Schevuot — Blatt 13b
1nach Rabbi könnte es keine Ausrottung wegen [Entweihung] des Tages [der Versöhnung] geben. –
2Wieso denn nicht, dies kann ja vorkommen, wenn jemand beim Essen einer Fleischschnitte durch Ersticken gestorben ist, oder wenn er unmittelbar vor Sonnenuntergang gegessen hat, wo keine Zeit für seine Sühne zurückgeblieben war.
3JISRAÉLITEN, PRIESTER UND DER GESALBTE [HOCH]PRIESTER.
4Dies widerspricht sich ja selbst; zuerst heißt es: Jisraéliten, Priester und der gesalbte [Hoch]priester, und darauf lehrt er: einen Unterschied zwischen Jisraéliten, Priestern und dem gesalbten [Hoch]priester!? R. Jehuda erwiderte: Er meint es wie folgt: Jisraéliten, Priester und der gesalbte [Hoch]priester erhalten ohne Unterschied Sühne wegen anderer Sünden durch den fortzuschickenden Bock, ein Unterschied zwischen Jisraéliten, Priestern und dem gesalbten [Hoch]priester besteht nur darin, indem der Farre den Priestern Sühne schafft wegen Verunreinigung des Heiligturns und der heiligen Opfer &c. –
5Nach wessen Ansicht? – Nach der des R. Jehuda; denn es wird gelehrt: Er sühne das Heilige des Heiligturns, das ist das Allerheiligste; das Offenbarungszelt, das ist der Tempel; den Altar, dem Worte gemäß; soll er sühnen, das sind die Vorhöfe; die Priester, dem Worte gemäß; das Volk, das sind die Jisraéliten; soll er sühnen, das sind die Leviten.
6Sie alle gleichen einander bei der einen Entsündigung, denn sie alle werden wegen anderer Sünden durch den fortzuschickenden Bock entsündigt – so R. Jehuda.
7R. Šimo͑n sagte: Wie das innerhalb [zu sprengende] Blut des Bockes Jisraél Sühne schafft wegen Verunreinigung des Heiligtums und seiner heiligen Opfer, ebenso schafft das Blut des Farren den Priestern Sühne wegen Verunreinigung des Heiligtums und seiner heiligen Opfer; und wie ferner das Sündenbekenntnis über den fortzuschickenden Bock Jisraél Sühne schafft wegen anderer Sünden, ebenso schafft das Sündenbekenntnis über den Farren den Priestern Sühne wegen anderer Sünden. –
8Und R. Šimo͑n, sie gleichen ja einander!? Sie gleichen einander insofern, als sie alle Sühne erhalten, jedoch jeder durch seines. –
9Was ist der Grund R. Šimo͑ns? – Es heißt:er soll die zwei Böcke nehmen, der fortzuschickende Bock gleicht also dem innerhalb hergerichteten; wie der innerhalb hergerichtete Bock den Priestern keine Sühne wegen der Verunreinigung des Heiligtums und der heiligen Opfer schafft, denn bei diesem heißt es: der für das Volk, ebenso schafft auch der fortzuschickende Bock den Priestern keine Sühne wegen aller anderen Sünden. –
10Und R. Jehuda!? – Er kann dir erwidern: sie gleichen einander insofern, als sie in ihrem Aussehen, ihrer Größe und ihrem Preise gleichmäßig sein müssen. –
11Wer ist der Autor der folgenden Lehre:Er soll den für das Volk stimmten Sündopferbock schlachten, daß nämlich die Priester durch diesen keine Sühne erhalten; wodurch erhalten sie Sühne? Durch den Farren Ahrons.
12Man könnte nämlich glauben, sie erhalten durch den Farren Ahrons keine Sühne: da es bereits für ihn heißt, so haben sie keinen Anteil an der Sühne, wenn es aber heißt: er schaffe den Priestern Sühne, so finden wir, daß sie Sühne erhalten; wodurch erhalten sie nun diese Sühne?
13Es ist richtiger, daß sie durch den Farren Ahrons Sühne erhalten, der schon wegen seines Hausesaus seiner Beschränkung gekommen ist, und nicht durch den innerhalb hergerichteten Bock, der [wegen seines Hauses] nicht aus seiner Beschränkung gekommen ist.
14Wenn du aber dagegen einwenden willst, so heißt es:ihr vom Hause Ahrons, preiset den Herrn, ihr vom Hause Levis, preiset den Herrn, ihr, die ihr den Herrn fürchtet, preiset den Herrn.
15Wer ist der Autor? R. Jirmeja erwiderte: Es ist nicht R. Jehuda, denn R. Jehuda sagt, die Priester erhalten Sühne durch den fortzuschickenden Bock. Wer ist nun der Autor? Raba erwiderte: Es ist R. Šimo͑n, welcher sagt, die Priester erhalten keine Sühne durch den fortzuschickenden Bock.
16Abajje erwiderte: Du kannst auch sagen, es ist R. Jehuda, denn er meint es wie folgt: demnach erhalten sie keine Sühne wegen der Verunreinigung des Heiligtums und der heiligen Opfer, wenn es aber heißt: so schaffe er den Priestern Sühne, so finden wir, daß sie wegen anderer Sünden Sühne erhalten, und wie sie Sühne erhalten wegen anderer Sünden, so erhalten sie Sühne auch wegen der Verunreinigung des Heiligtums und der heiligen Opfer;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.