Schabbat — Blatt 105a

1und es zwei geworden sind, ist schuldig. – Es wird ja aber gelehrt, er sei frei!? – Das ist kein Einwand; dies, wenn man sie noch mit Strichlein versehen muß, jenes, wenn man sie nicht mehr mit Strichlein zu versehen braucht.

2WER EINEN BUCHSTABEN ALS ABKÜRZUNG SCHREIBT, IST NACH R. JEHOŠUA͑ B. BETHERA SCHULDIG UND NACH DEN WEISEN FREI. R. Joḥanan sagte im Namen des R. Jose b. Zimra: Woher wissen wir die (Sprache der) Abkürzung aus der Tora zu entnehmen? Es heißt: denn zum Stammvater eines Haufens von Völkern mache ich dich; ich mache dich zum Stammvater von Völkern; ich mache dich zum Auserwählten unter den Völkern; ich mache dich zum Geliebten unter den Völkern; ich mache dich zum König über die Völker; ich mache dich zum Ausgezeichneten unter den Völkern; ich mache dich zum Vertrauten unter den Völkern.

3In seinem eigenen Namen sagte R. Joḥanan: Anokhi [ich], dies ist eine Abkürzung von: Ich selbst habe es geschrieben und gegeben. Die Rabbanan sagten: [Dies ist eine Abkürzung von:] angenehme Rede, geschrieben und gegeben. Manche sagen: Anokhi sei rückwärts [eine Abkürzung von:] gegeben, geschrieben, wahrhaftig sind ihre Worte.

4In der Schule R. Nathans sagten sie: Denn der Weg ist für mich verkehrt [jaraṭ]: [dies ist eine Abkürzung von:] [der Esel] fürchtete, sah und neigte ab. In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Karmel [zerstoßeneKörner]: [dies ist eine Abkürzung von:] während der Haufe voll ist. R. Aḥa b. Ja͑qob sagte: Einen bösen Fluch [nimreçeth]: dies ist eine Abkürzung von: er ist ein Buhler, er ist ein Moabiter, er ist ein Mörder, er ist ein Feind, er ist ein Scheusal.

5R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Was sollen wir reden und wie sollen wir uns rechtfertigen [niçṭadaq]: [dies ist eine Abkürzung von:] wir sind ehrlich, wir sind gerecht, wir sind rein, wir sind verstoßen, wir sind heilig.

6WER ZWEI BUCHSTABEN BEI ZWEIMALIGEM ENTFALLEN SCHREIBT, EINMAL MORGENS UND EINMAL ABENDS, IST NACH R. GAMLIÉL SCHULDIG UND NACH DEN WEISEN FREI.

7GEMARA. Worin besteht ihr Streit? – R. Gamliél ist der Ansicht, es gebe kein Bewußtwerden für ein halbes Quantum, und die Rabbanan sind der Ansicht, es gebe ein Bewußtwerden für ein halbes Quantum.

8R. ELIE͑ZER SAGT, WER BEGINNEND DREI FÄDEN WEBT, ODER ZU EINEM GEWEBE EINEN FADEN EINSCHLÄGT, SEI SCHULDIG; DIE WEISEN SAGEN, SOWOHL BEIM BEGINNEN ALS AUCH BEI DER FORTSETZUNG GELTE DIE NORM VON ZWEI FÄDEN. WER ZWEI LITZEN MACHT AM KETTENBAUME ODER AM RIETBLATTE, AN EINEM FEINEN SIEBE ODER AN EINEM GROBEN SIEBE, IST SCHULDIG; EBENSO, WER ZWEI STICHE NÄHT, ODER, UM ZWEI STICHE ZU NÄHEN, REISST.

9GEMARA. Als R. Jiçḥaq kam, lehrte er: zwei. – Wir haben ja aber gelernt: drei!? – Das ist kein Einwand; das eine gilt von starken Fäden, das andere von dünnen. Manche erklären es nach der einen Seite, und manche erklären es nach der anderen Seite. Manche erklären es nach der einen Seite: bei starken Fäden fallen drei nicht auseinander, wohl aber zwei; bei dünnen Fäden aber fallen auch zwei nicht auseinander. Manche erklären es nach der anderen Seite: bei dünnen sind drei kenntlich, nicht aber zwei; bei starken aber sind auch zwei kenntlich.

10Es wird gelehrt: (R. Elie͑zer sagt:) Wer beginnend drei Fäden webt, oder zu einem Gewebe einen Faden einschlägt, ist schuldig; die Weisen sagen, sowohl beim Beginnen als auch bei der Fortsetzung gelte die Norm von zwei Fäden. An der Kante zwei Fäden in der Breite dreier Litzen, denn das gleicht dem Weben eines kleinen Gürtels: zwei Fäden in der Breite dreier Litzen. Die anonyme Lehre, wer beginnend drei Fäden webt oder zu einem Gewebe einen Faden einschlägt, sei schuldig, ist nach R. Elie͑zer.

11Ein anderes lehrt: Wer zwei Fäden an der Borte oder am Saume webt, ist schuldig; R. Elie͑zer sagt, auch wegen eines. An der Kante ist man wegen zweier Fäden in der Breite dreier Litzen schuldig, denn das gleicht dem Weben eines kleinen Gürtels: zwei Fäden in der Breite dreier Litzen. Die anonyme Lehre, wer zwei Fäden an der Borte oder am Saume webt, sei schuldig, ist nach den Rabbanan.

12WER ZWEI LITZEN MACHT &C. Was heißt am Kettenbaume? Abajje erwiderte: [Den Faden] zweimal um den Kettenbaum und einmal um die Litze. (ODER AM RIETBLATTE. Was heißt Rietblatt? Rabh erwiderte: Meçubitha.)

13WER ZWEI STICHE NÄHT. Das Nähen von zwei Stichen ist ja bereits unter den Hauptarbeiten genannt worden!? – Da er im Schlußsatze vom Reißen, um zwei Stiche zu nähen, lehren will, so lehrt er auch vom Nähen. – Auch das Reißen wurde ja bereits unter den Hauptarbeiten gelehrt!? – Vielmehr, da er weiter vom Reißen aus Wut oder wegen eines Toten lehren will, lehrt er auch vom Nähen zweier Stiche.

14ODER, UM ZWEI STICHE ZU NÄHEN, REISST. Wie kann dies vorkommen? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.