Sanhedrin — Blatt 97a
1verfallene Hütte Davids wieder aufrichten. Da erwiderte er: So sagte R. Joḥanan: Im Zeitalter, in dem der Sohn Davids kommen wird, werden die Schriftgelehrten vermindert werden, und auch die Augen der anderen werden vor Trauer und Klage dahinschwinden; viele Leiden und böse Verhängnisse werden neu aufeinander folgen; bevor noch das eine vorüber sein wird, wird das andere bereits herbeigeeilt sein.
2Die Rabbanan lehrten: Im Septennium, in dem der Sohn Davids kommen wird, [wird sich folgendes ereignen:] im ersten Jahre wird in Erfüllung gehen der Schriftvers: ich werde regnen lassen auf die eine Stadt und auf die andere Stadt nicht. Im zweiten werden Pfeile des Hungers abgesandt werden. Im dritten wird der Hunger sehr stark sein; Männer, Frauen und Kinder, Fromme und Männer der Tat werden sterben, und die Tora wird bei denen, die sie studieren, in Vergessenheit geraten. Im vierten wird eine Sättigkeit und doch keine Sättigkeit sein. Im fünften wird eine große Sättigkeit sein; man wird essen und trinken und lustig sein, und die Tora wird zu denen, die sie studieren, zurückkehren. Im sechsten werden Stimmen erschallen. Im siebenten werden Kriege sein. Am Ausgange des siebenten wird der Sohn Davids kommen.
3R. Joseph sprach: Es sind ja bereits viele Septennien dieser Art eingetroffen, dennoch ist er nicht gekommen!? Abajje erwiderte ihm: Sind etwa auch die Stimmen des sechsten Jahres und die Kriege des siebenten eingetroffen; und sind ferner diese Ereignisse etwa in der richtigen Reihenfolge eingetroffen!?
4Daß deine Feinde, Herr, gelästert haben, geschmäht haben die Fußspuren deines Gesalbten. Es wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Im Zeitalter, in dem der Sohn Davids kommen wird, wird das Versammlungshaus [der Gelehrten] zum Hurenhause werden, Galiläa wird zerstört und Gabla verwüstet werden; die Grenzbewohner werden von Stadt zu Stadt wandern, ohne daß man sich ihrer erbarmen wird; die Weisheit der Gelehrten wird entarten, die Sündenscheuen werden verachtet sein, das Gesicht des Zeitalters wird dem Gesichte eines Hundes
5gleichen und die Wahrheit wird vermißt werden, denn es heißt: und so kam es, daß die Wahrheit vermißt ward, und wer Böses meidet, ist wahnsinnig. – Was heißt: und so kam es, daß die Wahrheit vermißt ward? In der Schule Rabhs erklärten sie: Sie wird sich in Herden teilen und auswandern. Was heißt: wer Böses meidet, ist wahnsinnig? In der Schule R. Šilas erklärten sie: Wer Böses meiden wird, wird bei den Menschen als wahnsinnig gelten.
6Raba sagte: Zuerst glaubte ich, es gebe in der Welt keine Wahrheit, bis mir einer von den Jüngern, namens R. Ṭabuth, manche sagen, namens R. Ṭabjomi, einer der sein Wort nicht brechen würde, selbst wenn man ihm das ganze Vermögen der Welt geben würde, folgendes erzählte: Einst kam er nach einer Ortschaft, die ‘Wahrheit’ hieß; da brachen sie nicht ihr Wort, und es gab keinen, der vor der Zeit gestorben wäre. Dort nahm er eine Frau und bekam von ihr zwei Kinder.
7Eines Tages, als seine Frau gerade den Kopf wusch, kam eine Nachbarin und klopfte an die Tür; er glaubte, es sei nicht schicklich, und sagte ihr, [seine Frau] sei nicht anwesend. Da starben ihm seine beiden Kinder. Hierauf kamen die Einwohner der Ortschaft zu ihm und fragten ihn, was dies zu bedeuten habe, und als er ihnen das Ereignis erzählte, sprachen sie zu ihm: Wir ersuchen dich, unsere Ortschaft zu verlassen, damit du nicht den Tod auf die Einwohner hetzest.
8Es wird gelehrt: R. Nehoraj sagte: Im Zeitalter, in dem der Sohn Davids kommen wird, werden die Jungen das Gesicht der Greise beschämen und Greise werden vor den Jungen aufstehen; eine Tochter wird gegen ihre Mutter auftreten, eine Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter; das Gesicht des Zeitalters wird dem Gesicht eines Hundes gleichen, und ein Sohn wird sich vor seinem Vater nicht schämen.
9Es wird gelehrt: R. Neḥemja sagte: Im Zeitalter, in dem der Sohn Davids kommen wird, wird die Frechheit überhand nehmen und die Achtung entarten; der Weinstock wird seine Früchte bringen, der Wein aber wird teuer sein; und auch die ganze Regierung wird der Ketzerei verfallen, und eine Zurechtweisung wird es nicht geben. Dies ist eine Stütze für R. Jiçḥaq, denn R. Jiçḥaq sagte: Der Sohn Davids wird erst dann kommen, wenn die Regierung ganz der Ketzerei verfallen sein wird. Raba sagte: Welcher Schriftvers deutet hierauf? Ist er ganz und gar weiß geworden, so ist er rein.
10Die Rabbanan lehrten: Denn der Herr wird seinem Volke Recht schaffen &c. wenn er sieht, daß jeder Halt geschwunden ist, und Verschlossenes und Verlassenes fort ist. Der Sohn Davids kommt nicht eher, als bis die Angeber überhand genommen haben werden. Eine andere Deutung: Bis die Schüler sich vermindert haben werden. Eine andere Deutung: Bis jeder Peruṭa aus dem Geldbeutel geschwunden sein wird. Eine andere Deutung: Bis sie an der Erlösung verzweifelt haben werden, denn es heißt: und Verschlossenes und Verlassenes fort ist; wenn, als ob dies denkbar wäre, Jisraél seine Stütze und seinen Helfer aufgegeben haben wird.
11So pflegte R. Zera, wenn er die Jünger traf, wie sie sich darüber unterhielten, zu ihnen zu sagen: Ich bitte euch, sie nicht hinauszuschieben, denn es wird gelehrt, drei Dinge treffen ein, wenn man an sie nicht denkt, und zwar: der Messias, ein Fund und ein Skorpion.
12R. Qaṭṭina sagte: Sechstausend Jahre wird die Welt bestehen und ein-[tausend] zerstört sein, denn es heißt: und der Herr wird allein an jenem Tage erhaben sein. Abajje sagte, zweitausend werde sie zerstört sein, denn es heißt: er wird uns nach zwei Tagen beleben, am dritten Tage uns wieder aufrichten, daß wir vor ihm leben.
13Übereinstimmend mit R. Qaṭṭina wird gelehrt: Wie in jedem Siebenjahr-Zyklus ein Jahr Brachjahr ist, ebenso wird die Welt in siebentausend Jahren eintausend Jahre brach liegen, denn es heißt: und der Herr wird allein an jenem Tage erhaben sein; ferner heißt es: ein Psalmlied für den Šabbathtag, ein Tag der ganz Ruhe [Šabbath] ist, und es heißt: denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, denn sie fahren dahin.
14In der Schule des Elijahu wurde gelehrt: Sechstausend Jahre wird die Welt bestehen; zweitausend Jahre der Nichtigkeit, zweitausend Jahre der Tora und zweitausend Jahre der messianischen Zeit;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.