Schabbat — Blatt 70a

1Womit ist es im Anfangssatze anders als im Schlußsatze!? R. Saphra erwiderte: Im [Anfangssatze] unterläßt er es aus Erkenntnis des Šabbaths, im [Schlußsatze] unterläßt er es aus Erkenntnis der Arbeit. R. Naḥman sprach zu ihm: Er unterläßt es ja am Šabbath, weil die Arbeit [verboten ist], und die Arbeit, weil es am Šabbath [verboten ist]!? Vielmehr, sagte R. Naḥman, zum Opfer hat ihn der Allbarmherzige wegen des Versehens verpflichtet: im [Anfangssatze] ist es ein Versehen, im [Schlußsatze] sind es mehrere Versehen.

2IST WEGEN JEDER [HAUPT]ARBEIT BESONDERS SCHULDIG. Woher entnehmen wir die Sonderung der Arbeiten? Šemuél erwiderte: Die Schrift sagt; sterben soll, wer ihn entweiht, sterben; die Tora hat eine Entweihung mit mehreren ‘Sterben‘ belegt. – Dieser Schriftvers spricht ja von der Vorsätzlichkeit!? Da er auf die Vorsätzlichkeit nicht zu beziehen ist, weil es bereits heißt: wer [am Šabbath] eine Arbeit verrichtet, soll sterben, so beziehe ihn auf die versehentliche [Entweihung]. – Was heißt demnach: sterben!? – Er sterbe an Geld. –

3Sollte doch die Sonderung der Arbeiten aus dem Verse entnommen werden, aus dem R. Nathan sie entnimmt!? Es wird nämlich gelehrt: R. Nathan sagte: ihr sollt am Šabbath kein Feuer anzünden in all eueren Wohnorten. Was lehrt dies? Es heißt: und Moše versammelte die ganze Gemeinde Jisraél [ und sprach:] Diese sind die Worte &c. sechs Tage sollt ihr Arbeit verrichten. ‘Worte’, ‘die Worte’, ‘diese Worte’, das sind die neununddreißig Arbeiten, die Moše am Sinaj [verboten] wurden. –

4Man könnte glauben, man sei, wenn man sie alle bei einem Versehen getan hat, nur ein [Opfer] schuldig, so heißt es: beim Pflügen und beim Ernten sollst du ruhen. Man könnte noch immer glauben, man sei nur wegen des Pflügens und Erntens zwei Opfer schuldig, wegen aller übrigen aber nur eines, so heißt es: ihr sollt kein Feuer anzünden. Das Feueranzünden war ja einbegriffen, und es ist nur deshalb besonders hervorgehoben worden, um anderes damit zu vergleichen und dir zu sagen: wie man wegen des Feueranzündens, das eine Hauptarbeit ist, besonders schuldig ist, ebenso ist man wegen jeder anderen Hauptarbeit besonders schuldig. –

5Šemuél ist der Ansicht R. Joses, welcher sagt, das Feueranzünden sei nur als Verbot hervorgehoben worden. Es wird nämlich gelehrt: Das Feueranzünden wurde als Verbot hervorgehoben – so R. Jose; R. Nathan sagt, das Feueranzünden sei hervorgehoben worden, um daraus die Sonderung der Arbeiten zu entnehmen. –

6Die Sonderung der Arbeiten ist ja aus demselben Verse zu entnehmen, aus dem R. Jose dies entnimmt!? Es wird nämlich gelehrt: R. Jose sagte: und er eine von diesen tut; oft ist man ein [Opfer] wegen aller [Arbeiten] schuldig, und oft ist man für jede besonders schuldig. Hierüber sagte R. Jose b. R. Ḥanina: Folgendes ist der Grund R. Joses: eine von einer, diese von diesen; eine wie diese, diese wie eine.

7Eine: Šimo͑n; von einer:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.