Schabbat — Blatt 139a

1Sie werden keine klare Halakha und keine klare Lehre an einer Stelle finden.

2Es wird gelehrt: R. Jose b. Eliša͑ sagte: Wenn du ein Zeitalter siehst, über das viele Leiden verhängt werden, so gehe und untersuche die Richter Jisraéls, denn jedes Verhängnis, das über die Welt kommt, kommt nur wegen der Richter Jisraéls, denn es heißt: höret doch dies, Häupter des Hauses Ja͑qob, Gebieter des Hauses Jisraél, die ihr Recht verabscheuet und alles Gerade krumm machet. Ferner heißt es: man baut Çijon mit Blut [und Jerušalem mit Frevel]. Seine Häupter sprechen Recht für Bestechung, ihre Priester lehren für Lohn; ihre Propheten wahrsagen durch Zauberei und stützen sich auf den Herrn &c.

3Sie sind Frevler, jedoch berufen sie sich auf den, der durch sein Wort die Welt erschaffen hat. Entsprechend den drei Sünden, die in ihrer Hand, brachte der Heilige, gepriesen sei er, über sie drei Verhängnisse, wie es heißt: darum soll euretwegen Çijon zum Felde umgepflügt werden, Jerušalem ein Trümmerhaufen und der Tempelberg zur bewaldeten Höhe,

4Der Heilige, gepriesen sei er, läßt ferner seine Göttlichkeit nicht eher über Jisraél ruhen, als bis die schlechten Richter und Aufseher aus Jisraél entfernt sind, wie es heißt: ich will meine Hand wieder gegen dich kehren, wie mit Lauge all dein unedles Metall läutern und all dein Zinn ausscheiden; deine Richter will ich dir wieder einsetzen wie dereinst, und wie zuvor deine Räte.

5U͑la sagte: Jerusalem wird nur durch Gerechtigkeit erlöst werden, wie es heißt: Çijon soll durch Recht erlöst werden, und seine Heimkehrenden durch Gerechtigkeit.

6R. Papa sagte: Wenn die Hochmütigen aufhören, hören auch die Magier auf; wenn die [schlechten] Richter aufhören, hören auch die Befehlshaber auf.

7Wenn die Hochmütigen aufhören, hören auch die Magier auf, denn es heißt: ich will wie mit Lauge all dein unedles Metall läutern;

8wenn die [schlechten] Richter aufhören, hören auch die Befehlshaber auf, denn es heißt: der Herr hat deine Richter entfernt, deinen Feind hinweggeräumt.

9R. Malaj sagte im Namen des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n: Es heißt: zerbrochen hat der Herr den Stab der Frevler, den Stock der Gewaltherrscher. Zerbrochen hat der Herr den Stab der Frevler, das sind die Richter, die ihren Exekutivbeamten als Stab dienen; den Stock der Gewaltherrscher, das sind die Schriftgelehrten aus den Familien der Richter. Mar Zuṭra erklärte: Das sind die Schriftgelehrten, die unwissenden Richtern das bürgerliche Gesetz lehren.

10R. Elea͑zar b. Malaj sagte im Namen des Reš Laqiš: Es heißt: denn euere Hände sind mit Blut besudelt und euere Finger mit Sünde; Lüge redeten euere Lippen, euere Zunge spricht Frevel.

11Euere Hände sind mit Blut besudelt, das sind die Richter; und euere Finger mit Sünde, das sind die Gerichtsschreiber; Lüge redeten euere Lippen, das sind die Rechtsanwälte; euere Zunge spricht Frevel, das sind die Gerichtsparteien.

12Ferner sagte R. Malaj im Namen des R. Jiçḥaq aus Magdela: Seit dem Tage, an dem Joseph sich von seinen Brüdern getrennt hatte, hatte er den Geschmack des Weines nicht gekostet, denn es heißt: und auf den Scheitel des Geweihten unter seinen Brüdern.

13R. Jose b. Ḥanina sagte: Auch sie hatten den Geschmack des Weines nicht gekostet, denn es heißt: dann tranken sie und berauschten sich mit ihm; demnach hatten sie sich bis dahin nicht berauscht. — Und jener!? — Berauscht hatten sie sich nicht, getrunken hatten sie aber wohl.

14Ferner sagte R. Malaj: Als Belohnung für: er wird sich in seinem Herzen freuen, wenn er dich erblickt, war es ihm beschieden, das Orakelschild auf seinem Herzen zu tragen.

15Die Leute aus Baskar sandten an Levi folgende Fragen: Wie verhält es sich mit einem Baldachin? Wie verhält es sich mit Hopfen in einem Weinberge? Wie verhält es sich mit einem Leichnam am Feste?

16Während [der Bote] ging, kehrte die Seele Levis zur Ruhe ein. Da sprach Šemuél zu R. Menasja: Bist du weise, so sende du ihnen Antwort. Da ließ er ihnen folgendes antworten: Hinsichtlich des Baldachins haben wir es nach jeder Richtung untersucht und keine Möglichkeit gefunden, es zu erlauben. —

17Sollte er ihnen doch nach Rami b. Jeḥezqel erwidert haben!? — Weil sie nicht gesetzeskundig waren. —

18Hopfen im Weinberge ist eine Mischsaat. — Sollte er ihnen doch nach R. Tryphon erwidert haben!? Es wird nämlich gelehrt: Hopfen in einem Weinberge ist, wie R. Tryphon sagt, keine Mischsaat; die Weisen sagen, Hopfen in einem Weinberge sei Mischsaat. Und es ist uns bekannt, daß bei Gesetzen, die für das Land bestimmt sind, außerhalb des Landes die Halakha nach den erleichternden zu entscheiden ist. — Weil sie nicht gesetzeskundig waren.

19Rabh ließ bekanntmachen: Wer Hopfen in einem Weinberge säen will, säe. R. A͑mram der Fromme ließ dieserhalb geißeln.

20R. Mešaršija gab einem nichtjüdischen Knaben eine Peruṭa, und dieser säete für ihn. — Sollte er doch einem jisraélitischen Knaben geben!? — Er könnte sich daran gewöhnen. — Sollte er einem erwachsenen Nichtjuden geben!? — Es könnte zu einer Verwechselung mit einem Jisraéliten kommen. —

21Bezüglich des Leichnams ließ er ihm folgendes antworten: Es dürfen sich mit ihm weder Judäer noch Aramäer befassen, weder am ersten Festtage, noch am zweiten Festtage. —

22Dem ist ja aber nicht so!? R. Jehuda b. Šilath erzählte ja im Namen R. Asis: Einst ereignete sich ein solcher Fall in einem Bethause zu Mao͑n an einem Festtage nächst einem Šabbath,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.