Schabbat — Blatt 56a
1die Söhne Šemuéls hätten gesündigt, irrt sich nur; denn es heißt: als Šemuél alt war und seine Söhne nicht in seinen Wegen wandelten; allerdings wandelten sie nicht in seinen Wegen, aber gesündigt haben sie ebenfalls nicht.
2Wie aber halte ich aufrecht [die Worte:] sie neigten nach dem Gewinne? Sie handelten nicht nach den Werken ihres Vaters. Der fromme Šemuél reiste nämlich in allen Orten Jisraéls umher und sprach ihnen Recht in ihren Städten, wie es heißt: und er wanderte Jahr für Jahr umher, und er besuchte Bethél und Gilgal und Miçpa und sprach Jisraél Recht; sie aber taten nicht so, vielmehr saßen sie in ihren Städten, um die Einkünfte ihrer Beamten und Schreiber zu mehren.
3Hierüber streiten auch Tannaím: Sie neigten nach dem Gewinne. R. Meír erklärte: Sie forderten ihren Anteil mit dem Munde. R. Jehuda erklärte: Sie bürdeten den Leuten Waren auf. R. A͑qiba erklärte: Sie nahmen mit Gewalt einen größeren Anteil vom Zehnten. R. Jose erklärte: Sie nahmen [Priester]geschenke mit Gewalt.
4R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Wer da glaubt, David habe gesündigt, irrt sich nur, denn es heißt: David war in allen seinen Wegen erfolgreich, und der Herr war mit ihm. Wäre es denn möglich, daß die Göttlichkeit mit ihm war, wenn er eine Sünde begangen hätte!? —
5Wie aber halte ich aufrecht [die Worte:] warum hast du die Worte des Herrn verachtet, das Böse zu tun? — Er wollte es tun, tat es aber nicht.
6Rabh sagte: Rabbi, der von David abstammt, bestrebte sich, dies zu Gunsten Davids auszulegen: Warum hast du die Worte des Herrn verachtet, das Böse zu tun? Hierzu sagte Rabbi: Dieses ‘Böse’ ist anders als alle anderen in der Tora. Überall, wo [das Wort] ‘Böse’ in der Tora vorkommt, heißt es: und er tat, hier aber heißt es: zu tun; er wollte es tun, tat es aber nicht.
7Urija, den Ḥetiter, hast du mit dem Schwerte erschlagen; du solltest ihn durch das Synedrium aburteilen lassen, hast dies aber unterlassen. Und sein Weib hast du dir geehelicht; deine Ehe mit ihr ist gültig.
8R. Šemuél b. Naḥmani sagte nämlich im Namen R. Jonathans: Wer in den Krieg des Hauses David zog, gab seiner Frau einen Scheidebrief, denn es heißt: diese zehn Milchkäse bringe dem Hauptmanne und erkundige dich nach dem Frieden deiner Brüder, und lasse dir von ihnen eine Bürgschaft geben,
9und unter ‘Bürgschaft’ ist, wie R. Joseph lehrte, das zu verstehen, was zwischen ihm und ihr als Bürgschaft gilt.
10Ihn selbst hast du durch das Schwert der A͑mmoniter erschlagen; wie du für das Schwert der A͑mmoniter nicht strafbar bist, so bist du auch für Urija den Ḥetiter nicht strafbar.
11Weshalb? Weil er Majestätsverbrecher war, denn er sagte in seiner Gegenwart: Mein Herr Joáb und die Knechte meines Herrn lagern auf dem Felde.
12Rabh sagte: Wenn du über David nachdenkst, so findest du an ihm nichts weiter, als die Angelegenheit mit Urija, wie es heißt: außer in der Sache Urija des Ḥetiters.
13Abajje der Ältere wies auf einen Widerspruch hin, in dem Rabh sich befindet. Kann Rabh denn dies gesagt haben, Rabh sagte ja, David habe Verleumdung entgegengenommen!? – Ein Widerspruch.
14Der Text. Rabh sagte: David nahm Verleumdung entgegen. Es heißt: und der König sprach zu ihm: Wo ist er? Und Çiba sprach zum König: Er ist im Hause des Makhir, des Sohnes A͑miéls, zu Lodebar. Darauf folgt: da sandte der König und ließ ihn holen aus dem Hause des Makhir, des Sohnes A͑miéls, zu Lodebar. –
15Wieso nahm er, nachdem er gesehen hatte, daß es eine Lüge war, die Verleumdung entgegen, als jener ihn später abermals verleumdete I? Es heißt nämlich: und der König sprach zu Çiba: Wo ist der Sohn deines Herrn? Da sprach Çiba zum König: Siehe, er weilt in Jerušalem. – Woher, daß er sie von ihm entgegennahm? – Es heißt: und der König sprach: Dein sei alles, was Mephibošeth gehört. Da sprach Çiba: Ich werfe mich nieder; möge ich Gunst in den Augen des Königs finden.
16Šemuél aber sagte, David habe die Verleumdung nicht entgegengenommen, denn er selber bemerkte an ihm Dinge, die daraufdeuteten. Es heißt: und Mephibošeth, der Sohn Šaúls, trat vor den König; er hatte seine Füße nicht gepflegt, seinen Bart nicht geordnet und seine Kleider nicht gewaschen &c. Hierauf heißt es: und als er aus Jerušalem zum König kam, fragte ihn der König: Warum bist du nicht mit mir ausgezogen, Mephibošeth. Er erwiderte: Mein Herr und König, mein Diener hat mich betrogen. Dein Knecht sagte: Ich will mir den Esel satteln lassen, daß ich ihn besteige und zum König komme;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.