Schabbat — Blatt 56b

1dein Knecht ist ja lahm. Aber er hat deinen Knecht bei meinem Herrn und König verleumdet. Doch mein Herr und König ist ja wie ein Engel Gottes; so tu, was in deinen Augen als gut erscheint. Der König erwiderte ihm: Wozu diese Worte: ich habe bestimmt, daß du und Çiba das Feld teilen. Da sprach Mephibošeth zum König: Er mag sogar das ganze haben, nachdem mein Herr und König wohlbehalten heimgekehrt ist. Er sprach zu ihm: Ich sagte: wann wirst du schon wohlbehalten heimkehren, und du tust mir dies an! Ich habe mich nicht über dich zu beklagen, sondern über den, der dich wohlbehalten heimgeführt hat.

2Das ist es, was geschrieben steht: und der Sohn Jehonathans war Meribaa͑l. Hieß er denn Meribaa͑l, er hieß ja Mephibošeth!? Vielmehr, weil er mit seinem Herrn [Baa͑l] Streit [Meriba] führte. Da ertönte eine Hallstimme und sprach: Du Streiter, Sohn eines Streiters. ‘Streiter’, wie wir eben gesagt haben; ‘Sohn eines Streiters’, denn es heißt: und Šaúl kam bis zur Stadt A͑maleqs und stritt am Tale. Hierzu sagte R. Mani: Wegen der Angelegenheit des Tales.

3R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Als David zu Mephibošeth sprach: du und Çiba sollen das Feld teilen, ertönte eine Hallstimme und sprach zu ihm: Reḥaba͑m und Jerobea͑m sollen das Reich teilen.

4R. Jehuda sagte [ferner] im Namen Rabhs: Hätte David keine Verleumdung entgegengenommen, so würde das Reich des Hauses David nicht geteilt worden sein, die Jisraéliten würden keinen Götzendienst getrieben haben, und wir wären nicht aus unserem Lande verbannt worden.

5R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Wer da glaubt, Šelomo habe gesündigt, irrt sich nur, denn es heißt: und sein Herz war nicht mehr ganz mit dem Herrn, seinem Gott, wie das Herz seines Vaters David; es war nicht wie das Herz seines Vaters David, aber gesündigt hat er ebenfalls nicht.

6Wieso aber halte ich aufrecht [die Worte:] als Šelomo alt geworden war, lenkten seine Weiber sein Herz ab? Dies ist nach R. Nathan zu erklären, denn R. Nathan wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: als Šelomo alt geworden war, lenkten seine Weiber, und [dem widersprechend] heißt es: wie das Herz seines Vaters David, nur wie das Herz seines Vaters David war es nicht, aber gesündigt hat er ebenfalls nicht!? Dies ist wie folgt zu verstehen: Als Šelomo alt geworden war, lenkten seine Weiber sein Herz, anderen Göttern nachzuwandeln, aber er wandelte ihnen nicht nach. –

7Es heißt ja aber: damals errichtete Šelomo einen Altar für Kemoš, das Scheusal der Moabiter!? – Er wollte ihn errichten, errichtete ihn aber nicht. –

8Es heißt ja auch: damals errichtete Jehošua͑ einen Altar für den Herrn, ist etwa auch hier zu verstehen, er wollte errichten, habe ihn aber nicht errichtet!? Vielmehr: er hat ihn auch errichtet, ebenso hier: er hat ihn auch errichtete!? –

9Vielmehr, nach folgender Lehre: R. Jose sagte: und die Anhöhen, die vor Jerušalem waren, südlich vom Ölberge, die Šelomo, der König Jisraéls, der Astarte, dem Scheusale der Çidonier, errichtet hatte &c.

10Ist es denn möglich, daß nicht Asa gekommen und sie fortgeschafft, Jehošaphaṭ sie nicht fortgeschafft, bis Jošija gekommen und sie fortgeschafft hat, wo doch Asa und Jehošaphaṭ alle Götzen aus dem Lande Jisraéls fortgeschafft haben!? Vielmehr vergleicht er die ersteren mit den letzteren; wie den letzteren zum Lobe angerechnet wird, was sie nicht getan, ebenso wird den erster en zum Tadel angerechnet, was sie nicht getan.

11Es heißt ja aber: und Šelomo tat, was schlecht war in den Augen des Herrn!? – Vielmehr, da er seinen Frauen wehren sollte und dies nicht getan hat, so rechnet es ihm die Schrift an, als hätte er selber gesündigt.

12R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Besser wäre es für jenen Gerechten, ein Diener jener Sache zu sein, als daß man über ihn geschrieben hat: er tat, was schlecht war in den Augen des Herrn.

13R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Als Šelomo die Tochter des Pareo͑ heiratete, brachte sie ihm tausend Arten Musikinstrumente mit und sprach zu ihm: So macht man es für diesen Götzen, und so macht man es für jenen Götzen. Er aber wehrte es ihr nicht.

14R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Als Šelomo die Tochter des Pareo͑ heiratete, stieg Gabriél herab und steckte ein Rohr ins Meer; dieses brachte eine Sandbank hervor, auf der die große Stadt Rom erbaut wurde.

15In einer Barajtha wurde gelehrt: An dem Tage, an dem Jerobea͑m die beiden goldenen Kälber aufstellte, eines in Bethél und eines in Dan, wurde eine Hütte erbaut; das ist das jonische Italien.

16R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Wer da glaubt, Jošijahu habe gesündigt, irrt sich nur, denn es heißt: und er tat, was recht ist in den Augen des Herrn, und er wandelte ganz den Weg seines Vaters David. Wieso aber halte ich aufrecht [die Worte:] seinesgleichen war vor ihm kein König, der Buße tat &c.?

17Er erstattete alles zurück, worüber er von seinem achten bis zu seinem achtzehnten Lebensjahre ein Urteil gefällt hatte. Vielleicht glaubst du, er habe von diesem genommen und jenem gegeben, so heißt es: mit seinem ganzen Vermögen, er erstattete aus seinem Vermögen.

18Er streitet somit gegen Rabh, denn Rabh sagte: Es gibt unter den Bußfertigen keinen größeren als Jošijahu in seinem Zeitalter und einen in unserem Zeitalter. – Wer ist es? – Es ist Abba, der Vater des R. Jirmeja b. Abba. Manche sagen: Aḥa, der Bruder Abbas, des Vaters des R. Jirmeja b. Abba. Der Meister sagte nämlich: R. Abba und Aḥa waren Brüder.

19R. Joseph sagte: Noch einen gibt es in unserem Zeitalter. – Wer ist es? – Es ist der Exilarch U͑qaban b. Neḥemja, das ist Nathan der Strahlende. R. Joseph erzählte: Ich saß bei der Vorlesung und schlummerte ein, da sah ich im Traume, wie [ein Engel] seine Hand ausstreckte und ihn aufnahm.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.