Sanhedrin — Blatt 94b

1durch einen Boten, daher bestrafte ihn der Heilige, gepriesen sei er, durch einen Boten.

2Beim Pareo͑ heißt es: wer ist der Herr, daß ich ihm gehorchen sollte? Daher bestrafte ihn der Heilige, gepriesen sei er, selber, denn es heißt: und der Herr trieb die Miçrijim mitten ins Meer hinein. Ferner heißt es: du beschreitest das Meer mit deinen Rossen &c. Bei Sanḥerib heißt es: durch deine Boten hast du den Herrn gelästert. Daher bestrafte ihn der Heilige, gepriesen sei er, durch einen Boten, denn es heißt: da ging ein Engel des Herrn aus und schlug im Lager von Ašur hundert [fünf]undachtzig Tausend &c.

3R. Ḥanina b. Papa wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: seine äußerste Höhe, und es heißt: seine äußerste Herberge!? Dieser Frevler sprach: Zuerst zerstöre ich die untere Wohnstätte, nachher zerstöre ich die obere Wohnstätte.

4R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Es heißt: Nun, bin ich etwa ohne [Zustimmung des] Herrn wider dieses Land herangezogen, es zu verheeren? Der Herr sprach zu mir: Ziehe wider dieses Land und verheere es. Was bedeutet dies? Er hörte den Propheten sagen: weil das Volk die sanft strömenden Wasser des Šiloaḥ verachtet hat und sich freut mit Reçin und dem Sohne Remaljahus.

5R. Joseph sagte: Wenn nicht das Targum dieses Verses, würde ich den Sinn nicht verstanden haben. [Dieses lautet:] Weil das Volk verachtet hat die Regierung des Hauses David, das es sanft leitet, wie die Wasser des Šiloaḥ, die sanft fließen, und sich angefreundet hat mit Reçin und dem Sohne Remaljahus.

6R. Joḥanan sagte: Es heißt: der Fluch des Herrn im Hause des Gottlosen, aber der Frommen Wohnung segnet er. Der Fluch des Herrn im Hause der Gottlosen, das ist Peqaḥ, der Sohn Remaljahus, der vierzig Seá junger Tauben zum Nachtisch aß; aber der Frommen Wohnung segnet er, das ist Ḥizqija, der König von Jehuda, der zu seiner Mahlzeit ein Litra Grünkraut aß.

7Darum wird der Herr die starken und großen Wasser des Stromes über sie bringen, den König von Ašur. Ferner: Er wird durch Jehuda brausen, es überfluten und überschwemmen, daß sie bis an den Hals reichen. –

8Weshalb wurde er demnach bestraft? – Der Prophet weissagte nur von den zehn Stämmen, er aber richtete seinen Sinn wider ganz Jerušalem. Darauf kam der Prophet und sprach zu ihm: Der Ermüdete nicht dem, der ihn bedrängt. Dies erklärte R. Elea͑zar b. Berekhja: Das Volk, welches sich mit der Tora abmüht, wird nicht dem, der es bedrängt, ausgeliefert werden. –

9Was heißt: einst machte es der Erste leicht, nur das Land Zebulun und das Land Naphtali, der Letzte aber machte es schwer, er zieht nach dem Meere hin, jenseits des Jarden, und dem Kreise der Völker? – Nicht wie die Ersten, die das Joch der Tora von sich abgeworfen hatten, vielmehr haben die Letzten sich mit dem Joche der Tora beschwert. Diese sind würdig, daß man ihnen Wunder erweise, wie denen, die durch das Meer zogen und den Jarden überschritten; wenn er zurücktritt, so ist es recht, wenn aber nicht, so lasse ich ihn durch die Völker kreisen.

10Nach diesen Begebenheiten und nach diesem treulichen Eifer rückte Sanḥerib, der König von Ašur, an. Er rückte in Judäa ein, belagerte die festen Städte und gedachte, sie für sich zu erobern. Dies das Geschenk und dies das Gegengeschenk! –

11Nach welchen Begebenheiten? Rabina erwiderte: Nachdem der Heilige, gepriesen sei er, aufgesprungen war und geschworen hatte. Er dachte nämlich wie folgt: sage ich zu Ḥizqija, ich will nun Sanḥerib bringen und ihn dir ausliefern, so erwidert er mir, er wolle weder ihn noch die Angst;

12daher sprang er auf und schwor, daß er ihn bringen werde, denn es heißt: Der Herr der Heerscharen hat also geschworen: Fürwahr, wie ich es erdacht habe, so soll es geschehen und wie ich beschlossen habe, das soll zustande kommen. Zerschmettern will ich Ašur, in meinem Lande und auf meinen Bergen zertreten, daß sein Joch von ihnen verschwinden und seine Last von ihrem Nacken weichen soll. R. Joḥanan sagte: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Mag Sanḥerib und sein Gefolge kommen und als Krippe für Ḥizqijahu und sein Gefolge dienen.

13Und an jenem Tage wird seine Last von deinem Nacken verschwinden und sein Joch von deinem Halse; es verdirbt das Joch wegen des Öls. R. Jiçḥaq der Schmied sagte: Es verdirbt das Joch Sanḥeribs wegen des Öls Ḥizqijahus, das in den Bet‐ und Lehrhäusern brannte.

14Was tat er? Er pflanzte ein Schwert vor der Tür des Lehrhauses auf und sprach: Wer sich nicht mit der Tora befaßt, werde mit diesem Schwerte erstochen. Man suchte von Dan bis Beér Šeba͑, und man fand keinen unwissenden Menschen; von Gabbatha bis Antipatris, und man fand weder einen Knaben noch ein Mädchen, weder einen Mann noch eine Frau, die nicht in den Gesetzen über die Reinheit und Unreinheit kundig wären.

15Von jenem Zeitalter heißt es: an jenem Tage wird sich einer eine junge Kuh halten &c. Ferner heißt es: und an jenem Tage wird jeder Platz, wo tausend Weinstöcke im Werte von tausend Šeqel stehen, den Dornen und dem Gestrüppe verfallen; obgleich sie tausend Šeqel wert sind, werden sie den Dornen und dem Gestrüppe verfallen.

16Dann rafft ihr Beute zusammen, wie Heuschrecken raffen. Der Prophet sprach zu den Jisraéliten: Rafft eure Beute zusammen. Sie fragten ihn: Plündern oder verteilen? Er erwiderte ihnen: Wie die Heuschrecken raffen; wie bei den Heuschrecken jede für sich besonders rafft, ebenso rafft auch ihr jeder für sich besonders.

17Sie entgegneten ihm: Auch das Vermögen der zehn Stämme ist ja darin enthalten!? Er erwiderte ihnen: Wie das Rauschen der Bäche rauscht es da; wie die Bäche den Menschen vom Zustande der Unreinheit in den Zustand der Reinheit bringen, ebenso wird das jisraélitische Geld rein, sobald es in die Hände der weltlichen Völker gefallen ist.

18R. Hona sagte: Zehn Reisetouren machte dieser Frevler an jenem Tage, denn es heißt: er überfiel A͑jath, er zog durch Migron, in Mikhmaš ließ er sein Gepäck; sie überschritten Maa͑bara, in Geba͑ machten sie Nachtquartier; Rama erschrak, Gibea͑th‐Šaúl floh. Schreie laut, Tochter von Gallim, horch auf, Lajša, klage A͑natoth, Madména irrte unstät, die Bewohner von Gebim flüchteten. (Noch heute macht er Halt in Nob, schwingt seine Hand gegen den Berg der Bewohner Çijons, den Hügel Jerušalems). –

19Das sind ja mehr [Ortschaften!? – Den Vers:] Schreie laut, Tochter von Gallim, sprach der Prophet zu der Gemeinschaft Jisraél: Schreie laut, Tochter von Gallim, du Tochter von Abraham, Jiçḥaq und Ja͑qob, die gottgefällige Handlungen ausgeübt haben, wie die Wellen [gallim] des Meeres. [Horch auf, Lajša]; fürchte dich nicht vor diesem, fürchte dich vielmehr vor dem ruchlosen Nebukhadneçar, der einem Löwen [Lajiš] gleicht, wie es heißt: heraufgestiegen ist der Löwe aus seinem Dickicht &c. –

20Was heißt:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.