Schevuot — Blatt 12b
1Als Zehrung für den Altar, wie weiße Feigen. – Es heißt ja aber: Keinerlei Sauerteig oder Honig &c.!? – R. Ḥanina lehrte: Wie weiße Feigen für Menschen.
2R. Naḥman b. R. Ḥisda trug vor: Man verwende nicht Geflügel-Brandopfer als Zehrung [für den Altar]. Raba sprach: Dies ist Erfindung! R. Naḥman b. Jiçḥaq sprach zu Raba: Wieso Erfindung, ich selber sagte es ihm, und zwar sagte ich es ihm im Namen des R. Šimi aus Nehardea͑. R. Šimi aus Nehardea͑ sagte nämlich: Die Überschüsse werden für freiwillige Gemeindeopfer verwendet, und die Gemeinde bringt keine Geflügelbrandopfer dar.
3Und auch Šemuèl ist der Ansicht R. Joḥanans, denn R. Jehuda sagte im Namen Šemuèls, Gemeindeopfer werden erst durch das Messer zu dem gemacht, was sie sind.
4Ebenso wird auch gelehrt: R. Šimo͑n pflichtet jedoch bei, daß, wenn der Bock nicht am Festtage dargebracht worden ist, er am Neumond dargebracht werde, und wenn er nicht am Neumond dargebracht worden ist, er am Versöhnungstage dargebracht werde, und wenn er nicht am Versöhnungstage dargebracht worden ist, er am Feste dargebracht werde, und wenn er nicht an diesem Feste dargebracht worden ist, er an einem anderen Feste dargebracht werde, denn er war von vornherein nur dazu bestimmt, auf dem äußeren Altar Sühne zu schaffen.
5Es wird gelehrt: Er ist nur dazu geheiligt worden, auf dem äußeren Altar Sühne zu schaffen.
6DIE VORSÄTZLICHE VERUNREINIGUNG DES HEILIGTUMS UND DER HEILIGEN OPFER SÜHNEN DER INNERHALB HERGERICHTETE BOCK &C. Woher dies? –
7Die Rabbanan lehrten:Und er entsündige das Heiligtum von wegen der Unreinheiten der Kinder Jisraél &c. Frevel, das sind die widersetzlichen Missetaten, denn so heißt es:der König von Moáb widersetztesich mir; ferner heißt es:damals, zu jener Zeit, widersetztesich auch Libhna. Verfehlungen, das sind die unvorsätzlichen Missetaten, denn so heißt es:wenn jemand unvorsätzlich eine Verfehlung begeht.
8ANDERE IN DER TORA GENANNTE SÜNDEN, LEICHTE UND SCHWERE, VORSÄTZLICHE UND UNVORSÄTZLICHE &C.
9Leichte sind ja dasselbe, was Gebote und Verbote, und schwere sind ja dasselbe, was mit der Ausrottung oder der Todesstrafe durch das Gericht belegte Verbrechen, bewußte sind ja dasselbe, was vorsätzliche, und unbewußte sind ja dasselbe, was unvorsätzliche!?
10R. Jehuda erwiderte: Er meint es wie folgt: wegen anderer in der Tora genannter Sünden, ob leichte oder schwere, ob man sie unvorsätzlich oder vorsätzlich begangen hat, und wenn man sie unvorsätzlich begangen hat, einerlei ob ihm der Zweifelbekannt wurde oder nicht; leichte sind: Gebote und Verbote, schwere sind: mit der Ausrottung oder der Todesstrafe durch das Gericht belegte Verbrechen. –
11Von welchem Falle wird hier hinsichtlich der Gebote gesprochen; hat er keine Buße getan, so heißt es ja:das Schlachtopfer der Gottlosen ist ein Greuel, und hat er Buße getan, so wird ja gelehrt, wer ein Gebot übertreten und Buße getan hat, verlasse nicht seinen Platz, ohne daß man es ihm vergebenhat!?
12R. Zera erwiderte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.