Schabbat — Blatt 149b

1und nach der Ansicht (der Schule) Hillels, auch des Wuchers. –

2Demnach sollte dies auch von seinen Kindern und seinen Familienangehörigen gelten!? – Bei seinen Kindern und seinen Familienangehörigen ist es mit einer Lehre R. Jehudas im Namen Rabhs zu begründen. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs: Man darf seinen Kindern und seinen Familienangehörigen auf Wucher borgen, um sie den Geschmack des Wuchers kosten zu lassen. –

3Demnach sollte doch auch eine große Portion gegen eine kleine erlaubt sein!? –

4Dem ist auch so, nur ist [unsere Mišna] lückenhaft und muß wie folgt lauten: Man darf bei Tisch Portionen unter seine Kinder und seine Familienangehörigen durch das Los verteilen, auch eine große Portion gegen eine kleine. Dies (aus dem Grunde) wegen der Lehre R. Jehudas im Namen Rabhs. Nur unter seine Kinder und seine Familienangehörigen, nicht aber unter Fremde. Dies (aus dem Grunde) wegen der Lehre R. Jehudas im Namen Šemuéls. Eine große Portion gegen eine kleine an Fremde ist sogar am Wochentage verboten. – Aus welchem Grunde? – Wegen Glücksspieles.

5MAN DARF &C. DAS LOS WERFEN. Was heißt: nicht aber über die Portionen? R. Ja͑qob, Sohn der Tochter Ja͑qobs, erklärte: Nicht aber die Portionen vom vorherigen Wochentage am Feste. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, auch die Portionen vom Wochentage, da es heißt: dein Volk ist wie die streitenden Priester, so lehrt er uns.

6Ferner sagte R. Ja͑qob, Sohn der Tochter Ja͑qobs: Durch wen sein Nächster bestraft worden ist, den läßt man nicht in den Kreis des Heiligen, gepriesen sei er. – Woher dies: wollte man sagen, weil es heißt: Und der Herr sprach: Wer will Aḥáb betören, daß er [zur Schlacht] ziehe und in Ramoth Gilea͑d falle? Und der eine sagte dies, der andere das. Da trat der Geist hervor, stellte sich vor den Herrn und sprach: Ich will ihn betören &c. Er antwortete: Ich will ausgehen und zum Lügengeiste in aller seiner Propheten Mund werden. Er sprach alsdann: Ja, du wirst die Betörung vollbringen; geh hinaus und tue also.

7Und auf unsere Frage, was dies für ein Geist war, erwiderte R. Joḥanan, es war der Geist Naboths; und [die Worte] geh hinaus erklärte Rabh: geh aus meinem Kreise hinaus. Vielleicht aber das aus dem Grunde, weil es heißt: wer Lügen redet, soll nicht vor meinen Augen bestehen.

8Wollte man sagen, hieraus: du hast dich mehr an Schande gesättigt als an Ehre; trinke nun auch du und werde vorhäutig. Du hast dich mehr an Schande gesättigt, als an Ehre, dies bezieht sich auf Nebukhadneçar; trinke nun auch du und werde vorhäutig, dies bezieht sich auf Çidqija. Aber erstens bezieht sich der ganze Schriftvers auf Nebukhadneçar, und ferner war ja Çidqija ein Gerechter, was konnte er denn dafür? R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs: Als jener Frevler dies auch an diesem Gerechten verüben wollte, ward sein Glied dreihundert Ellen lang. –

9Vielmehr hieraus: Auch ist es dem Gerechten nicht gut, zu strafen. ‘Nicht gut’, heißt ‘schlecht’, und es heißt: denn du bist nicht ein Gott, der an Frevel Wohlgefallen hat; wer schlecht ist, darf bei dir nicht weilen. Du, Herr, bist ein Gerechter, in deiner Wohnung darf der Schlechte nicht weilen.

10Woher ist es erwiesen, daß ‘Ḥalašim’die Bedeutung ‘losen’ hat? – Es heißt: Wie bist du vom Himmel gefallen, du strahlender Morgenstern; wie bist du zu Boden gehauen, der du die Völker niederstrecktest [ḥoleš] &c. Hierzu sagte Rabba b. R. Hona: Dies lehrt, daß [Nebukhadneçar] zu losen pflegte, wer von den Großen der Reiche an diesem Tage zum männlichen Beischlaf zu verwenden sei. Es heißt: die Könige der Völker ruhten &c. Dies erklärte R. Joḥanan: Sie ruhten vom männlichen Beischlaf.

11Ferner sagte R. Joḥanan: Während aller Tage dieses Frevlers war kein Lachen im Munde irgend eines Geschöpfes, denn es heißt: es ruht, es rastet die ganze Welt, sie brechen in Jubel aus; bis dahin gab es demnach keinen Jubel.

12Ferner sagte R. Jiçḥaq im Namen R. Joḥanans: Es ist verboten, im Hause dieses Frevlers zu stehen, denn es heißt: und Bockteufel sollen dort umherspringen.

13R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Als dieser Frevler dies auch an jenem Gerechten verüben wollte, ward sein Glied dreihundert Ellen lang und umgab die ganze Tischgesellschaft, denn es heißt: du hast dich mehr an Schande gesättigt als an Ehre, trinke nun auch du und werde vorhäutig; der Zahlenwert des Wortes A͑rel [vorhäutig] beträgt dreihundert.

14Ferner sagte R. Jehuda im Namen Rabhs: Als dieser Frevler in die Hölle hinabstieg, wurden alle Höllenbewohner erschüttert; sie sprachen: Kommt er vielleicht, um über uns zu herrschen? Oder kommt er, gleich uns geschwächt zu werden? Denn es heißt: auch du bist schwach geworden wie wir, du bist uns gleich geworden. Da ertönte eine Hallstimme und sprach: Vor wem hast du an Annehmlichkeit voraus? Fahre hinab und lasse dir bei den Unbeschnittenen betten.

15[Es heißt:] wie hat der Bedrücker geendet, aufgehört hat Madheba. R. Jehuda erklärte im Namen Rabhs: Aufgehört hat diese Nation, die zu sagen pflegte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.