Schabbat — Blatt 53b
1wie vom Amulett.
2Der Meister sagte: Oder mit einem Amulett, selbst, wenn es von einem Bewährten herrührt. Wir haben ja aber gelernt, nicht mit einem Amulett, das nicht von einem Bewährten herrührt; demnach ist es mit einem von einem Bewährten herrührenden erlaubt!? — Hier ebenfalls, wenn es von einem Unbewährten herrührt. —
3Er lehrt ja aber: selbst wenn es von einem Bewährten herrührt!? — Bewährt für Menschen, aber nicht für Tiere. — Aber gibt es denn für Menschen bewährt und für Tiere unbewährt? — Allerdings, ein Mensch hat einen Schutzengel, der ihm hilft, ein Vieh hat keinen Schutzengel, der ihm hilft. —
4Wieso heißt es demnach: hierin ist es beim Vieh strenger, als beim Menschen!? — Du glaubst wohl, dies beziehe sich auf das Amulett, dies bezieht sich auf den Hufschuh. —
5Komm und höre: Man darf einen Menschen [mit Öl] schmieren oder ihm eine Wunde bestreichen, nicht aber darf man ein Tier [mit Öl] schmieren oder ihm eine Wunde bestreichen. Doch wohl, wenn die Wunde noch vorhanden ist, zur Linderung der Schmerzen!? — Nein, wenn die Wunde geheilt ist, zum Behagen. —
6Komm und höre: Wenn ein Vieh von einem Blutandrange befallen wird, so darf man es nicht zur Abkühlung ins Wasser stellen; wenn ein Mensch von einem Blutandrange befallen wird, so darf man ihn zur Abkühlung ins Wasser stellen!? U͑la erwiderte: Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, weil man zum Zerreiben von Spezereien kommen könnte. —
7Demnach sollte dies auch von einem Menschen gelten!? — Bei einem Menschen erscheint es als Kühlung. —
8Demnach erscheint es ja auch bei einem Vieh als Kühlung!? — Bei einem Vieh gibt es keine Kühlung. —
9Treffen wir denn bei einem Vieh eine solche Vorsichtsmaßnahme, es wird ja gelehrt, daß, wenn [ein Vieh] außerhalb des Gebietes steht, man es rufe, damit es herankomme; wir berücksichtigen nicht, man könnte dazu kommen, es zu holen!?
10Rabina erwiderte: Wenn das Gebiet, auf dem es sich befindet, in sein eigenes Gebiet hineinragt.
11R. Naḥman b. Jiçhaq erwiderte: Über das Zerreiben von Spezereien selbst streiten Tannaím. Es wird nämlich gelehrt: Wenn ein Vieh sich mit Wicken überfressen hat, so darf man es nicht zum Laufen veranlassen, damit es Durchfall bekomme; R. Oša͑ja erlaubt dies. Raba trug vor: Die Halakha ist wie R. Oša͑ja.
12Der Meister sagte: Der Flußbehaftete darf nicht mit seinem Schutzbeutel ausgehen; ferner dürfen nicht Ziegen mit einem Eutersacke ausgetrieben werden. Es wird ja aber gelehrt, Ziegen dürfen mit einem Eutersacke ausgetrieben werden!?
13R. Jehuda erwiderte: Das ist kein Widerspruch; das eine, wenn er befestigt ist, das andere, wenn er nicht befestigt ist.
14R. Joseph erwiderte: Willst du [den Streit zwischen] Tannaím aus der Welt schaffen!? [Hierüber streiten] Tannaím, denn wir haben gelernt: Ziegen dürfen mit verbundenen Eutern ausgetrieben werden. R. Jose verbietet dies alles, außer das Austreiben von umhüllten Schafen. R. Jehuda sagt, Ziegen dürfen mit verbundenen Eutern ausgetrieben werden, damit die Milch versiege, nicht aber, um die Milch zu erhalten.
15Wenn du aber willst, sage ich: beides nach R. Jehuda, dennoch besteht hier kein Widerspruch; das eine, um die Milch versiegen zu lassen, das andere, um die Milch zu erhalten.
16Es wird gelehrt: R. Jehuda erzählte: Einst machten sie in Antiochien für die Ziegen, die sehr große Euter hatten, Schutzbeutel, damit sie sich die Euter nicht zerschrammen.
17Die Rabbanan lehrten: Einst starb einem seine Frau und hinterließ ihm einen saugenden Knaben; er besaß aber nichts, um eine Amme zu bezahlen. Da geschah ein Wunder und die Brüste öffneten sich ihm, wie zwei Frauenbrüste, und er säugte sein Kind.
18R. Joseph sagte: Komm und siehe, wie bedeutend dieser Mann war, daß ihm ein solches Wunder geschah. Abajje sprach zu ihm: Im Gegenteil, wie minderwertig war dieser Mann, daß sich seinetwegen die Ordnungen der Schöpfung verändern mußten.
19R. Jehuda sagte: Komm und siehe, wie schwierig der Unterhalt des Menschen ist, daß sich um dessentwillen die Ordnungen der Schöpfung verändern mußten. R. Naḥman sagte: Dies siehst du auch; es ereignen sich Wundertaten, doch wird keine Nahrung erschaffen.
20Die Rabbanan lehrten: Einst heiratete jemand eine armlose Frau, und er merkte dies nicht bis zum Tage ihres Todes. Rabh sagte: Komm und siehe, wie keusch diese Frau war, daß ihr Mann dies nicht gemerkt hat. Da sprach R. Ḥija zu ihm: Von ihr war es ja etwas Gewöhnliches; wie keusch aber war dieser Mann, daß er dies bei seiner Frau nicht gemerkt hat.
21DIE WIDDER DÜRFEN UMBUNDEN AUSGETRIEBEN WERDEN. Was heißt umbunden? R. Hona erwiderte: Zusammengekoppelt. — Woher ist es erwiesen, daß lebubin die Bedeutung anschließen hat? — Es heißt: du hast mich an dich geschlossen [libabtini], Schwester, Braut.
22U͑la erklärte: Man bindet ihnen ein Fell vor die Brust, damit die Wölfe sie nicht anfallen. — Überfallen denn Wölfe nur Männchen und nicht auch Weibchen!? — Weil diese an der Spitze der Herde gehen. — Überfallen denn Wölfe nur die Spitze der Herde und nicht das Ende der Herde!? — Vielmehr, weil diese fett sind. — Gibt es denn unter den Weibchen keine fetten!? Und kennen sie sich denn ferner zwischen diesen und jenen aus!? — Vielmehr, weil sie die Nasen hoch halten und beim Gehen hin und her schauen.
23R. Naḥman b. Jiçḥaq erklärte: Das Fell, das man ihnen über das Glied bindet, damit sie die Weibchen nicht bespringen. — Woher dies? — Weil er im Schlußsatze lehrt, Schafe dürfen mit nach oben gebundenen Schwänzen ausgetrieben werden. Was heißt nach oben gebunden? Man bindet ihnen den Schwanz nach oben, damit die Männchen sie bespringen. Der Anfangssatz: damit sie die Weibchen nicht bespringen, der Schlußsatz: damit die Männchen sie bespringen. —
24Woher ist es erwiesen, daß šeḥuzoth die Bedeutung entblößen hat? — Es heißt: da tritt ihm ein Weib entgegen
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.