Schabbat — Blatt 138b

1Einen Brautbaldachin darf man aufspannen und abnehmen.

2R. Šešeth, Sohn des R. Idi, sagte: Dies nur, wenn das Dach keine Handbreite hat, wenn es aber eine Handbreite hat, ist es verboten. Und auch, wenn es keine Handbreite hat, nur dann, wenn es weniger als drei [Handbreiten] von der Dachspitze keine Handbreite hat, wenn es aber weniger als drei [Handbreiten] von der Dachspitze eine Handbreite hat, ist es verboten. Auch nur dann, wenn die Schräge keine Handbreite beträgt, beträgt aber die Schräge eine Handbreite, so wird auch die Schräge des Zeltes als Zelt betrachtet. Auch nur dann, wenn es keine Handbreite über das Bett herabhängt, wenn es aber eine Handbreite über das Bett herabhängt, so ist es verboten.

3Ferner sagte R. Šešeth, Sohn des R. Idi: [Breite] Filzhüte sind erlaubt. — Es wird ja aber gelehrt, Filzhüte seien verboten!? — Das ist kein Widerspruch; dies, wenn [die Krampe] eine Handbreite hat, jenes, wenn sie keine Handbreite hat. —

4Demnach ist man schuldig, wenn man ein Gewand eine Handbreite [über dem Kopfe] hängen läßt!? — Vielmehr, das ist kein Widerspruch; das eine, wenn er fest sitzt, das andere, wenn er lose sitzt.

5Rami b. Jeḥezqel sandte an R. Hona: Sage uns doch jene schönen Dinge, die du uns einst im Namen Rabhs gesagt hast, zwei inbetreff des Šabbaths und eines inbetreff der Tora.

6Da ließ er ihm antworten: Es wird gelehrt, man dürfe am Šabbath einen Schlauch an den Riemen aufspannen. Hierzu sagte Rabh, dies sei nur von zwei Personen gelehrt worden, bei einer Person sei es verboten.

7Abajje sagte: Einen Baldachin dürfen sogar zehn Personen nicht, weil es nicht möglich ist, daß nicht etwas herabhängt. —

8Was weiter? — Es wird gelehrt, wenn von einem Kochherde ein Fuß fehlt, dürfe man ihn fortbewegen, wenn zwei, dürfe man ihn nicht fortbewegen. Hierzu sagte Rabh, auch wenn einer fehlt, sei es verboten, weil zu berücksichtigen ist, man könnte ihn befestigen. —

9Was inbetreff der Tora? — Rabh sagte: Dereinst wird die Tora bei Jisraél in Vergessenheit geraten. Es heißt nämlich: der Herr wird über dich wundersame Plagen verhängen, und ich würde nicht gewußt haben, was unter ‘wundersam’ zu verstehen sei; wenn es aber heißt: darum handle ich noch einmal mit diesem Volke wunderbar, wunderbar und wundersam, daß die Weisheit seiner Weisen verloren geht, so ist hieraus zu entnehmen, daß mit ‘wundersam’ die Tora gemeint sei.

10Die Rabbanan lehrten: Als unsere Lehrer in der Akademie zu Jabne zusammentraten, sprachen sie: Dereinst wird die Tora bei Jisraél in Vergessenheit geraten, denn es heißt: Siehe, es sollen Tage kommen, spricht der Herr, da will ich Hunger in das Land senden, nicht Hunger nach Brot, nicht Durst nach Wasser, sondern die Worte des Herrn zu hören. Ferner heißt es: sie werden von einem Meere zum anderen wanken, und von Ost und West umherschweifen, um das Wort des Herrn zu suchen; sie werden es aber nicht finden.

11Das Wort des Herrn, das ist die Halakha; das Wort des Herrn, das ist das Ende; das Wort des Herrn, das ist die Prophetie. —

12Was meint er mit [den Worten:] sie werden umherschweifen, um das Wort des Herrn zu suchen? — Sie sagten, dereinst werde eine Frau einen Laib Brot von Hebe nehmen und damit in die Bet- und Lehrhäuser umhergehen, um zu erfahren, ob er unrein oder rein sei, niemand aber wird es wissen. —

13Ob rein oder unrein steht ja ausdrücklich geschrieben: von jeder Art Speise, die gegessen wird!? — Vielmehr, um zu wissen, ob er erstgradig oder zweitgradig unrein sei, niemand aber wird es wissen. —

14Aber auch dies ist ja eine Mišna, denn wir haben gelernt, wenn ein Kriechtier sich in einem Ofen befindet, sei das darin befindliche Brot zweitgradig [unrein], weil der Ofen selbst erstgradig ist!? —

15Sie werden über das, was R. Ada b. Ahaba zu Raba gesagt hat, im Zweifel sein: Der Ofen sollte doch als mit Unreinheit ausgefüllt betrachtet werden, und das Brot somit erstgradig [unrein] sein!?

16Dieser erwiderte: Der Ofen ist nicht als mit Unreinheit ausgefüllt zu betrachten, denn es wird gelehrt: Man könnte glauben, jedes Gefäß werde durch die Luft eines unreinen Tongefäßes unrein, so heißt es: alles, was sich darin befindet, werde unrein; von jeder Art Speise, die gegessen wird; Speisen werden durch die Luft eines [unreinen] Tongefäßes unrein, Gefäße aber werden nicht durch die Luft eines [unreinen] Tongefäßes unrein.

17Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Joḥaj sagte: Behüte und bewahre, daß etwa die Tora bei Jisraél in Vergessenheit geraten könnte, denn es heißt: es wird unvergessen im Munde seiner Nachkommen bleiben. Wieso aber halte ich aufrecht [die Worte:] sie werden umherschweifen, um das Wort des Herrn zu suchen; sie werden es aber nicht finden?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.