Schabbat — Blatt 75a
1Wenn in einen Vorhang Motten gekommen waren, wurde er zerrissen und zusammengenäht.
2R. Zuṭra b. Ṭobja sagte im Namen Rabhs: Wer am Šabbath eine Naht zusammenzieht, ist ein Sündopfer schuldig. Wer etwas von einem Magier lernt, verdient den Tod. Wer die Sonnenwenden und den Planetenlauf zu berechnen versteht und dies nicht tut, von dem darf man nicht sprechen.
3Über ‘Magier’ [streiten] Rabh und Šemuél; einer sagt, darunter sei ein Zauberer zu verstehen, und der andere sagt, darunter sei ein Gotteslästerer zu verstehen. Es ist zu beweisen, daß Rabh es ist, der Gotteslästerer sagt. R. Zuṭra b. Ṭobja sagte nämlich im Namen Rabhs: Wer etwas von einem Magier lernt, verdient den Tod. Wieso könnte man demnach sagen, darunter sei ein Zauberer zu verstehen, es heißt ja: du sollst dies nicht lernen, um solches nachzuahmen, wohl aber darfst du es des Wissens wegen und des Lehrens wegen lernen!? Schließe hieraus.
4R. Šimo͑n b. Pazi sagte im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi im Namen Bar Qapparas: Über denjenigen, der die Sonnenwenden und den Planetenlauf zu berechnen versteht und dies nicht tut, spricht die Schrift: auf das Werk Gottes blicken sie nicht, und das Werk seiner Hände sehen sie nicht. R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Joḥanans; Woher, daß es dem Menschen geboten ist, sich mit den Berechnungen der Sonnenwenden und des Planetenlaufes zu befassen? Es heißt: beobachtet und befolgt sie, denn das ist euere Weisheit und Klugheit in den Augen der Völker. Welche ist die Weisheit und welche die Klugheit, die als solche in den Augen der Völker gelten? Sage, das ist die Berechnung der Sonnenwenden und des Planetenlaufes.
5EIN REH FANGEN &C. Die Rabbanan lehrten: Wer eine Purpurschnecke fängt und sie auspreßt, ist nur einmal schuldig; R. Jehuda sagt, er sei zweimal schuldig. R. Jehuda sagte nämlich, das Auspressen gehöre zur [Hauptarbeit] Dreschen. Jene erwiderten ihm: Das Auspressen gehört nicht zum Dreschen. Raba sagte: Folgendes ist der Grund der Rabbanan; Dreschen gibt es nur bei Bodengewächsen. – Er sollte doch auch wegen Tötens schuldig sein!? R. Joḥanan erwiderte: Wenn er sie tot ausgepreßt hat.
6Raba erwiderte: Du kannst auch sagen, wenn er sie lebend ausgepreßt hat, denn das Töten ist hierbei Nebensachen. – Aber Abajje und Raba sagen ja beide, R. Šimo͑n pflichte bei in [einem Falle gleich] dem Kopfabschlagen ohne zu töten!? – Anders ist es hierbei; je länger [sie] lebt, desto lieber ist es ihm, um eine klarere Farbe zu gewinnen.
7SCHLACHTEN. Weswegen ist das Schlachten strafbar? – Rabh sagte, wegen Färbens; Šemuél sagte, wegen Tötens. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.