Schabbat — Blatt 62b

1Wo sagt dies R. Meír? – Es wird gelehrt: Die Frau darf nicht mit einem Schlüssel in der Hand ausgehen; ist sie ausgegangen, so ist sie ein Sündopfer schuldig – so R. Meír; R. Elie͑zer befreit sie bei einer Schminkbüchse und bei einem Riechfläschchen. –

2Wer spricht hier von einer Schminkbüchse!? –

3[Die Lehre] ist lückenhaft, und sie muß wie folgt lauten: Ebenso darf sie nicht mit einer Schminkbüchse oder einem Riechfläschchen ausgehen; ist sie ausgegangen, so ist sie ein Sündopfer schuldig – so R. Meír; R. Elie͑zer befreit sie bei einer Schminkbüchse und bei einem Riechfläschchen. Diese Worte gelten nur, wenn Spezereien darin sind, sind darin keine Spezereien, so ist sie schuldig.

4R. Ada b. Ahaba sagte: Dies besagt, daß man schuldig ist, wenn man Speisen unter dem festgesetzten Quantum in einem Gefäße hinausträgt. Wenn keine Spezereien darin sind, gleicht es ja einem Gefäße mit [Speisen] unter dem festgesetzten Quantum, und er lehrt, sie sei schuldig.

5R. Aši erwiderte: Sonst, kann ich dir entgegnen, ist man [in solchem Falle] frei, anders aber ist es hierbei, wo nichts darin ist.

6Sie versalben das beste Öl. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Das ist das Nardenöl.

7R. Joseph wandte ein: Auch über das Nardenöl hat R. Jehuda b. Baba ein Verbot verhängt, man stimmte ihm aber nicht bei. Weshalb stimmte man ihm nicht bei, wenn du nun sagst, es diene nur zur Verweichlichung!?

8Abajje sprach zu ihm: Es heißt ja auch: die Wein aus Becken trinken, was von R. Ami und R. Aši einer erklärte, [sie tranken aus] Dillenbechern, und der andere erklärte, sie warfen ihre Becher einander zu; ist dies etwa verboten, Raba b. R. Hona war ja beim Exilarchen, wo sie aus Dillenbechern tranken, und er sagte dagegen nichts!?

9Vielmehr haben die Rabbanan all das verboten, was Behagen und Heiterkeit verursacht. Was aber nur Behagen verursacht und keine Heiterkeit, haben die Rabbanan nicht verboten.

10Die auf Betten von Elfenbein liegen und sich auf ihrem Lager rekken. R. Jose, Sohn des R. Ḥanina, sagte: Dies lehrt, daß sie nackt vor ihrem Bette Harn ließen.

11R. Abahu schalt darüber. Wieso heißt es demnach: darum sollen sie nun an der Spitze der Verbannten in die Verbannung ziehen; sollten sie deshalb an der Spitze der Verbannten in die Verbannung ziehen, weil sie nackt vor ihrem Bette Harn ließen!?

12Vielmehr, sagte R. Abahu, es sind die Leute, die zusammen aßen und tranken, ihre Betten nebeneinander stellten, ihre Frauen untereinander tauschten und ihre Betten stinkend machten durch fremden Samen.

13R. Abahu sagte, und wie manche sagen, wurde es in einer Barajtha gelehrt: Drei Dinge bringen den Menschen in Armut, und zwar: wenn man nackt vor seinem Bette Harn läßt, wenn man das Händewaschen mißachtet, und wenn einem seine Frau ins Gesicht flucht.

14«Wenn man nackt vor seinem Bette Harn läßt.» Raba sagte: Dies nur, wenn man das Gesicht dem Bette zuwendet, wenn man es aber wegwendet, so ist nichts dabei.

15Und auch wenn man das Gesicht dem Bette zuwendet nur dann, wenn man [den Harn] auf die Erde läßt, wenn in ein Gefäß, so ist nichts dabei.

16«Wenn man das Händewaschen mißachtet.» Raba sagte: Dies nur, wenn man die Hände überhaupt nicht wäscht, wenn man sie aber ungenügend wäscht, so ist nichts dabei.

17Dies ist aber nichts, denn R. Ḥisda sagte: Ich wasche [die Hände] mit vollen Haufen, und man gewährt mir der Güte mit vollem Haufen.

18«Wenn einem seine Frau ins Gesicht flucht.» Raba sagte: Wegen ihrer Putzangelegenheiten. Dies aber nur, wenn er dazu hat und ihr nicht gibt.

19Raba, Sohn des R. I͑leaj, trug vor: Es heißt: und der Herr sprach: Weil die Töchter Çijons hoch einherfuhren. Sie gingen mit emporgerichteter Statur. Sie gingen mit gerecktem Halse. Sie gingen Ferse an Zehe. Und schauten mit den Augen frech umher. Sie füllten die Augen mit Schminke und winkten. Tänzelnd einhergehen. Eine Hohe ging neben einer Niedrigen. Und mit den Fußspangen klirrend. R. Jiçḥaq aus der Schule R. Amis sagte: Dies lehrt, daß sie Myrrhe und Balsam in ihre Schuhe taten und in den Straßen Jerušalems einhergingen, und wenn sie an die Jünglinge Jisraéls herankamen, traten sie auf den Boden und bespritzten sie, wodurch sie in ihnen einen bösen Trieb erregten, wie das Gift in der Natter. –

20Was war ihre Strafe? – Wie Rabba b. U͑la vorgetragen hat: Statt des Balsams gibt es Fäulnis. Die Stellen, wo sie sich mit Balsam zu salben pflegten, werden Fäulnisflecke sein. Statt der Gürtel Fetzen. Die Stellen, wo sie Schärpen umzugürten pflegten, werden Wundfetzen sein. Statt des Gekräusels, die Glatze. Die Stellen, da sie sich zu schmücken pflegten, werden Glatzen sein. Statt des Prachtmantels, ein Sackgewand. Die Öffnungen, die zur Wollust anregen, werden mit einem Sackgewande umgürtet sein. Brandwunde statt der Schönheit. Raba sagte: Das ist es, was die Leute sagen: Blattern statt der Schönheit.

21So wird der Herr den Scheitel der Frauen Çijons grindig machen. R. Jose b. R. Ḥanina sagte: Dies lehrt, daß an ihnen Aussatz ausbrach, denn hier heißt es: grindig machen und dort heißt es: Geschwüre und Grinde.

22Und ihre Scham entblößen. Von Rabh und Šemuél erklärte einer, es floß aus ihnen wie aus einem Kruge, und einer erklärte, ihre Scham wurde wie ein Wald behaart.

23R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Die Leute von Jerušalem waren frivole Menschen. Einer fragte seinen Nächsten: Womit hast du heute Mahlzeit abgehalten? Mit Brot aus gebeuteltem Mehl oder aus ungebeuteltem Mehl? Mit Gordolischem Weine oder

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.