Schabbat — Blatt 147b
1Demnach ist es, den Körper abzuspülen, von vornherein erlaubt. Wer [lehrte dies]? – Es ist R. Šimo͑n, denn es wird gelehrt: Man darf sich weder mit warmem noch mit kaltem Wasser abspülen – so R. Meír; R. Šimo͑n erlaubt dies. R. Jehuda sagt, mit warmem sei es verboten, mit kaltem erlaubt.
2UND ZUM ABTROCKNEN SOGAR ZEHN TÜCHER BENUTZT HAT. Der Anfangssatz hebt etwas hervor, und der Schlußsatz hebt etwas hervor. Der Anfangssatz hebt hervor, daß einer es nicht darf, auch wenn [die Tücher] nicht viel Wasser enthalten, da er zum Ausdrücken veranlaßt werden könnte; der Schlußsatz hebt hervor, daß mehrere es dürfen, weil sie einander aufmerksam machen.
3Die Rabbanan lehrten: Man darf sich mit einem Tuche abtrocknen und es aufs Fenster legen, nur darf man es nicht den Badedienern geben, weil sie diesbezüglich verdächtig sind. R. Šimo͑n sagt, man dürfe sich mit einem Tuche abtrocknen und es in der Hand nach Hause bringen.
4Abajje sprach zu R. Joseph: Wie ist die Halakha? Dieser erwiderte: Da ist R.Šimo͑n, da ist Rabbi, da ist Šemuél und da ist R. Joḥanan.
5R.Šimo͑n, wie wir eben gesagt haben. Rabbi, denn es wird gelehrt: Rabbi erzählte: Als wir die Tora bei R. Šimo͑n in Teqoá studierten, pflegten wir da das Öl und das Tuch vom Hofe nach dem Dache und vom Dache nach dem Gehege zu tragen, bis wir zur Quelle kamen, wo wir zu baden pflegten. Šemuél, denn R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Man darf sich mit einem Tuche abtrocknen und es in der Hand nach Hause bringen. R. Joḥanan, denn R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Die Halakha ist, man darf sich mit einem Tuche abtrocknen und es nach Hause bringen. –
6Kann R. Joḥanan dies denn gesagt haben, er sagte ja, die Halakha sei wie die anonyme Mišna, und wir haben gelernt, man dürfe, wenn man sich sogar mit zehn Handtüchern abgetrocknet hat, sie nicht in der Hand heimbringen!? – Dies ist nach Ben Hakhinaj gelehrt worden.
7R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Die Badediener dürfen [am Šabbath] die Badewäsche der Frauen in das Bad bringen, nur müssen sie damit den Kopf und den größeren Teil des Körpers bedecken. Beim Umschlagetuch muß man beide Enden unten zusammenbinden. R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Unterhalb der Schultern. Raba sprach zu den Leuten in Mahoza: Wenn ihr Kleider für das Heer bringet, so lasset sie unterhalb der Schultern herabwallen.
8SALBEN UND MASSIEREN. Die Rabbanan lehrten: Man darf sich am Šabbath salben und den Unterleib massieren, nur darf man dabei nicht so verfahren, wie am Wochentage. – Wie mache man es? R. Ḥama b. Ḥanina erwiderte: Zuerst salbe man sich, nachher massiere man sich. R. Joḥanan erwiderte: Man salbe und massiere sich zugleich.
9NICHT ABER SICH ANSTRENGEN. R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Man darf nicht auf dem Boden [der Thermen] von Diomsith stehen, weil sie anstrengend und heilend wirken. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Die Tage von Diomsith sind einundzwanzig, und das Wochenfest ist einbegriffen. Sie fragten: Fällt das Wochenfest vorher oder nachher? – Komm und höre: Šemuél sagte: Alle Getränke wirken vom Pesaḥfeste bis zum Wochenfeste. – Vielleicht deshalb, weil sie, je kälter es ist, desto besser wirken, während hierbei die Heilung in der Wärme liegt, somit sind sie wirksamer, je wärmer es ist.
10R. Ḥelbo sagte: Der Wein aus Phrygien und die Bäder von Diomsith haben zehn Stämme von Jisraél zugrunde gerichtet.
11R. Elea͑zar b. A͑rakh war da und gab sich diesen hin, und er vergaß sein Studium. Als er zurückkam und im Buche lesen wollte, las er: Ist ihr Herz zur Scherbe geworden, statt: dieser Monat sei für euch. Da flehten die Rabbanan für ihn um Erbarmen, und er gelangte wieder zu seinem Wissen. Das ist es, Avas wir gelernt haben.
12R. Nehoraj sagte: Wandere aus nach einer Stätte der Tora, und sage nicht, sie werde dir folgen; denn nur deine Genossen erhalten sie dir, auf deinen Verstand aber verlasse dich nicht. Es wird gelehrt: Sein Name war nicht R. Nehoraj, sondern R. Neḥemja, manche sagen, sein Name war R. Elea͑zar b. A͑rakh, nur deshalb wird er R. Nehoraj genannt, weil er die Augen der Gelehrten in der Halakha erleuchtete [manhir].
13NICHT FROTTIEREN. Die Rabbanan lehrten: Man darf sich am Šabbath nicht mit einer Bürste frottieren. R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Sind einem die Füße mit Kot und Unrat beschmutzt, so darf er sie ohne Bedenken wie gewöhnlich fortreiben. Dem R. Šemuél b. Jehuda machte seine Mutter eine Frottierbürste aus Silber.
14MAN DARF NICHT IN EINE PFÜTZE HINABSTEIGEN &C. Aus welchem Grunde? – Wegen des Ausgleitens.
15MAN DARF AM ŠABBATH KEIN BRECHMITTEL BEREITEN. Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R, Joḥanans: Dies wurde nur von einer Arznei gelehrt, mit der Hand ist es jedoch erlaubt. Es wird gelehrt: R. Neḥemja sagte: Dies ist auch am Wochentage verboten, wegen der Verschwendung von Speisen.
16MAN DARF NICHT EINEM KINDE DIE GLIEDER EINRENKEN. Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Das Wickeln eines Kindes ist am Šabbath erlaubt. – Wir haben ja aber gelernt, man dürfe nicht die Glieder einrenken!? – Dies gilt von den Wirbeln des Rückgrates, weil dies den Anschein des Bauens hat.
17NOCH EINEN BRUCH IN DIE RICHTIGE LAGE BRINGEN. R. Ḥana aus Bagdad sagte im Namen Šemuéls:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.