Schabbat — Blatt 150a

1medod vehabe [miß und gib her]. Manche erklären: Die zu sagen pflegte: meod meod habe [recht viel gib her, ohne Maß].

2Und noch größere Macht als zuvor wurde mir verliehen. R. Jehuda erklärte im Namen des R. Jirmeja b. Abba: Dies lehrt, daß er auf einem männlichen Löwen ritt und ihm [als Zügel] eine Schlange an den Kopf band. Zur Bestätigung des Schriftverses: Selbst die Tiere des Feldes gebe ich ihm, daß sie ihm dienstbar seien.

3MAN DARF AM ŠABBATH KEINE ARBEITER MIETEN, AUCH DARF MAN SEINEN NÄCHSTEN NICHT BEAUFTRAGEN, FÜR IHN ARBEITER ZU MIETEN. MAN DARF NICHT DIE DUNKELHEIT AN DER GRENZEABWARTEN, UM ARBEITER ZU MIETEN ODER FRÜCHTE ZU HOLEN; MAN DARF ABER AN DER GRENZE DIE DUNKELHEIT ABWARTEN, UM DA FRÜCHTE ZU BEWACHEN, SODANN DARF MAN WELCHE IN DER HAND MITNEHMEN. ABBA ŠAÚL SAGTE EINE REGEL: WEGEN EINER SACHE, MIT DER ICH JEMAND BEAUFTRAGEN DARF, DARF ICH DIE DUNKELHEIT [AN DER GRENZE] ABWARTEN.

4GEMARA. Selbstverständlich, welchen Unterschied gibt es denn zwischen ihm und seinem Nächsten!? R. Papa erwiderte: Wenn der Nächste ein Nichtjude ist.

5R. Aši wandte ein: Einen Nichtjuden zu beauftragen ist ja des Feierns wegen [verboten]!? – Du kannst auch sagen, wenn der Nächste ein Jisraélit ist, und er lehrt uns folgendes, daß man nämlich zu seinem Nächsten nicht sagen darf: ‘Miete für mich Arbeiter’, wohl aber [zum Arbeiter] sagen darf: ‘Wir wollen sehen, ob du dich abends bei mir einfinden wirst.’ Unsere Mišna vertritt die Ansicht des R. Jehošua͑ b. Qorḥa, denn es wird gelehrt: Man darf nicht zu einem sagen: ‘Wir wollen sehen, ob du dich abends bei mir einfinden wirst.’

6R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagt, man dürfe zu einem sagen: ‘Wir wollen sehen, ob du dich abends bei mir einfinden wirst.’ Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Die Halakha ist wie R. Jehošua͑ b. Qorḥa. Ferner sagte Rabba b. Bar Ḥana im Namen R. Joḥanans: Was ist der Grund des R. Jehošua͑ b. Qorḥa? Es heißt: deinen Geschäften nachzugehen und Gespräche zu führen; das [geschäftliche] Sprechen ist verboten, das Denken ist erlaubt.

7R. Aḥa b. R. Hona wies Raba auf einen Widerspruch hin: Kann R. Joḥanan denn gesagt haben, nur das Sprechen sei verboten, das Denken aber erlaubt, wonach das Denken nicht dem Sprechen gleicht, Rabba b. Bar Ḥana sagte ja im Namen R. Joḥanans, man dürfe überall [über Worte der Tora] nachdenken, nur nicht in der Badestube und im Aborte!? – Anders ist es da; es heißt: dein Lager soll heilig sein, was da nicht der Fall ist. –

8Es heißt ja aber auch: es soll bei dir kein schändliches Wort sein!? – Dies ist wegen einer Lehre R. Jehudas nötig, denn R. Jehuda sagte: Es ist verboten, vor einem nackten Nichtjuden das Šema͑ zu lesen. –

9Wieso vor einem Nichtjuden, dies ist ja auch vor einem Jisraéliten verboten!? – Dies ist selbstverständlich. Vor einem Jisraéliten ist es selbstverständlich verboten; man könnte aber glauben, vor einem Nichtjuden sei es erlaubt, da es von ihm heißt: deren Fleisch dem Fleische des Esels gleicht, so lehrt er uns. –

10Vielleicht ist es tatsächlich so!? – Die Schrift sagt: und die Scham ihres Vaters sahen sie nicht!? –

11Ist denn das Sprechen verboten, R. Ḥisda und R. Hamnuna sagten ja beide, man dürfe am Šabbath Kalkulationen zu gottgefälligen Zwecken aufstellen!? Auch sagte R. Elea͑zar, man dürfe am Šabbath Gaben für die Armen festsetzen. Auch sagte R. Ja͑qob b. Idi im Namen R. Joḥanans, man dürfe sich am Šabbath mit der Lebensrettung und Gemeindeinteressen befassen. Ferner darf man Bethäuser besuchen, um für öffentliche Angelegenheiten Sorge zu tragen.

12Auch sagte R. Šemuél b. Naḥmani im Namen R. Jonathans, man dürfe am Šabbath Theater, Zirkusse und Basiliken besuchen, um für öffentliche Interessen zu sorgen. Und in der Schule Menašes wurde gelehrt, man dürfe sich am Šabbath um ein Mädchen bemühen, es zu verheiraten, ebenso um einen Knaben, ihm die Schriftkunde und ein Handwerk zu lehren. – Die Schrift sagt: deinen Geschäften nachzugehen und Gespräche zu führen; deine Geschäfte sind verboten, göttliche Geschäfte sind erlaubt.

13R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Kalkulationen, von [welchen man sagt:] ‘Was geht es dich an?’, oder ‘Was ist dabei?’ sind am Šabbath erlaubt. Ebenso wird gelehrt: Kalkulationen über vergangene oder zukünftige Angelegenheiten sind am Šabbath verboten;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.