Schabbat — Blatt 63b
1wer seinem Nächsten Barmherzigkeit verweigert [lamas], und der Hund wird im Griechischen Limos genannt. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Er wirft auch die Gottesfurcht von sich ab, denn es heißt: die Furcht vor dem Allmächtigen verläßt er.
2Einst kam eine Frau in ein Haus, um zu backen, und ein Hund bellte sie an, da löste sich in ihr die Geburt. Da sprach der Hausherr zu ihr: Fürchte dich nicht, er hat weder Zähne noch Krallen. Sie aber erwiderte ihm: Vergeblich dein Trost, auf Dornen geworfen; die Geburt hat sich bereits bewegt.
3R. Hona sagte: Es heißt: freue dich, Jüngling, in deiner Jugend, und laß dein Herz guter Dinge sein in deinen Jünglingstagen; wandle, wohin es dein Herz zieht, und wonach deine Augen schauen, und wisse, daß dich Gott um dies alles ins Gericht bringen wird. So weit die Worte des bösen Triebes, von da ab sind es die Worte des guten Triebes.
4Reš Laqiš sagte: So weit bezieht es sich auf die Tora, von da ab auf die guten Werke.
5DAS KNIEBAND IST REIN. R. Jehuda sagte: Unter Birith [Knieband] ist das Armband zu verstehen.
6R. Joseph wandte ein: Das Knieband ist rein, und man darf damit am Šabbath ausgehen. Das Armband ist ja verunreinigungsfähig!? –
7Er meint es wie folgt: das Knieband sitzt unterhalb des Armbandes.
8Rabin und R. Hona saßen vor R. Jirmeja, während R. Jirmeja dasaß und schlummerte. Da sprach Rabin: Das Knieband wird nur an einem [Fuße], Fesselbänder werden an beiden [getragen].
9R. Hona erwiderte ihm: Beide werden an beiden getragen; wenn man sie durch eine Kette verbindet, so sind es Fesselbänder. –
10Macht die Kette sie denn zum Geräte!?
11Wolltest du sagen, dies nach R. Šemuél b. Naḥmani, denn R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Joḥanans: Woher, daß das, was in einem Metallgeräte einen Ton hervorbringt, verunreinigungsfähig sei? Es heißt: jede Sache, die Feuer verträgt, sollt ihr in Feuer tun, auch Toninstrumente.
12Allerdings das, was des Tones wegen nötig ist und eine Funktion hat. Welche Funktion aber hat [die Kette]!? –
13Auch diese hat eine Funktion, denn Rabba b. Bar Ḥana erzählte im Namen R. Joḥanans: In Jerušalem war eine Familie, die einen großen Schritt hatte, wodurch [die Mädchen] das Jungfernhäutchen zu verlieren pflegten; da fertigte man ihnen durch eine Kette verbundene Fesselbänder an, um den großen Schritt zu verhindern, und das Jungfernhäutchen blieb ihnen erhalten. Da erwachte R. Jirmeja und sprach zu ihnen: Richtig, dies sagte auch R. Joḥanan.
14Als R. Dimi kam, sagte er im Namen R. Joḥanans: Woher, daß ein Gewebe, irgendwie groß, verunreinigungsfähig ist? Vom Stirnblatte.
15Abajje sprach zu ihm: War denn das Stirnblatt ein Gewebe, es wird ja gelehrt: Das Stirnblatt war eine Art Platte aus Gold, zwei Finger breit, und reichte von Ohr zu Ohr; darauf waren zwei Zeilen eingraviert: Jod und Heoben und geheiligt unten.
16R. Elie͑zer b. R. Jose erzählte: Ich habe es in Rom gesehen, und darauf waren [die Worte] geheiligt dem Herrn in einer Zeile eingraviert!?
17Als R. Dimi nach Nehardea͑ hinaufging, ließ er ihnen sagen: Was ich euch gesagt habe, beruht auf einem Irrtum; vielmehr sagten sie folgendes im Namen R. Joḥanans: Woher, daß ein Schmuck, irgendwie groß, verunreinigungsfähig ist? Vom Stirnblatte. Woher, daß ein Gewebe, irgendwie groß, verunreinigungsfähig ist? Aus [den Worten]: oder ein Gewand.
18Die Rabbanan lehrten: Ein Gewebe, irgendwie groß, ist verunreinigungsfähig, ein Schmuck, irgendwie groß, ist verunreinigungsfähig, und ein Schmuck und Gewebe, [zusammen] irgendwie groß, ist verunreinigungsfähig. Noch mehr als das ‘Gewand’ ist es das Sackzeug, das als Gewebe verunreinigungsfähig ist.
19Raba sagte: Daß ein Gewebe, irgendwie groß, verunreinigungsfähig ist, geht aus [den Worten]: oder ein Gewand hervor. Daß ein Schmuck, irgendwie groß, verunreinigungsfähig ist, ist vom Stirnblatte zu entnehmen, und daß ein Gewebe und Schmuck, [zusammen] irgendwie groß, verunreinigungsfähig ist, geht aus [den Worten]: jedes Arbeitsgerät hervor.
20Einer von den Jüngern sprach zu Raba: Dies wurde ja nur beim [Ereignis zu] Midjan angeordnet!?
21Dieser erwiderte: Man folgere es durch [das Wort]
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.