Schabbat — Blatt 88a
1und nach den Rabbanan wurden acht unvollzählige [Monate] festgesetzt. –
2Komm und höre: Im ‘Seder O͑lam’wird gelehrt: Im Nisan, in dem die Jisraéliten aus Miçrajim zogen, [geschah folgendes:] am vierzehnten schlachteten sie ihre Pesaḥopfer und am fünfzehnten zogen sie aus; dieser Tag war ein Freitag. Wenn nun der Neumond des Nisan ein Freitag war, so war ja der Neumond des Ijar ein Sonntag und der des Sivan ein Montag. Dies ist somit ein Einwand gegen R. Jose!? – R. Jose kann dir erwidern, hier sei die Ansicht der Rabbanan vertreten. –
3Komm und höre: R. Jose sagte: Am Montag stieg Moše hinauf und kam wieder herunter; am Dienstag stieg er hinauf und kam wieder herunter; am Mittwoch kam er herunter und stieg nicht hinauf. – Wenn er aber nicht hinaufgestiegen war, wie konnte er herunterkommen!? – Vielmehr: am Mittwoch stieg er hinauf und kam wieder herunter. – Am Donnerstag baute er den Altar und brachte darauf ein Opfer dar; am Freitag hatte er keine Zeit mehr. Wahrscheinlich doch wegen [des Empfanges] der Tora!? –
4Nein, wegen der Vorbereitung zum Šabbath. Ein Galiläer trug in Gegenwart R. Ḥisdas vor: Gepriesen sei der Allbarmherzige, der die dreifaltige Tora dem dreifaltigen Volke durch einen Drittgeborenen am dritten Tage im dritten Monat verliehen hat. – Nach wessen Ansicht? – Nach der der Rabbanan.
5Und sie stellten sich am Fuße des Berges auf. R. Evdämi b. Ḥama (b. Ḥasa) sagte: Dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, über sie den Berg wie einen Kübel stülpte und zu ihnen sprach: Wollt ihr die Tora empfangen, so ist es gut, wenn aber nicht, so ist hier euer Grab. R. Aḥa b. Ja͑qob sagte: Dies ist eine große Kundgebung bezüglich der Tora. Raba sagte: Jedoch nahmen sie sie später wiederum in den Tagen des Ahašveroš [freiwillig] an, denn es heißt: die Judäer bestätigten es und nahmen es auf sich; sie bestätigten, was sie bereits auf sich genommen hatten.
6Ḥizqija sagte: Es heißt: vom Himmel ließest du das Urteil vernehmen; da erschrak die Erde und war still; wenn sie erschrak, wieso war sie still, wenn sie still war, wieso erschrak sie? Vielmehr, zuerst erschrak sie, nachher war sie still. – Weshalb erschrak sie? – Dies nach Reš Laqiš, denn Reš Laqiš sagte: Es heißt: es ward Abend und es ward Morgen, der sechste Tag; wozu ist das überflüssige Henötig? Dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, mit dem Schöpfungswerke eine Vereinbarung traf und zu ihm sprach: Nehmen die Jisraéliten die Tora an, so sollt ihr bestehen, wenn aber nicht, so verwandele ich euch wieder in Öde und Leere.
7R. Simaj trug vor: Zur Stunde, da die Jisraéliten das Tun früher als das Hören zugesagt hatten, kamen sechzig Myriaden Dienstengel und wanden jedem Jisraéliten zwei Kränze, einen für das Tun und einen für das Hören. Als die Jisraéliten später sündigten, kamen hundertundzwanzig Myriaden Würgengel herunter und nahmen sie ihnen ab, wie es heißt: da entledigten sich die Kinder Jisraél ihres Schmuckes vom Berge Ḥoreb. R. Ḥama b. R. Ḥanina sagte: Am Ḥoreb legten sie ihn an, und am Ḥoreb legten sie ihn ab. Am Ḥoreb legten sie ihn an, wie wir bereits gesagt haben, am Ḥoreb legten sie ihn ab, wie es heißt: da entledigten sich die Kinder Jisraél &c. R. Joḥanan sagte: Moše war es beschieden, sie alle zu erhalten, denn darauf heißt es: und Moše nahm das Zelt. Reš Laqiš sagte: Dereinst wird der Heilige, gepriesen sei er, sie uns wieder geben, denn es heißt: die Befreiten des Herrn kehren heim und gelangen nach Çijon mit Jauchzen, und ewige Freude auf ihrem Haupte; die Freude von ehemals auf ihrem Haupte.
8R. Elea͑zar sagte: Zur Stunde, da die Jisraéliten das Tun früher als das Hören zugesagt hatten, ertönte eine Hallstimme und sprach (zu ihnen): Wer hat meinen Kindern dieses Geheimnis verraten, dessen sich die Dienstengel bedienen? Denn es heißt: preiset den Herrn, ihr, seine Engel, starke Helden, die ihr seinen Befehl tut, die Stimme seines Wortes zu hören; vorher tun und nachher hören. R. Ḥama b. Ḥanina sagte: Es heißt: wie ein Apfelbaum unter des Waldes Bäumen &c. Weshalb werden die Jisraéliten mit einem Apfelbaume verglichen? Dies besagt: wie der Apfelbaum die Frucht[blüten] früher als die Blätter hervorbringt, so haben auch die Jisraéliten das Tun früher als das Hören zugesagt.
9Ein Minäer sah, wie Raba, als er in einer Lehre vertieft war, die Finger der Hand unter dem Fuße hielt und sie so rieb, daß sie Blut spritzten. Da sprach er zu ihm: Gedankenloses Volk, die ihr den Mund den Ohren [vorgeschickt] habt, noch immer befindet ihr euch in euerer Gedankenlosigkeit. Ihr solltet vorher hören, ob ihr sie auf euch nehmen könnt oder nicht. Dieser erwiderte: Von uns,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.