Schabbat — Blatt 54b
1Es wird ja aber gelehrt: Nur muß man [den Strick] eine Handbreite über der Erde halten!? — Was da gelehrt wird, bezieht sich auf den zwischenliegenden Teil des Strickes.
2DER ESEL DARF NICHT MIT EINER DECKE AUSGETRIEBEN WERDEN, WENN SIE NICHT BEFESTIGT IST, AUCH NICHT MIT EINER GLOCKE, SELBST WENN SIE VERSTOPFT IST, FERNER NICHT MIT EINEM LEITERGEFLECHTE AM HALSE UND NICHT MIT EINEM RIEMEN AM FUSSE.
3HÜHNER DÜRFEN NICHT MIT SCHNÜREN ODER RIEMEN AN DEN FÜSSEN AUSGETRIEBEN WERDEN. WIDDER DÜRFEN NICHT MIT EINEM WÄGELCHEN UNTER DEM SCHWANZE AUSGETRIEBEN WERDEN.
4SCHAFE DÜRFEN NICHT MIT EINEM SCHUTZMITTEL VERSEHEN AUSGETRIEBEN WERDEN. EIN KALB DARF NICHT MIT EINEM BINSENJOCHE AUSGETRIEBEN WERDEN. EINE KUH DARF NICHT MIT EINER IGELHAUT, AUCH NICHT MIT EINEM RIEMEN AN DEN HÖRNERN AUSGETRIEBEN WERDEN. DIE KUH DES R. ELEA͑ZAR B. A͑ZARJA PFLEGTE MIT EINEM RIEMEN AN DEN HÖRNERN AUSGETRIEBEN ZU WERDEN, GEGEN DIE ZUSTIMMUNG DER WEISEN.
5GEMARA. Aus welchem Grunde? — Wie wir bereits erklärt haben.
6AUCH NICHT MIT EINER GLOCKE, SELBST WENN SIE VERSTPOFT IST. Weil dies den Anschein hat, als ginge man zum Markte.
7NICHT MIT EINEM LEITERGEFLECHTE AM HALSE. R. Hona erklärte: Eine Vorrichtung an den Kinnladen. — Wozu macht man dies? — Wenn er eine Wunde hat, damit er sich da nicht kratze.
8NICHT MIT EINEM RIEMEN AM FUSSE. Den man ihm auf eine Schnittwunde bindet.
9HÜHNER DÜRFEN NICHT MIT SCHNÜREN &C. AUSGETRIEBEN WERDEN. Die man ihnen als Zeichen anbindet, damit sie nicht verwechselt werden.
10ODER RIEMEN. Die man ihnen anlegt, damit sie keine Gefäße zerbrechen.
11WIDDER DÜRFEN NICHT MIT EINEM WÄGELCHEN &C. AUSGETRIEBEN WERDEN. Damit sie sich den Fettschwanz nicht wundreiben. SCHAFE DÜRFEN NICHT MIT EINEM SCHUTZMITTEL VERSEHEN AUSGETRIEBEN WERDEN. R. Aba b. U͑la saß vor R. Ḥisda und sagte: Wenn man [das Schaf] schert, taucht man ein Büschel Wolle in Öl und legt es ihm auf die Stirn, damit es sich nicht erkälte. Da sprach R. Ḥisda zu ihm: Du verfährst ja mit ihm nach der Art Mar U͑qabas!
12R. Papa b. Šemuél saß vor R. Ḥisda und sagte: Wenn das Schaf zum Gebären niederkniet, taucht man zwei Büschel Wolle in Öl und legt ihm den einen auf die Stirn und den anderen auf den Muttermund, damit es sich erwärme. Da sprach R. Naḥman zu ihm: Du verfährst ja mit ihm nach der Art Jaltas! —
13Vielmehr, erklärte R. Hona, in den überseeischen Städten, gibt es einen Baum, der Ḥanun heißt; von diesem nimmt man einen Span und legt ihn ihm in die Nase, damit es niese und ihm die Würmer aus dem Kopfe fallen. — Demnach sollte man dies auch bei den Widdern tun!? — Da die Widder einander stoßen, fallen [die Würmer] von selbst heraus. Šimo͑n der Naziräer erklärte: Ein Ginsterspan. —
14Erklärlich ist [das Wort] ḥanunothnach R. Hona, was aber bedeutet ḥanunoth nach den genannten Jüngern? — Weil man es als ein Mittel anwendet, um sie zu schonen.
15EIN KALB DARF NICHT MIT EINEM BINSENJOCHE AUSGETRIEBEN WERDEN. Was heißt ein Kalb mit einem Binsenjoche? R. Hona erwiderte: Ein kleines Joch. R. Elea͑zar sagte: Woher ist es erwiesen, daß Gimon [Binsenjoch] etwas biegsames bedeutet? Es heißt: der Binse [agmon] gleich den Kopf niederbeugen.
16EINE KUH NICHT MIT EINER IGELHAUT. Diese legt man ihr an, damit Blutegel an ihr nicht saugen.
17NICHT MIT EINEM RIEMEN AN DEN HÖRNERN. Nach Rabh ist dies sowohl als Schmuck als auch als Zügel verboten, nach Šemuél ist dies als Schmuck verboten, als Zügel aber erlaubt.
18DIE KUH DES R. ELEA͑ZAR B. A͑ZARJA. Hatte er denn nur eine Kuh, Rabh, manche sagen, R. Jehuda im Namen Rabhs, sagte ja, R. Elea͑zar b. A͑zarja pflegte jährlich zwölftausend Kälber von seiner Herde als Zehnten zu entrichten!? —
19Es wird gelehrt, es war nicht seine Kuh, sondern seiner Nachbarin, da er es ihr aber nicht wehrte, wird sie nach ihm benannt.
20Rabh, R. Ḥanina, R. Joḥanan und R. Ḥabiba (manche setzen in der ganzen Sektion von den Feiertagen, überall, wo diese Gelehrtengesellschaft vorkommt, R. Jonathan statt R. Joḥanan) lehrten: Wer seinen Hausangehörigen etwas wehren kann und dies unterläßt, wird für seine Hausangehörigen gefaßt; wer den Leuten seiner Stadt, wird für die Leute seiner Stadt gefaßt; wer der ganzen Welt, wird für die ganze Welt gefaßt.
21R. Papa sagte: Die aus dem Hause des Exilarchen werden für die ganze Welt gefaßt. R. Ḥanina sagte: Es heißt: der Herr geht zu Gericht mit den Ältesten seines Volkes und mit seinen Fürsten.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.