Schabbat — Blatt 64a
1Gerätvon dort.
2«Noch mehr als das ‘Gewand’ ist es das Sackzeug, das als Gewebe verunreinigungsfähig ist.» Ist denn das Gewand kein Gewebe!?– Er meint es wie folgt: Noch mehr als das Gewand ist das Sackzeug, das verunreinigungsfähig ist, auch wenn es kein Gewebe ist. – Wozu ist es dann verwendbar? R. Joḥanan erwiderte: Ein Armer dreht drei Haare zusammen und hängt es seiner Tochter um den Hals.
3Die Rabbanan lehrten: Sack, ich weiß dies also nur vom Sackzeug, woher, daß auch das kilikische Zeug und Haardecken einbegriffen sind? Es heißt: oder ein Sack. Man könnte glauben, auch Stricke und Schnüre seien einbegriffen, so heißt es Sack; wie das Sackzeug gesponnen und gewebt ist, ebenso alles, was gesponnen und gewebt ist.
4Hinsichtlich des Leichnams heißt es: alles Lederzeug, alles aus Ziegenhaar Gefertigte &c. sollt ihr reinigen, und dies schließt das kilikische Zeug und Haardecken ein.
5Man könnte glauben, auch Stricke und Schnüre seien einbegriffen, und wie folgt deduzieren: Das Kriechtier ist verunreinigend und der Leichnam ist verunreinigend, wie das Kriechtier nur bei Gesponnenem und Gewebtem verunreinigend ist, ebenso ist auch der Leichnam nur bei Gesponnenem und Gewebtem verunreinigend.
6Aber sollte denn, wenn es bei der an sich leichteren Unreinheit des Kriechtieres erleichtert worden ist, auch bei der schwereren Unreinheit des Leichnams erleichtert werden!? Daher heißt es bei beiden: Gewand und Leder, als Wortanalogie:
7beim Kriechtiere heißt es Gewand und Leder, und ebenso heißt es Gewand und Leder beim Leichnam; wie das Kriechtier, bei dem es Gewand und Leder heißt, nur bei Gesponnenem und Gewebtem verunreinigend ist, ebenso ist auch der Leichnam, bei dem es Gewand und Leder heißt, nur bei Gesponnenem und Gewebtem verunreinigend.
8Und wie ferner der Leichnam, bei dem es Gewand und Leder heißt, bei allem aus Ziegenhaar Gefertigten verunreinigend ist, ebenso ist auch das Kriechtier, bei dem es Gewand und Leder heißt, bei allem aus Ziegenhaar Gefertigten verunreinigend.
9Ich weiß dies also vom aus Ziegenhaar Gefertigten, woher, daß das aus Roß und Kuhschwanzhaar Gefertigte einbegriffen ist? Es heißt: oder ein Sack. –
10Du hast ja aber kilikisches Zeug und Haardecken ausgeschlossene –
11Dies nur, bevor aus der Wortanalogie gefolgert wurde, jetzt aber, wo aus der Wortanalogie gefolgert wird, sind auch diese einbegriffen. –
12Ich weiß dies bezüglich des Kriechtieres, woher dies bezüglich des Leichnams?
13Dies ist einleuchtend: der Leichnam ist verunreinigend und das Kriechtier ist verunreinigend, wie bei der Unreinheit des Kriechtieres das aus Roß- und Kuhschwanzhaar Gefertigte dem aus Ziegenhaar Gefertigten gleicht, ebenso gleicht bei der Unreinheit des Leichnams das aus Roß- und Kuhschwanzhaar Gefertigte dem aus Ziegenhaar Gefertigten.
14Wieso denn, wenn dieses bezüglich der mehrfachen Unreinheit bis zum Abend einbegriffen ist, sollte es auch bezüglich der vereinzelten siebentägigen Unreinheit einbegriffen werden?
15Daher heißt es bei beiden Gewand und Leder, als Wortanalogie: beim Kriechtiere heißt es Gewand und Leder, und ebenso heißt es Gewand und Leder beim Leichnam; wie beim Kriechtiere, bei dem es Gewand und Leder heißt, das aus Roß- und Kuhschwanzhaar Gefertigte dem aus Ziegenhaar Gefertigten gleicht, ebenso gleicht beim Leichnam, bei dem es Gewand und Leder heißt, das aus Roß- und Kuhschwanzhaar Gefertigte dem aus Ziegenhaar Gefertigten.
16Und sie sind entbehrlich, denn wenn sie nicht entbehrlich wären, könnte man erwidern: wohl beim Kriechtiere, das schon in Linsengröße verunreinigend ist. Aber nein, sie sind entbehrlich.
17Merke [die Unreinheit] des Kriechtieres gleicht ja der des Samenergusses, denn es heißt: ein Mann, der Samen ausgestoßen hat, und darauf folgt: wer irgend ein Kriechtier berührt, und da es schon beim Samenerguß heißt: alles Gewand und alles Leder, an dem Samenerguß sich befindet, wozu wiederholt der Allbarmherzige Gewand und Leder beim Kriechtiere!? Sie sind also entbehrlich.
18Sie sind ja aber nur an der einen Stelle entbehrlich!? Allerdings, nach demjenigen, welcher sagt, daß, wenn an einer Stelle entbehrlich, man [durch die Wortanalogie] folgere, ohne sie widerlegen zu können, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, man folgere zwar, widerlege sie aber auch!? –
19Sie sind auch beim Leichnam entbehrlich. Merke, [die Unreinheit] des Leichnams gleicht ja der des Samenergusses, denn es heißt: wer einen durch einen Leichnam Verunreinigten berührt, oder ein Mann, der Samen ausgestoßen hat, und da es schon beim Samenergusse heißt: alles Gewand und alles Leder, wozu wiederholt der Allbarmherzige Gewand und Leder beim Leichnam!? Sie sind also entbehrlich.
20Und wir bringen dem Herrn als Opfergabe, was ein jeder an goldenen Geräten gefunden, Armbänder, Armspangen, Fingerringe, Busenspangen und Gehänge. R. Elea͑zar erklärte: Die Busenspange war ein Brüsteschmuck, das Gehänge war ein Schamschmuck.
21R. Joseph sprach: Wenn dem so ist, so stimmt es, daß wir es mit Maḥokh übersetzen: nämlich ein Gegenstand, der zum Lachen verleitet. Da sprach Raba zu ihm: Dies geht auch aus dem Texte selbst hervor: Kumaz: das ist die Stelle der Unzucht.
22Und Moše zürnte über die Anführer des Heeres. R. Naḥman sagte im Namen des Rabba b. Abuha: Moše sprach nämlich zu Jisraél: Ihr habt euch vielleicht zu euerer ehemaligen Verdorbenheit zurückgewendet? Diese erwiderten: Es fehlt niemand aus unserer Mitte. Da sprach er zu ihnen: Wozu demnach die Entsündigung? Darauf erwiderten sie: Wenn wir auch der Sünde entgangen sind, so sind wir immerhin sündhaften Gedanken nicht entgangen. Hierauf: Wir bringen dem Herrn als Opfergabe.
23In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Weshalb benötigten die Jisraéliten jenes Zeitalters einer Entsündigung?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.