Allbarmherzige sagt: vom Wege, auch ein Teil des Weges;
5wenn er aber andere Gesetze teilweise aufrecht erhält und teilweise verwirft, so stimmen alle überein, daß er frei sei.
6Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand prophetisch auffordert, eia Gesetz aus der Tora zu verwerfen, so ist er schuldig; es teilweise aufrecht zu erhalten und teilweise zu verwerfen, so ist er nach R. Šimo͑n frei. Beim Götzendienste aber ist er, selbst wenn er sagt, daß man ihm heute diene, und morgen abschaffe, nach aller Ansicht schuldig.
7Abajje ist [bei dieser Lehre] der Ansicht R. Ḥisdas und erklärt sie auch wie R. Ḥisda; Raba ist der Ansicht R. Hamnunas und erklärt sie auch wie R. Hamnuna.
8Abajje ist [bei dieser Lehre] der Ansicht R. Ḥisdas und erklärt sie wie R. Ḥisda: Wenn er prophetisch auffordert, ein Gesetz aus der Tora zu verwerfen, so wird er nach aller Ansicht durch Erdrosselung hingerichtet; es teilweise aufrecht zu erhalten und teilweise zu verwerfen, so ist er nach R. Šimo͑n frei, und ebenso nach den Rabbanan; beim Götzendienste aber ist er, auch wenn er sagt, daß man ihm heute diene und morgen abschaffe, schuldig; nach dem einen nach seiner Ansicht und nach dem anderen nach seiner Ansicht.
9Raba ist der Ansicht R. Hamnunas und erklärt sie wie R. Hamnuna: Wenn jemand prophetisch auffordert, ein Gesetz aus der Tora zu verwerfen, einerlei ob das des Götzendienstes oder irgend ein anderes Gesetz, so ist er schuldig, nach dem einen nach seiner Ansicht und nach dem anderen nach seiner Ansicht. Es teilweise aufrecht zu erhalten und teilweise zu verwerfen, so ist er bei jedem anderen Gesetze nach R. Šimo͑n frei, und ebenso nach den Rabbanan; beim Götzendienste aber ist er, auch wenn er sagt, daß man ihm heute diene und morgen abschaffe, schuldig, nach dem einen nach seiner Ansicht und nach dem anderen nach seiner Ansicht.
10R. Abahu sagte im Namen R. Joḥanans: In jedem anderen Falle mußt du, wenn dich ein Prophet die Worte der Tora übertreten heißt, ihm gehorchen, ausgenommen ist der Götzendienst; selbst wenn er dir die Sonne in der Mitte des Himmels stehen läßt, gehorche ihm nicht. Es wird gelehrt: R. Jose der Galiläer sagte: Die Tora ist dem Götzendienste auf den Grund gekommen, daher hat sie dir als Beispiel gesagt: selbst wenn er dir die Sonne in der Mitte des Himmels stehen läßt, gehorche ihm nicht.
11Es wird gelehrt: R. A͑qiba sagte: Behüte und bewahre, daß der Heilige, gepriesen sei er, die Sonne wegen derjenigen, die seinen Willen übertreten, stehen lassen würde; vielmehr handelt es sich um einen solchen, wie Hananja, Sohn A͑zurs, der zuerst ein richtiger Prophet und später ein falscher geworden war.
12UND DIE GEGEN EINE PRIESTERSTOCHTER &C. ÜBERFÜHRTEN FALSCHZEUGEN. Woher dies? R. Aha, Sohn des R. Iqa, erwiderte: Es wird gelehrt: R. Jose sagte: Worauf deuten die Worte: ihr sollt an ihm tun, wie er an seinem Bruder zu tun gedachte? Bei allen anderen in der Tora genannten [Prozeßfällen] werden die überführten Falschzeugen und die Buhlen gleich ihnen [bestraft],
13bei der Priesterstochter aber wird sie selbst durch Verbrennung hingerichtet, nicht aber ihr Buhle durch Verbrennung; von den überführten Falschzeugen würde ich nicht gewußt haben, ob [ihre Strafe] seiner oder ihrer gleicht, so heißt es: seinem Bruder, der seines Bruders und nicht der seiner Schwester.
14GANZ JISRAÉL HAT EINEN ANTEIL AN DER ZUKÜNFTIGEN WELT, DENN ES HEISST: dein Volk besteht aus lauter Gerechten; für immer werden sie das Land in Besitz nehmen; es ist der Sproß meiner Pflanzung, das Werk meiner Hände zur Verherrlichung. FOLGENDE HABEN KEINEN ANTEIL AN DER ZUKÜNFTIGEN WELT: WER SAGT, DIE AUFERSTEHUNG DER TOTEN BEFINDE SICH NICHT IN DER TORA, [WER SAGT,] DIE TORA SEI NICHT VOM HIMMEL, UND DER GOTTESLEUGNER.
15R. A͑QIBA SAGT, AUCH WER DIE AUSSENSEITIGEN BÜCHER LIEST, UND WER ÜBER EINE WUNDE FLÜSTERT UND SPRICHT: Keine der Krankheiten, die ich über die Miçrijim gebracht, werde ich über dich bringen, denn ich, der Herr, bin dein Arzt. ABBA ŠAÚL SAGT, AUCH WER DEN GOTTESNAMEN BUCHSTÄBLICH AUSSPRICHT.
16DREI KÖNIGE UND VIER GEMEINE HABEN KEINEN ANTEIL AN DER ZUKÜNFTIGEN WELT; DREI KÖNIGE: JEROBEA͑M, AḤÁB UND MENAŠE. R. JEHUDA SAGT, MENAŠE HABE EINEN ANTEIL AN DER ZUKÜNFTIGEN WELT, DENN ES HEISST: als er zu ihm betete, ließ, er sich von ihm erbitten; er erhörte sein Flehen und brachte ihn zurück nach Jerušalem in sein Königtum. JENE ENTGEGNETEN IHM: IN SEIN KÖNIGTUM BRACHTE ER IHN ZURÜCK, NICHT ABER IN DAS LEBEN DER ZUKÜNFTIGEN WELT. VIER GEMEINE: BILEA͑M, DOÉG, AḤITOPHEL UND GEḤZI.
17GEMARA. Weshalb dies alles? – Es wird gelehrt: Er leugnet die Auferstehung der Toten, daher soll er keinen Anteil an der Auferstehung der Toten haben, denn jede Handlung des Heiligen, gepriesen sei er, erfolgt mit gleichem Maße.
18R. Šemuél b. Naḥmani sagte nämlich im Namen R. Jonathans: Woher, daß jede Handlung des Heiligen, gepriesen sei er, mit gleichem Maße erfolgt? – Es heißt: Eliša͑ aber sprach: Höret das Wort des Herrn &c. Morgen um diese Zeit wird eine Seá Feinmehl im Tore von Šomron einen Šeqel gelten und zwei Seá Gerste auch einen Šeqel. Ferner: da antwortete der Ritter, auf dessen Arm sich der König stützte, dem Manne Gottes also: Und wenn der Herr Fenster am Himmel anbrächte, wie könnte solches geschehen? Er erwiderte: Du sollst es mit eigenen Augen sehen, aber nichts davon genießen.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.