Sanhedrin — Blatt 98b

1denn es gibt keine Palme in Babylonien, an der nicht ein persisches Pferd angebunden sein wird, und es gibt keinen Sarg im Jisraéllande, aus dem nicht ein medisches Pferd Stroh fressen wird.

2Rabh sagte: Der Sohn Davids wird nicht eher kommen, als bis die ruchlose Regierung neun Monate sich über Jisraél ausgedehnt haben wird, denn es heißt: er wird sie eine Zeit lassen, wie die Gebärende gebiert; und seine übrigen Brüder werden zu den Kindern Jisraél zurückkehren.

3U͑la sagte: Mag er kommen, ich aber will ihn nicht sehen. Ebenso sagte Raba: Mag er kommen, ich aber will ihn nicht sehen. R. Joseph sagte: Möge er doch kommen, und mir sei es beschieden, im Schatten des Mistes seines Esels zu sitzen.

4Abajje sprach zu Raba: Weshalb: wenn etwa wegen der Leiden der messianischen Zeit, so wird ja gelehrt: Seine Schüler fragten R. Elea͑zar, was ein Mensch zu tun habe, um vor den Leiden der messianischen Zeit geschützt zu sein, und er erwiderte ihnen, er befasse sich mit der Tora und Liebeswerken, und der Meister befaßt sich ja sowohl mit der Tora als auch mit Liebeswerken!?

5Er erwiderte ihm: Die Sünde könnte es verursachen. Dies nach R. Ja͑qob b. Idi, denn R. Ja͑qob b. Idi wies auf einen Widerspruch hin: Es heißt: siehe, ich bin mit dir und werde dich behüten überall wohin du gehst, und es heißt: und Ja͑qob fürchtete sehr und es war ihm bange?

6Er fürchtete, die Sünde könnte es verursachen. So wird auch gelehrt: Bis hinübergezogen ist dein Volk, o Herr, das ist der erste Einzug,

7bis hinübergezogen ist das Volk, das du erworben hast, das ist der zweite Einzug. Hieraus ist zu entnehmen, daß die Jisraéliten würdig waren, daß ihnen beim zweiten Einzüge Wunder geschehen wie beim ersten Einzüge, nur hat es die Sünde verursacht.

8Ebenso sagte R. Joḥanan: Mag er kommen, ich aber will ihn nicht sehen. Reš Laqiš sprach zu ihm: Weshalb: wenn etwa, weil es heißt: wie wenn jemand, der einem Löwen entflieht, von einem Bären gestellt wird und, wenn er nach Hause gelangt ist und sich mit der Hand gegen die Wand stemmt, von einer Schlange gebissen wird, so komm und ich will dir solches auch auf dieser Welt zeigen. Wenn jemand aufs Feld hinausgeht und einem Landvogt begegnet, so ist es ebenso, als ob er einem Löwen begegnete; wenn er in die Stadt kommt und einem Zolleinnehmer begegnet, so ist es ebenso, als ob er einem Bären begegnete; wenn er nach Hause kommt und seine Töchter vor Hunger verschmachtet findet, so ist es ebenso, als ob ihn eine Schlange bisse. –

9Vielmehr, weil es heißt: Fragt doch nach und seht zu, ob wohl ein Mannsbild gebiert? Warum sehe ich denn alle Männer mit den Händen an den Hüften, einer Gebärenden gleich; warum jedes Angesicht fahlgelb? –

10Was heißt: sehe ich alle Männer? Raba b. Jiçḥaq erwiderte im Namen Rabhs: Bei dem alle Mannhaftigkeit ist. – Was heißt: jedes Angesicht fahlgelb? R. Joḥanan erwiderte: Sein oberer Kreis und sein unterer Kreis; wenn nämlich der Heilige, gepriesen sei er, sagen wird: diese sind mein Händewerk und jene sind mein Hände werk, wie soll ich nun die einen wegen der anderen untergehen lassen.

11R. Papa sagte: Das ist es, was die Leute sagen: Stürzt der Ochs beim Laufen, so stellt man das Pferd an dessen Krippe.

12R. Gidel sagte im Namen Rabhs: Dereinst werden die Jisraéliten die messianischen Jahre genießen. R.Joseph sprach: Selbstverständlich, wer denn sollte sie genießen, etwa Ḥileq und Bileq!? – Dies schließt die Ansicht R. Hillels aus, welcher sagte, die Jisraéliten hätten keinen Messias mehr, da sie ihn bereits in den Tagen Ḥizqijas verzehrt haben.

13Rabh sagte, die Welt sei nur wegen [der Verdienste] Davids erschaffen worden; Šemuél sagte, wegen der des Moše; R. Joḥanan sagte, wegen der des Messias. –

14Wie heißt er? – In der Schule R. Šilas sagten sie, er heiße Šilo, denn es heißt: bis Šilo kommt. R. Jannaj sagte, er heiße Jinon, denn es heißt: im Angesichte der Sonne wird sein Name sprossen [jinon]. In der Schule R. Ḥaninas sagten sie, er heiße Ḥanina, denn es heißt: ich werde euch kein Erbarmen [ḥanina] schenken. Manche sagen, er heiße Menahem (Sohn Ḥizqijas), denn es heißt: denn fern ist mir der Tröster [menaḥem], der mein Herz erquickte. Die Rabbanan sagten, er heiße ‘der Aussätzige des Lehrhauses’, denn es heißt: unsere Krankheiten hat er getragen und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen; wir aber hielten ihn für von Gott gestraft, geschlagen und geplagt.

15R. Naḥman sagte: Gehört er zu den Lebenden, so bin ich es, denn es heißt: sein Machthaber soll aus ihm selbst und sein Herrscher aus seiner Mitte hervorgehen. Rabh sagte: Gehört er zu den Lebenden, so ist es unser heiliger Meister, gehört er zu den Toten, so ist es Daniel, der Liebling.

16R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Dereinst wird ihnen der Heilige, gepriesen sei er, einen anderen David aufstellen, denn es heißt: sie werden dem Herrn, ihrem Gott dienen und ihrem Könige David, den ich ihnen aufstellen werde; es heißt nicht: aufgestellt habe, sondern: aufstellen werde. R. Papa sprach zu Abajje: Es heißt ja aber: und mein Knecht David soll für immer Herrscher sein!? – Wie Kaiser und Vizekaiser.

17R. Šimlaj trug vor: Es beißt: wehe denen, die sich den Tag des Herrn herbeiwünschen; was soll euch der Tag des Herrn, er ist ja Finsternis, nicht Licht. Ein Gleichnis. Ein Hahn und eine Fledermaus warteten auf das Tageslicht; da sprach der Hahn zur Fledermaus: Ich warte auf das Tageslicht, denn es ist für mich bestimmt, was soll dir aber das Tageslicht!?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.