Schabbat — Blatt 69b

1Man wandte ein: Was heißt Versehen bei einem assertorischen Bekräftigungsschwure? Wenn er sagt, er wisse, daß dieser Schwur ein falscher sei, wisse aber nicht, ob man dieserhalb ein Opfer schuldig sei oder nicht, so ist er schuldig!? – Hier ist die Ansicht Monobaz’ vertreten.

2Eine andere Lesart: Wer [lehrte dies]: wollte man sagen, Monobaz, so ist es ja selbstverständlich, wenn er bezüglich aller [Verbote] der Tora, bei denen [das Opfer] kein Novum ist, sagt, das Versehen hinsichtlich des Opfers heiße Versehen, um wieviel mehr hierbei, wo dies ein Novum ist!? Doch wohl die Rabbanan, somit ist dies eine Widerlegung Abajjes. – Eine Widerlegung.

3Ferner sagte Abajje: Alle stimmen überein, daß man wegen der Hebe das Fünftel nur dann schuldig sei, wenn man das Verbot selbst übersehen hat. – Wer dies zugibt, ist wohl R. Joḥanan, und dies ist ja selbstverständlich, R. Joḥanan sagte es ja nur von einem Falle, auf den [bei Vorsatz] die Ausrottung gesetzt ist, nicht aber, worauf die Ausrottung nicht gesetzt ist!? – Man könnte glauben, die Todesstrafe entspreche der Ausrottung, und man sei schuldig, auch wenn das Versehen bezüglich der Todesstrafe erfolgt ist, so lehrt er uns. Raba sagte: Die Todesstrafe steht an Stelle der Ausrottung, und das Fünftel an Stelle des Opfers.

4R. Hona sagte: Wenn jemand sich auf der Reise oder in der Wüste befindet und nicht weiß, wann Šabbath ist, so zähle er sechs Tage und feiere einen. Ḥija b. Rabh sagt, er feiere einen und zähle sechs Tage. – Worin besteht ihr Streit? –

5Einer ist der Ansicht, man richte sich nach der Weltschöpfung, und einer ist der Ansicht, nach [der Schöpfung] Adam des Urmenschen. Man wandte ein: Wenn jemand sich auf der Reise befindet und nicht weiß, wann Šabbath ist, so feiere er einen Tag für sechs [Arbeitstage]. Wahrscheinlich zähle man sechs Tage und feiere einen!? – Nein, man feiere einen Tag und zähle sechs. – Wieso heißt es demnach: so feiere er einen Tag für sechs [Arbeitstage], es sollte ja heißen: feiere er einen Tag und zähle sechs!? Ferner wird [ausdrücklich] gelehrt: Wenn jemand sich auf der Reise oder in der Wüste befindet und nicht weiß, wann Šabbath ist, so zähle er sechs Tage und feiere einen. Dies ist eine Widerlegung des Ḥija b. Rabh!? – Eine Widerlegung.

6Raba sagte: An jedem dieser [sechs] Tage, bereite er das zu, was er zu seiner Nahrung braucht, [aber nicht an diesem Tage]. – Und an diesem Tage soll er [Hungers] sterben!? – Er bereite am vorangehenden Tage Nahrung für zwei Tage vor. – Vielleicht ist der Tag vorher ein Šabbath!? – Vielmehr, er bereite an jedem Tage zu, was er zu seiner Nahrung braucht, auch an diesem Tage. – Wodurch zeichnet sich demnach dieser Tag aus? – Durch den Weihsegen und den Unterscheidungssegen.

7Raba sagte: Wenn er weiß, seit wieviel Tagen er seine Reise angetreten hat, so darf er an diesem ganzen Tage Arbeit verrichten. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, da man seine Reise ebensowenig am Vorabend des Šabbaths wie am Šabbath selbst antritt, so habe er die Reise spätestens am Donnerstag angetreten, und es sei ihm erlaubt, zwei Tage Arbeit zu verrichten, so lehrt er uns, daß es vorkommen kann, daß man eine Karawane trifft und mit dieser auszieht.

8WER DAS GRUNDGESETZ VOM ŠABBATH GEKANNT. Woher dies? R. Naḥman erwiderte im Namen des Rabba b. Abuha: Es sind zwei Schriftverse vorhanden: die Kinder Jisraéls sollen den Šabbath beobachten, dagegen: meine Šabbathe sollt ihr beobachten; wie ist dies in Übereinstimmung zu bringen? Die Kinder Jisraéls sollen den Šabbath beobachten, eine einzige Beobachtung für viele Šabbathe; meine Šabbathe sollt ihr beobachten, eine besondere Beobachtung für jeden Šabbath.

9R. Naḥman b. Jiçḥaq wandte ein: Im Gegenteil, umgekehrt ist es ja einleuchtend: die Kinder Jisraéls sollen den Šabbath beobachten, eine besondere Beobachtung für jeden Šabbath besonders; meine Šabbathe sollt ihr beobachten, eine einzige Beobachtung für viele Šabbathe!?

10WER &C. GEWUSST HAT, DASS ES ŠABBATH IST.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.