Schabbat — Blatt 145b
1nur bei [der Bekundung für] eine Frau.
2Sie fragten: Wie verhält es sich mit einem Zeugen nach dem Munde eines Zeugen bei der Erstgeburt? — Nach R. Ithaj ist es unzulässig, nach R. Aši ist es zulässig.
3R. Ithaj sprach zu R. Asi: In der Schule R. Menasjas lehrte man ja, ein Zeuge nach dem Munde eines Zeugen sei zulässig nur bei der Bekundung für eine Frau!? — Lies wie folgt: bei einer Bekundung, bei der eine Frau zulässig ist. R. Jemar ließ einen Zeugen nach dem Munde eines Zeugen bei einer Erstgeburt zu, und Meremar nannte ihn: Jemar, der die Erstgeburt erlaubt. Die Halakha ist, ein Zeuge nach dem Munde eines Zeugen ist bei der Erstgeburt zulässig,
4HONIGWABEN. Als R. Hoša͑ja aus Nehardea͑ kam, brachte er folgende Lehre mit: Wenn man Oliven und Weintrauben am Vorabend des Šabbaths zerdrückt und der Saft [am Šabbath] von selber ausfließt, so ist er verboten, und nach R. Elie͑zer und R. Šimo͑n erlaubt.
5R. Joseph sprach: Lehrt er uns etwa weitere Personennamen!? Da sprach Abajje zu ihm; Vieles lehrt er uns: aus der Mišna ist es nur hinsichtlich des Falles zu entnehmen, wenn es zuerst eine Speise war und auch eine Speise bleibt, nicht aber hinsichtlich des Falles, wenn es zuerst eine Speise war und ein Getränk wird, so lehrt er uns.
6WAS VOR ŠABBATH IN HEISSEM [WASSER] WAR, DARF MAN AM ŠABBATH IN HEISSES [WASSER] TUN, UND WAS NICHT VOR ŠABBATH IN HEISSEM [WASSER] WAR, DARF MAN AM ŠABBATH MIT WARMEM WASSER ABSPÜLEN, AUSGENOMMEN EIN ALTER SALZFISCH, (KLEINE GESALZENE FISCHE) UND DER SPANISCHE THUNFISCH, DENN BEI DIESEN IST DAS SPÜLEN VOLLENDETE ZUBEREITUNG.
7GEMARA. Was zum Beispiel? R. Saphra erwiderte: Zum Beispiel Huhn nach R. Abba. Ferner erzählte R. Saphra: Einst war ich dort, und man gab mir davon zum Essen, und wenn mir R. Abba nicht dreijährigen Wein zu trinken gegeben hätte, würde ich mich übergeben haben.
8R. Joḥanan pflegte bei [der Erwähnung des] babylonischen Quarkes auszuspucken, da sprach R. Joseph zu ihm: Wir sollten bei [Erwähnung von] Huhn nach R. Abba ausspucken. Auch erzählte R. Gaza: Als ich einst dort war und babylonischen Quark bereitete, verlangten alle Kranken des Westens davon.
9WAS NICHT IN HEISSEM [WASSER] WAR &C. Was geschieht, wenn man sie abgespült hat? R. Joseph erwiderte: Hat man sie abgespült, so ist man ein Sündopfer schuldig. Mar, Sohn des Rabana, sprach: Auch wir haben demgemäß gelernt: ausgenommen Salzfische und der spanische Thunfisch, denn bei diesen ist das Spülen vollendete Zubereitung. Schließe hieraus.
10R. Ḥija b. Abba und R. Asi saßen vor R. Joḥanan, und R. Joḥanan saß und schlummerte. Da sprach R. Ḥija b. Abba zu R. Asi: Weshalb ist das Geflügel in Babylonien so fett? Dieser erwiderte: Komm nach den Steppen von Aza, dort will ich dir noch fetteres zeigen. — Weshalb werden die Feste in Babylonien so fröhlich gefeiert? — Weil sie da arm sind. — Weshalb sind die Gelehrten in Babylonien [durch ihre Kleidung] ausgezeichnet? — Weil sie nicht gesetzeskundig sind. — Weshalb sind die Nichtjuden flätig? — Weil sie Ekel- und Kriechtiere essen.
11Währenddessen erwachte R. Joḥanan und sprach zu ihnen: Kinder, habe ich euch etwa nicht gesagt: Sprich zur Weisheit: Du bist meine Schwester. Sage etwas nur dann, wenn es dir so sicher ist, wie es sicher ist, daß deine Schwester dir verboten ist, sonst aber sage es nicht. Darauf sprachen sie: So möge uns doch der Meister erklären, weshalb das Geflügel in Babylonien so fett ist? — Weil es nicht in das Exil gewandert ist, denn es heißt: von Jugend auf hatte Moab Ruhe und lag ungestört auf seinen Hefen &c.; ins Exil ist er nicht gewandert. —
12Woher, daß jenes ins Exil gewandert ist? — Es wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Zweiundfünfzig Jahre hat kein Mensch Judäa betreten, denn es heißt: auf den Bergen will ich Weinen und Klagen erheben &c., die Vögel unter dem Himmel und das Vieh sind ausgewandert, fortgezogen. [Der Zahlenwert des Wortes] Behema [Vieh] beträgt zweiundfünfzig.
13R. Ja͑qob sagte im Namen R. Joḥanans: Mit Ausnahme des spanischen Thunfisches kehrten sie alle zurück. Rabh sagte nämlich: Die Abhänge Babyloniens leiten das Wasser nach der Quelle E͑ṭam, und da dieser [Fisch] kein festes Rückgrat hat, kann er nicht aufsteigen. —
14Weshalb werden die Feste in Babylonien so fröhlich gefeiert? — Weil da [die Leute] nicht einbegriffen waren im Fluche: Und ich will all ihrer Fröhlichkeit ein Ende machen, ihren Festen, ihren Neumonden, ihren Šabbathen und all ihren Festlichkeiten. Ferner heißt es: euere Neumonde und Feste mag ich nicht; sie sind mir zur Last geworden. — Was heißt: sie sind mir zur Last geworden? R. Elea͑zar erwiderte: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Nicht genug, daß die Jisraéliten gegen mich sündigen, sie belästigen mich auch, indem sie erfahren wollen, welches schwere Verhängnis ich über sie bringen werde. R. Jiçḥaq sagte: Du hast kein einziges Fest, an dem nicht [plündernde] Truppen nach Sepphoris kämen. Ferner sagte auch R. Ḥanina: Du hast kein einziges Fest, an dem nicht ein Hegemon oder ein Comes oder ein Rebenträger nach Ṭiberjas käme. —
15Weshalb sind die Schriftgelehrten in Babylonien [durch ihre Kleidung] ausgezeichnet? — Weil sie keine Ortsangehörige sind. So pflegen auch die Leute zu sagen: In der Heimat meinen Namen, in der Fremde meine Kleidung. Die aus Jáqob kommen, werden Wurzel schlagen, Jisraél wird hervorsprossen und blühen. Hierzu lehrte R. Joseph: Das sind die Schriftgelehrten in Babylonien, die Sprossen und Blüten für die Tora tragen. —
16Weshalb sind die Nichtjuden flätig? Weil sie am Berge Sinaj nicht gestanden haben.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.