Sanhedrin — Blatt 95a
1klage A͑natoth?. – Dereinst wird Jirmeja aus A͑natoth über dich weissagen, wie es heißt: Worte Jirmejahus, des Sohnes Ḥilqijahus, von den Priestern in A͑natoth im Gebiete Binjamins. –
2Ist es denn dasselbe, hier heißt es ari, dort aber lajiš!? R. Joḥanan erwiderte: Der Löwe hat sechs Namen, und zwar: ari, kephir, labi, lajiš, šaḥal und šaḥaç. – Demnach sind es ja weniger!? – Sie überschritten Maa͑bara, das sind zwei [Ortschaften]. –
3Was heißt: noch heute macht er Halt in Nob? R. Hona erwiderte: Bis zu jenem Tage war die Sünde von Nob bestehen geblieben. Die Khaldäer sprachen zu ihm: Gehst du jetzt, so wirst du sie besiegen, wenn aber nicht, so wirst du sie nicht besiegen. Hierauf legte er eine Strecke, die er in zehn Tagen zurücklegen sollte, in einem Tage zurück.
4Als er nahe an Jerušalem herangekommen war, legte man ihm Polster unter, und als er auf diese stieg, befand er sich über den Mauern Jerušalems, sodaß er es ganz übersehen konnte, und es kam ihm sehr klein vor. Da rief er aus: Ist das die Stadt Jerušalem, derentwegen ich mein ganzes Heer mobil gemacht, und derentwegen ich all diese Provinzen erobert habe; sie ist ja kleiner und schwächer als all die Städte der Völker, die ich mit meiner mächtigen Hand erobert habe. Sodann blieb er stehen, schüttelte das Haupt und zeigte mit der Hand auf den Tempelberg in Çijon, auf den Tempelhof in Jerušalem.
5Hierauf sprachen sie zu ihm: Wir wollen nun unsere Hand auf sie legen. Er erwiderte ihnen: Ihr seid jetzt müde; morgen aber bringe mir ein jeder ein Stück von ihr. Hierauf: in derselben Nacht aber ging der Engel des Herrn und schlug im Lager von Ašur hundertfünfundachtzigtausend Mann; und als man sich des Morgens früh aufmachte, fand man sie alle als leblose Leichen. R. Papa sagte: Das ist es, was die Leute sagen: übernachtet der Streit, so ist er beigelegt.
6Und Jišbi Benob, einer von den Riesenkindern, dessen Speer dreihundert Šeqel Kupfer wog, er war mit einer neuen … gerüstet, gedachte, David zu erschlagen. Wer war Jišbi Benob? R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Ein Mann, der wegen der Angelegenheit in Nob gekommen war. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach nämlich zu David: Wie lange noch wird diese Sünde in deiner Hand aufbewahrt bleiben; durch dich wurden die [Einwohner der] Priesterstadt Nob getötet, durch dich wurde Doég der Edomiter verstoßen und durch dich wurden Šaúl und seine drei Söhne erschlagen;
7wähle nun, entweder sollen deine Nachkommen untergehen oder du sollst in die Hand deines Feindes geraten. Da sprach er vor ihm: Herr der Welt, ich will lieber in die Hand meines Feindes geraten, nur sollen meine Nachkommen nicht untergehen.
8Eines Tages ging er auf die Falkenjagd, und der Satan erschien ihm in Gestalt eines Hirsches; da schoß er auf ihn mit Pfeilen, traf ihn aber nicht, und so lockte er ihn bis in das Land der Philister. Als Jišbi Benob ihn sah, sagte er, das ist der, der meinen Bruder Goljath getötet hat; da band er ihn, drückte ihn zusammen und legte ihn unter einen Preßbalken. Da geschah ihm ein Wunder, und die Erde wurde unter ihm locker. Hierauf deutet der Schriftvers: Du weitest meinen Schritt unter mir und meine Knöchel wanken nicht.
9Es war gerade ein Vorabend des Šabbaths, und Abišaj, der Sohn der Çeruja wusch sich den Kopf in vier Becken Wasser, und er bemerkte Blutflecke. Manche erzählen, eine Taube kam und überschlug sich vor ihm· Da sprach er: Die Gemeinschaft Jisraél wird mit einer Taube verglichen, denn es heißt: Flügel der Taube, mit Silber bedeckt, es scheint also, daß sich David, der König von Jisraél in Not befindet. Hierauf ging er zu ihm nach Hause und traf ihn nicht. Da sprach er: Wir haben gelernt, daß man weder auf seinem Pferde reiten, noch auf seinem Stuhle sitzen, noch sich seines Stabes bedienen dürfe; wie ist es aber in einer Stunde der Gefahr? Als er darauf ins Lehrhaus ging und dies fragte, erwiderte man ihm, in einer Stunde der Gefahr sei es erlaubt.
10Darauf setzte er sich auf sein Maultier und machte sich auf den Weg, und die Erde zog sich ihm zusammen. Im Vorübergehen sah er dessen Mutter O͑rpa, sie saß und spann, und als sie ihn bemerkte, riß sie die Spindel los und warf sie nach ihm, denn sie wollte ihn töten. Da sprach sie zu ihm: Junger Mann, hole mir die Spindel. Da schleuderte er sie ihr ins Gehirn und tötete sie.
11Als Jišbi Benob ihn sah, dachte er: jetzt sind sie nun zwei und werden mich töten; da warf er David in die Höhe und hielt seinen Speer unter ihn, indem er dachte, nun fällt er auf diesen und wird getötet. Da sprach Abišaj den Gottesnamen aus und ließ David zwischen Himmel und Erde schweben. –
12Sollte er selber ihn doch gesprochen haben!? – Kein Gefangener kann sich selber aus dem Gefängnisse befreien.
13Hierauf fragte er ihn: Wie kommst du hier her? Er erwiderte: So sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu mir, und so erwiderte ich ihm. Jener sprach: Ändere deine Bitte; mag dein Enkel [später] Wachs verkaufen, du aber sorge nicht.
14Dieser entgegnete: So hilf du mir. Hierauf deutet der Schriftvers: da half ihm Abišaj, der Sohn der Çeruja, und R. Jehuda erklärte im Namen Rabhs, er half ihm durch das Gebet. Alsdann sprach Abišaj wiederum den Gottesnamen aus und ließ ihn herabsteigen.
15Jener setzte ihnen aber nach. Als sie aber in Qubi ankamen, sprachen sie [zu einander]: Nun können wir stehen bleiben. Als sie in Be Tre ankamen, sprachen sie: Zwei junge Löwen töten den alten Löwen. Hierauf sprachen sie zu ihm: Geh nun, du findest deine Mutter O͑rpa im Grabe. Als sie den Namen seiner Mutter nannten, verlor er seine Kraft und sie töteten ihn. Hierauf deutet der Schriftvers: Damals beschworen die Leute Davids ihn mit den Worten: Du darfst nicht mehr mit uns in den Kampf ziehen, daß du die Leuchte Israéls nicht auslöschest!
16Die Rabbanan lehrten: Dreien zog sich die Erde zusammen: Elie͑zer, dem Diener Abrahams, unserem Vater Ja͑qob, und Abišaj, dem Sohne der Çeruja. Abišaj, dem Sohne der Çeruja, wie wir eben erzählt haben. Elie͑zer, dem Diener Abrahams, denn es heißt: als ich nun heute zu der Quelle kam; demnach hatte er am selben Tage seinen Weg angetreten. Unserem Vater Ja͑qob,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.