Sanhedrin — Blatt 98a
1Könige sollen es sehen und aufstehen, Fürsten sollen sich bücken.
2R.Elie͑zer erwiderte ihm: Es heißt ja bereits: wenn du zurückkehrst, Jisraél, Spruch des Herrn, so kehrst du zu mir zurück. R. Jehošua͑ entgegnete ihm: Es heißt ja bereits: da hörte ich den in leinenen Gewändern gekleideten Mann, der sich oben über dem Wasser des Stromes befand – dabei erhob er seine Rechte und seine Linke gegen den Himmel und schwur bei dem, der ewig lebt – sagen: Nach einer Zeit, Zeiten und einer halben, wenn die Zertrümmerung der Macht des heiligen Volkes vollendet ist, so wird dies alles aufhören &c. Alsdann schwieg R. Elie͑zer.
3R. Abba sagte: Du hast kein deutlicheres [Kennzeichen für das] Ende als das folgende: ihr aber, ihr Berge Jisraéls, laßt euer Laub sprossen und tragt eure Frucht für mein Volk Jisraél &c. R. Elie͑zer sagte: Auch kein deutlicheres als das folgende: denn vor jenen Tagen wird es für die Arbeit des Menschen keinen Lohn geben und keinen Ertrag von der Arbeit des Viehs; für den aus- und einziehenden gibt es keinen Frieden vor dem Feinde.
4Was heißt: für den aus- und einziehenden gibt es keinen Frieden vor dem Feinde? Rabh erklärte, selbst die Schriftgelehrten, von denen es heißt: viel Friede denen, die dein Gesetz lieben, werden keinen Frieden finden. Šemuél erklärte, alle Tore werden einander gleichen.
5R. Ḥanina sagte: Der Sohn Davids wird nicht eher kommen, als bis man für einen Kranken einen Fisch suchen und nicht finden wird, denn es heißt: dann will ich ihre Wasser sinken lassen und ihre Ströme wie Öl dahinführen, und [darauf] heißt es: an jenem Tage will ich dem Hause Jisraél ein Horn sprossen lassen.
6R. Ḥama b. Ḥanina sagte: Der Sohn Davids wird nicht eher kommen, als bis auch die geringste Herrschaft über Jisraél aufhören wird, denn es beißt: er wird die Reben mit Winzermessern abschneiden, und darauf heißt es: zu jener Zeit wird das zerrissene und geplünderte Volk dem Herrn der Heerscharen Geschenke bringen.
7Zee͑ri sagte im Namen R. Ḥaninas: Der Sohn Davids wird nicht eher kommen, als bis es keine Hochmütigen in Jisraél geben wird, denn es heißt: alsdann werde ich aus deiner Mitte entfernen, die hochmütig in dir jubeln, und darauf folgt: und ich werde in dir ein armes und geringes Volk übriglassen; sie werden Zuflucht haben beim Namen des Herrn.
8R. Melaj sagte im Namen des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n: Der Sohn Davids wird nicht eher kommen, als bis es weder Richter noch Befehlshaber in Jisraél geben wird, denn es heißt: ich will meine Hand wieder gegen dich kehren und will wie mit Lauge all dein unedles Metall läutern &c. und will deine Richter wieder einsetzen.
9U͑la sagte: Jerušalem wird nur durch Gerechtigkeit erlöst werden, denn es heißt: Çijon soll durch Recht erlöst werden und seine Heimkehrenden durch Gerechtigkeit. R. Papa sagte: Wenn es keine Hochmütigen mehr geben wird, so wird es auch keine Magier geben, und wenn es keine Richter mehr geben wird, so wird es auch keine Zwingherren geben. Wenn es keine Hochmütigen mehr geben wird, so wird es auch keine Magier geben, denn es heißt: ich will wie mit Lauge all dein unedles Metall läutern und all dein Blei ausscheiden; und wenn es keine Richter mehr geben wird, wird es auch keine Zwingherren geben, denn es heißt: der Herr hat deine Gerichte entfernt, deinen Feind hinweggeräumt.
10R. Joḥanan sagte: Wenn du ein Zeitalter siehst, das mehr und mehr verkümmert, so hoffe auf ihn, denn es heißt: und dem gedrückten Volke schaffst du Hilfe &c. R. Joḥanan sagte [ferner]: Wenn du ein Zeitalter siehst, über das die Leiden sich wie ein Strom ergießen, so hoffe auf ihn, denn es heißt: denn der Bedränger bricht wie ein Strom, herein, den der Hauch des Herrn anstürmt, und darauf folgt: und es wird für Çijon der Erlöser kommen.
11Ferner sagte R. Joḥanan: Der Sohn Davids kommt nur dann, wenn das Zeitalter entweder vollständig tugendhaft oder vollständig schuldbeladen ist. Wenn das Zeitalter vollständig tugendhaft ist, denn es heißt: dein Volk besteht aus lauter Gerechten, für immer werden sie das Land in Besitz nehmen; wenn das Zeitalter vollständig schuldbeladen ist, denn es heißt: und er sah, daß niemand da war, und staunte, daß keiner da war, der ins Mittel treten könnte, und es heißt: um meinetwillen tue ich es.
12R. Alexandri sagte: R. Jehošua͑ b. Levi wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: zu seiner Zeit, dagegen heißt es: es beschleunigen? Haben sie sich verdient gemacht, so will ich es beschleunigen, haben sie sich nicht verdient gemacht, erst zur Zeit.
13R. Alexandri sagte: R. Jehošua͑ b. Levi wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: wie ein Menschensohn kam er mit den Wolken des Himmels heran, dagegen heißt es: demütig und reitet auf einem Esel? Haben sie sich verdient gemacht, mit den Wolken des Himmels, haben sie sich nicht verdient gemacht, demütig und auf einem Esel reitend.
14Der König Sapor sprach zu Šemuél: Ihr sagt, der Messias werde auf einem Esel kommen; ich will ihm ein scheckiges Pferd schicken, das ich habe. Dieser erwiderte: Hast du etwa ein tausendfarbiges?
15R. Jehošua͑ b. Levi traf einst Elijahu am Eingange der Höhle des R. Šimo͑n b. Joḥaj stehen; da sprach er zu ihm: Werde ich in die zukünftige Welt kommen? Dieser erwiderte: Wenn es diesem Herrn gefällig sein wird. R. Šimo͑n b. Joḥaj erzählte, er habe zwei Personen gesehen und die Stimme eines Dritten gehört.
16Hierauf fragte er ihn weiter: Wann wird der Messias kommen? Dieser erwiderte: Geh, frage ihn selbst. – Wo befindet er sich? – Am Tore von Rom. – Woran erkennt man ihn? – Er sitzt zwischen den mit Krankheiten behafteten Armen; alle übrigen binden [ihre Wunden] mit einem Male auf und verbinden sie wieder, er aber bindet sie einzeln auf und verbindet sie, denn er denkt: vielleicht werde ich verlangt, so soll keine Verzögerung entstehen.
17Hierauf ging er zu ihm hin und sprach zu ihm: Friede mit dir, Herr und Meister! Dieser erwiderte: Friede mit dir, Sohn Levis! Er fragte: Wann kommt der Meister? Dieser erwiderte: Heute. Darauf kehrte er zu Elijahu zurück, der ihn fragte: Was sagte er dir? Er erwiderte: Friede mit dir, Sohn Levis! Da sprach dieser: Er hat dir und deinem Vater die zukünftige Welt verheißen. Jener entgegnete: Er hat mich belogen, denn er sagte mir, er werde heute kommen, und er kam nicht. Dieser erwiderte: Er hat es wie folgt gemeint: wenn ihr heute auf seine Stimme hören werdet .
18Seine Schüler fragten R. Jose b. Qisma: Wann kommt der Sohn Davids? Dieser erwiderte: Ich fürchte, ihr werdet von mir ein Zeichen verlangen. Sie entgegneten: Wir werden von dir kein Zeichen verlangen.
19Da erwiderte er ihnen: Wenn dieses Tor einstürzen und wieder errichtet werden, einstürzen und wieder errichtet werden wird, und wiederum: einstürzen wird, und bevor man noch dazu kommen wird, es wieder zu errichten, wird der Sohn Davids kommen. Darauf sprachen sie zu ihm: Meister, gib uns ein Zeichen. Er entgegnete ihnen: Habt ihr mir etwa nicht gesagt, daß ihr kein Zeichen verlangen werdet!?
20Sie erwiderten ihm: Aber dennoch. Da sprach er zu ihnen: Ist dies wahr, so werde das Wasser der Paneashöhle in Blut verwandelt. Hierauf wurde es in Blut verwandelt.
21Bei seinem Hinscheiden sprach er zu ihnen: Versenkt meinen Sarg ganz tief,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.