Schevuot — Blatt 15b
1Glaubst du: gibt es denn ein Speisopfer aus Gesäuertem!? Wolltest du erwidern, man lasse das Zurückbleibendesäuern und weihe damit, so heißt es ja:es nicht gesäuert gebacken werden; einen Anteil &c., und Reš Laqiš erklärte, selbst ein Teil darf nicht gesäuert gebacken werden. –
2Wieso denn nicht, man kann ja mit den zwei Broten des Wochenfesteseinweihen!? – Dies ist nicht möglich;
3wie sollte man es denn machen: wollte man die Bauarbeiten am Tage vorher verrichten und die Weihung am Tage vorher vollziehen, so werden ja die zwei Brote erst durch das Schlachten der Lämmerheilig;
4wollte man die Bauarbeiten am Tage vorher verrichten und die Weihung an diesem selbst vollziehen, so muß ja die Weihung beim Bauen erfolgen;
5wollte man die Bauarbeiten am Feste verrichten und die Weihung am Fest vollziehen, so verdrängt ja das Bauen des Heiligtums nicht [die Feier des] Festes;
6wollte man es auf den folgenden [Tag] verschieben und dann die Bauarbeiten verrichten und die Weihung vollziehen, so werden sieja durch das Übernachten untauglich;
7wollte man die Bauarbeiten am Tage vorher verrichten und etwas zurücklassen, und sobald die Heiligkeit des Tages vorüber ist, sofort beenden und die Weihung vollziehen, so darf ja der Tempel nicht nachts gebaut werden!? Abajje sagte nämlich: Woher, daß das Bauen des Tempels nicht nachts erfolgen darf? Es heißt:an dem Tage aber, an dem er die Wohnung aufrichtete, sie werde nur am Tage auf gerichtet, nicht aber nachts. Dies ist also nicht möglich.
8GESANG. Die Rabbanan lehrten: Der Gesang [war begleitet] von Zithern, Harfen und Zymbeln in jedem Winkel und auf jedem großen Steine in Jerušalem. Man sprach [den Psalm:]Ich will dich erheben, Herr, daß du mich herausgezogen hast &c. Ferner auch das Lied von den Plagegeistern, und wie manche sagen, das Lied von den Plagen.
9Manche sagen, von den Plagen, denn es heißt darin:es wird keine Plage deinem Zelte nahen;manche sagen, von den Plagegeistern, denn es heißt darin: es fallen tausend an deiner Seite.
10Man liest:Der im Schirm des Höchsten sitzt, im Schatten des Allmächtigen weilt, bis:Denn du, Herr, bist mein Schutz; den Höchsten machtest du zu deiner Zuflucht. Ferner liest man:Ein Psalm Davids, als er vor seinem Sohne Abšalom floh, bis:Bei dem Herrn ist die Hilfe; über dein Volk komme dein Segen. Sela.
11R. Jehošua͑ b. Levi las diese Schriftverseund schlief darauf ein. – Wieso tat er dies, R. Jehošua͑ b. Levi sagte ja, man dürfe sich keine Heilung verschaffen durch Worte der Tora? – Anders ist es, wenn nur als Schutz. –
12Demnach bezieht sich das Verbot auf den Fall, wenn es sich um eine Wunde handelt; aber ist es denn, wenn es sich um eine Wunde handelt, nur verboten und nichts weiter, wir haben ja gelernt, wer über eine Wunde flüstert, habe keinen Anteil an der zukünftigen Welt!? – Hierzu wird ja gelehrt, R. Joḥanan sagte, dies gelte von dem Falle, wenn man dabei ausspuckt, weil man beim Ausspucken den Gottesnamen nicht nennen darf.
13IHNEN FOLGT DAS GERICHTSKOLLEGIUM MIT ZWEI DANKOPFERN HINTER IHNEN&C. Demnach geht das Gerichtskollegium vor dem Dankopfer, dagegen heißt es ja aber:und hinter ihnen her zogen Hoša͑ja und die Hälfte der Obersten von Jehuda!? – Er meint es wie folgt: das Gerichtskollegium folgt und zwei Dankopfer folgen, das Gerichtskollegium aber hinter diesen. –
14Wie war der Zug [der Dankopfer]? – R. Ḥija und R. Šimo͑n b. Rabbi [streiten hierüber] ; einer sagt, eines neben dem anderen, und einer sagt, eines hinter dem anderen. Nach demjenigen, welcher sagt, eines neben dem anderen, ist unter ‘inneres’ dasjenige zu verstehen, das sich nahe der Mauer befand; und nach demjenigen, welcher sagt, eines hinter dem anderen, ist unter ‘inneres’ dasjenige zu verstehen das sich nahe dem Gerichtskollegium befand. –
15Wir haben gelernt: das innere wurde gegessen und das äußere verbrannt. Einleuchtend ist es nun, daß das innere gegessen wurde, nach demjenigen, der eines hinter dem anderen sagt, denn das erste ging voran und heiligte [den Ort], nach demjenigen aber, der eines neben dem anderen sagt, erwirken ja beide gleichzeitig die Heiligkeit!? –
16Auch nach deiner Ansicht [ist ja einzuwenden:] kann denn nach demjenigen, der eines hinter dem anderen sagt, [eines] Heiligkeit erwirken, wir haben ja gelernt: wenn dies alles nicht erfolgt? Und selbst nach demjenigen, welcher erklärt: einesvon allem, sind ja beide zusammen eine Vorschrift!?
17Vielmehr ist mit R. Joḥanan zu erklären,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.