Schabbat — Blatt 132a
1wohl jene, die, wenn die festgesetzte Zeit vorüber ist, keine Geltung mehr haben. – Vielmehr, folgendes ist der Grund R. Elie͑zers: die Schrift sagt: Am achten Tage soll seine Vorhaut beschnitten werden, auch am Šabbath. –
2Sollte es der Allbarmherzige von der Beschneidung gelehrt haben, von der man es hinsichtlich jener folgern könnte!? – Man könnte einwenden: wohl die Beschneidung, wegen der dreizehn Bündnisse geschlossen wurden.
3Die Rabbanan streiten gegen [R. Elie͑zer] nur hinsichtlich der Erfordernisse zur Beschneidung, alle stimmen jedoch überein, daß die Beschneidung selbst den Šabbath verdrängt. Woher dies? U͑la erwiderte: Dies ist eine überlieferte Halakha. Ebenso sagte R. Jiçḥaq, es sei eine überlieferte Halakha.
4Man wandte ein: Woher, daß die Lebensrettung den Šabbath verdrängt? Dies erklärte R. Elea͑zar b. A͑zarja: Wenn die Beschneidung, die nur an einem Gliede des Menschen vorgenommen wird, den Šabbath verdrängt, so ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern, daß die Lebensrettung den Šabbath verdrängt.
5Wieso kann, wenn du sagst, dies sei eine überlieferte Halakha, von einer Halakha [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere gefolgert werden!? Es wird nämlich gelehrt: R. Elea͑zar b. A͑zarja sprach zu ihm: A͑qiba, die Verunreinigung durch einen gerstengroßen Knochen [eines Leichnams] ist eine überlieferte Halakha, und die Verunreinigung durch ein Viertellog Blut [eines Leichnams] soll durch [einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere gefolgert werden, aber man kann von einer überlieferten Halakha keinen [Schluß vom] Leichteren auf das Schwerere folgern.
6Vielmehr, sagte R. Elea͑zar, dies ist aus [dem Worte] Zeichenzu folgern. –
7Demnach sollten auch die Tephillin den Šabbath verdrängen, bei denen es ebenfalls Zeichen heißt!? –
8Vielmehr, es ist [aus dem Worte] Bündniszu folgern. –
9Demnach sollte auch [die Beschneidung] eines Erwachsenen, bei der es ebenfalls Bündnis heißt, den Šabbath verdrängen!? –
10Vielmehr, dies ist aus [dem Worte] Geschlechtzu folgern. –
11Demnach sollte auch das Çiçithgebot, bei dem es ebenfalls Geschlecht heißt, den Šabbath verdrängen!?
12Vielmehr, erklärte R. Naḥman b. Jiçḥaq, man folgere hinsichtlich dessen, wobei es Zeichen, Bündnis und Geschlecht heißt, von dem, wobei es Zeichen, Bündnis und Geschlecht heißt, während bei jenen nur eines [dieser Worte] gebraucht wird.
13R. Joḥanan erwiderte: Die Schrift sagt: am [achten] Tage, am Tage, auch am Šabbath.
14Reš Laqiš sprach zu R. Joḥanan: Demnach sollten auch [die Opfer] derer, die der Sühne benötigen, bei denen es ebenfalls Tagheißt, den Šabbath verdrängen!? — Bei diesen deutet dies darauf, daß es nur am Tage und nicht nachts zu erfolgen hat. —
15Demnach sollte es auch [bei der Beschneidung] darauf deuten, daß es nur am Tage und nicht nachts zu erfolgen habe!? — Dies geht aus [den Worten] acht Tage althervor. —
16Auch bei jenen geht es ja aus [den Worten:] am Tage, da er ihm befohlen hat, hervor!? —
17Obgleich es aus [den Worten:] am Tage, da er ihm befohlen hat, hervorgeht, ist es dennoch [hervorzuheben] nötig; man könnte glauben, daß diese, da der Allbarmherzige sie bei Armut geschont hat, [ihre Opfer] auch nachts darbringen dürfen, so lehrt er uns.
18Rabina wandte ein: Demnach sollte bei diesen auch ein Laie und ein Trauernder zulässig sein!? — Die Schrift hat sie ja wieder eingeschlossen.
19R. Aḥa b. Ja͑qob erklärte: Die Schrift sagt: am achten, am achten, auch am Šabbath. — [Das Wort] am achten ist ja dazu nötig, den siebenten auszuschließen!? —
20Hinsichtlich des siebenten geht es hervor aus [den Worten]: acht Tage alt. —
21Aber immerhin ist ja eines nötig, um den siebenten Tag auszuschließen, und eines, um den neunten auszuschließen. Wenn nur eines vorhanden wäre, könnte man glauben, am siebenten nicht, weil die Zeit [zur Beschneidung] noch nicht herangereicht ist, vom achten ab aber habe sie begonnen!? — Am richtigsten ist vielmehr die Erklärung R. Joḥanans.
22Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Joḥanan, gegen R. Aḥa b. Ja͑qob. Am achten ist zu beschneiden, auch am Šabbath. Wie aber halte ich aufrecht [die Worte:] wer ihn entweiht, soll sterben? Dies bezieht sich auf andere Arbeiten außer der Beschneidung. Vielleicht aber umgekehrt: Dies bezieht sich auch auf die Beschneidung, und (die Worte): am achten ist zu beschneiden, sind zu verstehen, außer am Šabbath!? Daher heißt es: am Tage, auch am Šabbath.
23Raba sprach: Was veranlaßte anfangs diesen Tanna zu seiner Erklärung, und was veranlaßte ihn später zu seinem Einwurfe? —
24Er lehrte wie folgt: Am achten ist zu beschneiden, auch am Šabbath. Wie aber halte ich aufrecht [die Worte:] wer ihn entweiht, soll sterben? Dies bezieht sich auf andere Arbeiten, außer der Beschneidung. Die Beschneidung aber verdrängt ihn,
25denn es ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: der Aussatz verdrängt ja den Tempeldienst
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.