Schevuot — Blatt 16a
1das eine wurde auf Anweisung des Propheten gegessen und das andere wurde auf Anweisung des Propheten verbrannt.
2WENN DIES ALLES NICHT ERFOLGT &C. Es wird gelehrt: R. Hona erklärte: alles zusammen; R. Naḥman erklärte: eines von allem.
3R. Hona erklärte: alles zusammen, denn er ist der Ansicht, die erste Heiligung galt für die damalige Zeit und! auch für die Zukunft, nur tat dies E͑zra zur Erinnerung.
4R. Naḥman erklärte: eines von allem, denn er ist der Ansicht, die erste Heiligung galt nur für die damalige Zeit und nicht für die Zukunft, und E͑zra vollzog die Heiligung, obgleich damals das Orakel nicht vorhanden war.
5Raba wandte gegen R. Naḥman ein: Wenn dies alles nicht erfolgt!? – Lies: eines von dies allem. –
6Komm und höre: Abba Saúl sagte: Zwei Tiefungenwaren am Ölberg, eine untere und eine obere; die untere war durch dies alles geheiligt worden, die obere war nicht durch dies alles geheiligt worden, sondern nur durch die heimkehrenden Exulanten, ohne König und ohne Orakel.
7In die untere, die eine vollständige Heiligkeit hatte, pflegten die Leute aus dem gemeinen Volke zu kommen und da Minderheiliges zu essen, nicht aber den zweiten Zehnten, während Genossen da sowohl Minderheiliges als auch den zweiten Zehnten zu essen pflegten;
8in die obere aber, die keine vollständige Heiligkeit hatte, pflegten die Leute aus dem! gemeinen Volke zu kommen und da Minderheiliges zu essen, nicht aber den zweiten Zehnten, während Genossen da weder Minderheiliges noch den zweiten Zehnten aßen. Weshalb heiligte man sie nicht? Weil man die Stadt und den Tempel erweitern darf nur [im Beisein] des Königs, des Propheten, des Orakels, des aus einundsiebzig Mitgliedern bestehenden Synedriums, mit zwei Dankopfern und Gesang. Weshalb heiligte man sie? –
9‘Weshalb heiligte man sie’, du sagtest ja, man heiligte sie nicht!? – Vielmehr: weshalb arrondierte man sie? Weil sie die schwache Seite von Jerušalem und leicht zu besiegenwar!? –
10Hierüber [streiten] Tannaím, denn es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Ich hörte, daß, als manden Tempel baute, man Vorhänge vor dem Tempel und Vorhänge vor dem Vorhof errichtet hatte, und nachher wurden die Wände der Tempelhalle außerhalb und die des Vorhofes innerhalb [dieser Vorhänge] errichtet.
11R. Jehošua͑ sagte: Ich hörte, daß man Opfer darbringe, auch wenn kein Tempel vorhanden ist, und daß man Hochheiliges esse, auch wenn keine Hofmauer, und Minderheiliges und den zweiten Zehnten, auch wenn keine Stadtmauer vorhandenist, weil die erste Heiligung sowohl für die damalige Zeit als auch für die Zukunft galt. Wahrscheinlich ist R. Elie͑zer der Ansicht, daß die Heiligung nicht für die Zukunftgalt.
12Rabina sprach zu R. Aši: Wieso ist dies erwiesen, vielleicht sind alle der Ansicht, die erste Heiligung galt sowohl für die damalige Zeit als auch für die Zukunft, nur erzählte der eine das, was er gehört hat, und der andere das, was er gehört hat!? Wenn du aber einwendest, welche Verwendung demnach nach R. Elie͑zer die Vorhänge hätten, [so ist zu erwidern:] nur als Aufbewahrungsort. –
13Vielmehr, [hierüber streiten] folgende Tannaím: R. Jišma͑él b. Jose sagte: Wozu zählten die Weisen sieauf? Als die Exulanten heimkehrten, fanden sie diese vor und heiligten sie, während die erste [Heiligung] mit der Zerstörung des Landes aufgehört hatte. Demnach ist er der Ansicht, daß die erste Heiligung nur für die damalige Zeit galt, nicht aber für die Zukunft;
14ich will auf einen Widerspruch hinweisen: R. Jišma͑él b. Jose sagte: Waren es denn nur diese, es heißt ja:sechzig Städte, alles was zum Bezirke Argob gehörte, zum Königreiche O͑gs in Bašan; lauter befestigte Städte, mit hoher Mauer; weshalb zählten nun die Weisen nur diese auf? Als die Exulanten heimkehrten, fanden sie diese vor und heiligten sie. –
15‘Und heiligten sie’, wir sagen ja weiter, daß man sie nicht zu heiligen brauchte!? –
16Vielmehr, sie fanden diese vor und zählten sie auf. Und nicht nur diese, sondern bei jeder Stadt, von der es dir von deinen Vorfahren überliefert ist, sie sei seit den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns, von einer Mauer umgeben, haben all diese Gebote Geltung, weil die erste Heiligung sowohl für die damalige Zeit als auch für die Zukunft galt. Somit befindet sich ja R. Jišma͑él b. Jose mit sich selbst im Widerspruche!? –
17Wenn du willst, sage ich, zwei Tannaím streiten über die Ansicht des R. Jišma͑él b. Jose. Und wenn du willst, sage ich, eine dieser Lehren ist von R. Elea͑zar b. Jose, denn es wird gelehrt: R. Elea͑zar b. Jose sagte:Da eine Mauer, auch wenn sie jetzt keine hat, früher aber eine hatte.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.