Schevuot — Blatt 14b
1DAS INNERE WURDE GEGESSEN UND DAS ÄUSSERE VERBRANNT. IST [BEI DER ERWEITERUNG] DIES ALLES NICHT ERLIL FOLGT, SO IST, WER DA EINTRITT, NICHT SCHULDIG.
2WENN JEMAND IM TEMPELHOFE UNREIN GEWORDEN UND DIES IHM ENTFALLEN IST, JEDOCH KENNTNIS HAT, DASS ER SICH IM HEILIGTUME BEFINDET, ODER IHM DIE KENNTNIS DES HEILIGTUMS ENTFALLEN IST, JEDOCH KENNTNIS DER UNREINHEIT HAT, ODER BEIDES IHM ENTFALLEN IST, UND ER SICH DA NIEDERWIRFT ODER DIE DAUER EINER NIEDERWERFUNG VERWEILT, ODER ER BEIM HINAUSGEHEN DEN WEITEREN WEG WÄHLT, SO IST ER SCHULDIG, WENN ABER DEN KÜRZEREN, SO IST ER FREI.
3DIES IST EIN DAS HEILIGTUM BETREFFENDES GEBOT, WEGEN DESSEN [ÜBERTRETUNG] MAN NICHT SCHULDIG IST.
4WELCHES IST DAS DIE MENSTRUATION BETREFFENDE GEBOT, WEGEN DESSEN [ÜBERTRETUNG] MAN SCHULDIG IST? WENN JEMAND DEN BEISCHLAF MIT EINER REINEN FRAU VOLLZIEHT UND SIE ZU IHM SAGT, SIE SEI UNREIN GEWORDEN, UND ER SICH SOFORT ZURÜCKZIEHT, SO IST ER SCHULDIG, DENN DAS HERAUSZIEHEN GEWÄHRT IHM EINEN EBENSOLCHEN GENUSS WIE DAS HINEINBRINGEN.
5R. ELIEZ͑ER SAGTE: [ES HEISST:] das Kriechtier &c. und es ihm entfällt, BEIM ENTFALLEN DES KRIECHTIERES IST MAN SCHULDIG, NICHT ABER IST MAN SCHULDIG BEIM ENTFALLEN DES HEILIGTUMS.
6R. A͑QIBA SAGTE: [ES HEISST:] und es ihm entfällt, und er ist unrein, BEIM ENTFALLEN DER UNREINHEIT IST MAN SCHULDIG, NICHT ABER IST MAN SCHULDIG BEIM ENTFALLEN DES HEILIGTUMS.
7R. JIŠMA͑ÉL SAGTE: [ES HEISST] ZWEIMAL und es ihm entfällt, [DIES LEHRT,] DASS MAN SOWOHL BEIM ENTFALLEN DER UNREINHEIT ALS AUCH BEIM ENTFALLEN DES HEILIGTUMS SCHULDIG SEI.
8GEMARA. R. Papa sprach zu Abajje: [Wieso heißt es:] zwei, die in vier zerfallen, es sind ja zwei, die in sechs zerfallen: Bewußtsein der Unreinheit vorher und nachher, Bewußtsein des Heiligen vorher und nachher, Bewußtsein des Heiligtums vorher und nachher!? –
9Nach deiner Auffassung sind es ja sogar acht, denn es kommt ja noch hinzu [Bewußtsein der] Unreinheit des Heiligen und [Bewußtsein der] Unreinheit des Heiligturns vorher und nachher. –
10Dies ist kein Einwand ; die Bezeichnung Unreinheit ist nur eine. Aber immerhin sind es ja sechs!?
11R. Papa erwiderte: Tatsächlich sind es acht, nur zählt er die ersten vier, derentwegen kein Opfer darzubringen ist, nicht mit, sondern nur die letzten vier, derentwegen ein Opfer darzubringen ist.
12Manche lesen: R. Papa erwiderte: Tatsächlich sind es acht, jedoch zählt er nur die ersten vierauf, die bei anderen Gesetzen der ganzen Tora keine Geltunghaben, nicht aber zählt er die letzten vier mit, die auch bei anderen Gesetzen der ganzen Tora Geltung haben.
13R. Papa fragte: Wie ist es, wenn einem das ganze Gesetz von der Unreinheit entfallenwar? – In welchem Falle: wollte man sagen, wenn er überhaupt nicht wußte, ob ein Kriechtier unrein sei, ob ein Frosch unrein sei, so sollte er dies ja aus der Schulewissen!? –
14Tatsächlich, wenn er die Unreinheit eines Kriechtieres kannte, jedoch in dem Falle, wenn er ein linsengroßes Quantum berührt hat, und nicht wußte, ob ein linsengroßes Quantum verunreinigend sei oder nicht. Wie ist es nun: heißt dies Bewußtsein, da er gewußt hat, daß ein Kriechtier verunreinigend ist, oder heißt dies Unbewußtsein, da er nicht wußte, ob ein linsengroßes Quantum verunreinigend sei oder nicht? – Dies bleibt unentschieden.
15R. Jirmeja fragte: Wie ist es, wenn ein Babylonier nach Palästina gekommen ist und den Platz des Heiligtums nicht kannte? –
16Nach wessen Ansicht: wenn nach R. A͑qiba, nach dem Bewußtsein vorher erforderlich ist, so ist man ja nach ihm bei Unbewußtsein des Heiligturns nicht schuldig, und wenn nach R. Jišma͑él, nach dem man auch bei Unbewußtsein des Heiligtums schuldig ist, so ist ja nach diesem Bewußtsein vorher nicht erforderlich? –
17Die Frage besteht nach Rabbi, nach dem Bewußtsein vorher erforderlich ist, man aber bei Unbewußtsein des Heiligtums schuldigist, und auch sagt, daß das Bewußtsein aus der Schule als Bewußtsein gelte. Wie ist es nun, heißt dies Bewußtsein, da er wußte, daß es ein Heiligtum auf der Welt gibt, oder heißt dies Unbewußtsein, da er den Platz nicht kannte? – Dies bleibt unentschieden.
18EINERLEI OB ER IN DEN TEMPELHOF SELBST &C. EINGETRETEN IST. Woher dies? R. Šimi b. Ḥija erwiderte: Die Schrift sagt:ganz wie ich dir zeige, das Modell der Wohnung und das Modell all ihrer Geräte,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.