Schabbat — Blatt 113b

1dein Gespräch am Šabbath gleiche nicht deinem Gespräche am Wochentage. Jedoch ist nur das [geschäftliche] Sprechen verboten, das Denken aber ist erlaubt. – Begreiflich sind all jene Verordnungen, wieso aber gleiche der Gang am Šabbath nicht dem Gang am Wochentage? – Wie R. Hona im Namen Rabhs, und wie andere sagten, R. Abba im Namen R. Honas, gesagt hat: Wenn jemand am Šabbath geht und auf einen Wassergraben stößt, so darf er [hinüberschreiten], falls er den einen Fuß setzen kann, bevor er jenen aufgehoben hat, wenn aber nicht, so ist es verboten.

2Raba wandte ein: Wie sollte man es denn [anders] machen; macht man eignen Umweg, so hat man ja mehr zu gehen, geht man durch diesen hindurch, so könnte man ja, wenn die Kleider naß werden, sie auszudrücken veranlaßt werden!? – Vielmehr, da es nicht anders möglich ist, so ist [das Hinüberspringen] erlaubt. – Vielmehr, wie Rabbi den R. Jišma͑él b. R. Jose gefragt hat: Darf man am Šabbath große Schritte machen? Dieser erwiderte: Ist dies denn am Wochentage erlaubt!? Ich sage, ein großer Schritt nimmt ein Fünfhundertstel vom Augenlichte des Menschen. Man erhält es zurück, durch den Weihsegen am Šabbathabend.

3Rabbi fragte R. Jišma͑él b. R. Jose: Darf man am Šabbath Erde essen? Dieser erwiderte: Ist dies denn am Wochentage erlaubt? Ich sage, dies ist auch am Wochentage verboten, weil es schädlich ist. R. Ami sagte: Wenn jemand von der Erde Babyloniens ißt, so ist dies ebenso, als äße er vom Leibe seiner Vorfahren. Manche sagen, als äße er Ekel und Kriechtiere, denn es heißt: und er vertilgte alles Bestehende &c.

4Reš Laqiš sagte: [Babylonien] heißt deshalb Šinea͑r, weil alle bei der Sintflut dorthin gespült wurden. R. Joḥanan sagte: Es wird deshalb Tiefe genannt, weil alle Toten der Welt da versunken sind. – Aber die Ekel- und Kriechtiere sind ja längst verwest!? – Ich will dir sagen, da [Erde] schädlich ist, so hat man [das Essen] verboten. So aß einst ein Mann eine Erdscholle, mit der er Kresse mitaß, und die Kresse wuchs [in seinem Leibe] bis ans Herz heran, sodaß er starb.

5Wasche und salbe dich und lege deine Kleider an. R. Elea͑zar sagte: Das sind die Šabbathkleider. Gib dem Weisen, und er wird noch weiser. R. Elea͑zar sagte: Darunter sind die Moabiterin Ruth und Šemuél aus Rama zu verstehen.

6Ruth, denn Na͑mi sprach zu ihr: Wasche und salbe dich und lege deine Kleider an, und gehe zur Tenne hinunter. Jedoch heißt es von ihr: da ging sie zur Tenne hinunter, und erst dann: und sie tat, ganz wie ihre Schwiegermutter sie geheißen hatte, Šemuél, denn E͑li sprach zu ihm: Lege dich schlafen, und wenn er dich etwa ruft, so sprich: Rede, Herr, dein Knecht hört. Jedoch heißt es von ihm: da kam der Herr, stellte sich hin und rief wie die vorigen Male: Šemuél, Šemuél, und Šemuél sprach: Rede, dein Knecht hört; er sagte aber nicht: Rede, Herr.

7Da ging sie, kam hin und las auf dem Felde hinter &c. R. Elea͑zar sagte: Sie ging mehrmals auf und ab, bis sie anständige Leute fand, mit denen sie gehen konnte. Da fragte Boa͑z seinen Diener, der bei den Schnittern gestanden hatte: Wem gehört dieses Mädchen? War es denn die Art Boa͑z’, nach einem Mädchen zu fragen? R. Elea͑zar sagte: Er merkte ihr besondere Weisheit an; sie las nämlich nur zwei nebeneinanderliegende Ähren, drei nebeneinanderliegende las sie nicht.

8In einer Barajtha wird gelehrt: Er merkte ihr besondere Keuschheit an; stehende [Ähren] las sie stehend, liegende las sie hockend. Halte dich zu meinen Mädchen. War es denn die Art Boa͑z’, sich Mädchen anzuschließen? R. Elea͑zar sagte: Als er gesehen hatte, wie O͑rpa ihre Schwiegermutter küßte, Ruth sich aber an sie schloß, sprach er: Dieser kann man sich anschließen.

9Zur Essenszeit aber sagte Boa͑z zu ihr: Komm hierher. R. Elea͑zar sagte: Er deutete ihr an, daß dereinst das Königshaus Davids aus ihr hervorgehen werde, bei dem ebenfalls [das Wort] hierher gebraucht wird, wie es heißt: da kam der König David, setzte sich vor den Herrn und sprach: Wer bin ich, o Gott, mein Herr, und was ist mein Haus, daß du mich bis hierher gebracht hast!? Tunke dein Brot in den Essig. R. Elea͑zar sagte: Hieraus, daß der Essig gut ist gegen Hitze.

10R. Šemuél b. Naḥmani sagte: Er deutete ihr an, daß aus ihr ein Sohn hervorgehen werde, dessen Taten sauer wie Essig sein werden, das ist nämlich Menaše. Da setzte sie sich zur Seite der Schnitter. R. Elea͑zar sagte: Zur Seite der Schnitter, nicht aber unter die Schnitter. Er deutete ihr auch an, daß das Königreich Davids sich spalten werde.

11Und er legte ihr geröstete Ähren vor, und sie aß. R. Elea͑zar sagte: Sie aß, in den Tagen Davids; sie wurde satt, in den Tagen Šelomos; sie ließ übrig, in den Tagen Ḥizqijas. Manche erklären: Sie aß, in den Tagen Davids und in den Tagen Šelomos; sie wurde satt, in den Tagen Ḥizqijas; sie ließ übrig, in den Tagen Rabbis. Der Meister sagte nämlich: Der Stallmeister Rabbis war reicher, als der König Sapor. In einer Barajtha wird gelehrt: Sie aß, auf dieser Welt; sie wurde satt, in den messianischen Tagen; sie ließ übrig, in der zukünftigen Welt.

12Und unter seiner Herrlichkeit wird ein Brand entbrennen, wie Feuerbrand. R. Joḥanan sagte: Unter seiner Herrlichkeit, nicht aber seine Herrlichkeit selbst. R. Joḥanan vertritt hiermit seine Ansicht, denn er nannte seine Kleider ‘meine Würde’.

13R. Elea͑zar sagte: Unter seiner Herrlichkeit, wörtlich, unter seiner Herrlichkeit. R. Šemuél b. Naḥmani sagte: Unter seiner Herrlichkeit, wie bei der Verbrennung der Söhne Ahrons; wie bei diesen nur die Seele verbrannt wurde, während der Körper erhalten blieb, so ist auch hierbei nur die Seele verbrannt worden, während der Körper erhalten blieb.

14R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.