Schabbat — Blatt 54a

1im Hurenkleide und mit heimtückischem Sinne.

2SCHAFE DÜRFEN MIT NACH UNTEN GEBUNDENEN SCHWÄNZEN AUSGETRIEBEN WERDEN. Was heißt nach unten gebunden? — Man bindet ihnen den Schwanz nach unten, damit die Männchen sie nicht bespringen sollen. — Woher ist dies erwiesen, daß kabul die Bedeutung keine Früchte tragen hat? — Es heißt: was sind das für Städte, die du mir abgetreten hast, mein Bruder? Und man nannte sie bis heute die Landschaft Kebul. —

3Weshalb heißt es Landschaft Kebul? — Weil da Leute wohnten, die mit Silber und Gold beladen [mekubalim] waren. Raba sprach zu ihm: Wieso heißt es demnach: denn sie hatten kein Wohlgefallen in seinen Augen, hatten sie denn deshalb kein Wohlgefallen in seinen Augen, weil sie mit Silber und Gold beladen waren!? Dieser erwiderte: Freilich, da sie reich und verwöhnt waren, so leisteten sie keine Fronarbeit.

4R. Naḥman b. Jiçḥaq erklärte: Sie hatte einen salzigen Boden und man nannte sie deshalb Landschaft Kebul, weil da der Fuß bis zu den Knöcheln [kabla] versinkt. Ferner sagen die Leute: Ein dürres [mekabla] Land, das keine Früchte hervorbringt.

5UMHÜLLT. Was heißt umhüllt? — Man umhüllt sie, um feine Wolle zu gewinnen. Denn wir haben gelernt: Der Hochfleck, wie weiße Wolle. — Was heißt: wie weiße Wolle? R. Bebaj b. Abajje erwiderte: Wie reine Wolle [eines Schafes], das man einen Tag alt umhüllt, um feine Wolle zu gewinnen.

6ZIEGEN DÜRFEN MIT VERBUNDENEN EUTERN AUSGETRIEBEN WERDEN. Es wurde gelehrt: Rabh sagt, die Halakha sei wie R. Jehuda, und Šemuél sagt, die Halakha sei wie R. Jose.

7Manche lehren dies als besondere Lehre: Rabh sagt, damit die Milch versiege, sei es erlaubt, nicht aber um die Milch zu erhalten, und Šemuél sagt, ob so oder so, sei es verboten.

8Manche beziehen dies auf folgende Lehre: Ziegen dürfen mit verbundenen Eutern ausgetrieben werden, damit die Milch versiege, nicht aber, um die Milch zu erhalten. Im Namen des R. Jehuda b. Bethera sagten sie: So ist zwar die Halakha, wer aber entscheidet, welche zum Versiegen der Milch und welche zur Erhaltung der Milch. Und da dies nicht zu erkennen ist, so ist es, ob so oder so, verboten. Hierzu sagte Šemuél, manche sagen, dies sagte R. Jehuda im Namen Šemuéls, die Halakha sei wie R. Jehuda b. Bethera. Als Rabin kam, sagte er im Namen R. Joḥanans, die Halakha sei wie der erste Tanna.

9UND WOMIT ES NICHT AUSGETRIEBEN WERDEN DARF. DAS KAMEL DARF NICHT MIT EINER SATTELDECKE, AUCH NICHT GEFESSELT UND NICHT GEBUNDEN AUSGETRIEBEN WERDEN, EBENSO ALLE ANDEREN TIERE.

10MAN DARF NICHT KAMELE ANEINANDERBINDEN UND [DAS EINE] FÜHREN, WOHL ABER DARF MAN MEHRERE STRICKE IN DIE HAND NEHMEN UND SIE FÜHREN, NUR DARF MAN [DIE STRICKE] NICHT ZUSAMMENDREHEN.

11GEMARA. Es wird gelehrt: Das Kamel darf nicht mit einer Satteldecke ausgetrieben werden, die am Schwänze befestigt ist, wohl aber darf es mit einer Satteldecke ausgetrieben werden, die am Schwänze und am Höcker befestigt ist. Rabba b. R. Hona sagte: Das Kamel darf mit einem Lappen ausgetrieben werden, den man ihm auf die Scham legt.

12AUCH NICHT GEFESSELT UND NICHT GEBUNDEN. R. Jehuda sagte: ‘Gefesselt’ heißt, Hand und Fuß zusammenbinden, wie bei Jiçḥaq, dem Sohne Abrahams; ‘gebunden’, daß man nicht den Unterschenkel zum Oberschenkel biege und zusammenbinde.

13Man wandte ein: ‘Gefesselt’, heißt das Zusammenbinden beider Hände oder beider Füße; ‘Gebunden’, daß man nicht den Unterschenkel zum Oberschenkel biege und zusammenbinde. — Er ist der Ansicht des Tanna der folgenden Lehre: ‘Gefesselt’ heißt, Hand und Fuß oder beide Hände oder beide Füße zusammenbinden; ‘gebunden’, daß man nicht den Unterschenkel zum Oberschenkel biege und zusammenbinde. —

14Aber dies ist doch noch immer nicht gleich; allerdings stimmt dies bezüglich des Anfangssatzes und des Schlußsatzes, der Mittelsatz aber ist ja widersprechend!? —

15Vielmehr, er ist der Ansicht des folgenden Tanna: ‘Gefesselt’ heißt, Hand und Fuß zusammenbinden, wie bei Jiçḥaq, dem Sohne Abrahams; ‘gebunden’, daß man nicht den Unterschenkel zum Oberschenkel biege und zusammenbinde.

16MAN DARF NICHT KAMELE ANEINANDERBINDEN. Aus welchem Grunde? R. Aši erwiderte: Weil dies den Anschein hat, als ginge man zum Markte.

17WOHL ABER DARF MAN &C. NEHMEN. R. Aši sagte: Dies ist nur wegen [des Verbotes] der Mischung gelehrt worden. — Welcher Mischung: wollte man sagen, des Menschen [mit einem Tiere], so haben wir ja gelernt, der Mensch dürfe mit allen [Tieren] zusammen pflügen und ziehen,

18und wenn die Mischung der Stricke, so wird ja gelehrt, daß, wenn jemand einen Nadelstich macht, dies keine Verbindung heiße!? —

19Tatsächlich wegen des Mischgewebes der Stricke, und dies ist wie folgt zu verstehen: nur darf man sie nicht zusammendrehen und zusammenknüpfen.

20Šemuél sagte: Auch darf der Strick keine Handbreite aus seiner Hand nachhängen. — In der Schule Šemuéls wurde ja aber gelehrt: zwei Handbreiten!?

21Abajje erwiderte: Da nun Šemuél eine Handbreite sagte und in seiner Schule zwei Handbreiten gelehrt wurde, so wollte er uns damit eine Lehre für die Praxis hören lassen. —

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.