Schevuot — Blatt 18b

1während wir dies nur vom Heiligtume gelernt haben!?–Esist nicht gleich; langin diesem Falle ist gleich kurz in jenem Falle, und lang in jenem Falle ist gleich kurz in diesem Falle.

2R. Hona, Sohn des R. Nathan, wandte ein: Rann denn Abajje gesagt haben: weil dies ein Zwangsfali ist, wonach es von einem Falle nicht nahe ihrer Periode handelt, Abajje selber sagte ja, er sei zweifach schuldig, demnach handelt es ja von einem Falle nahe ihrer Periode!? –

3Die Auslegung Abajjes bezieht sich auf eine andere Lehre.

4R. Jonathan b. Jose b. Laqonja fragte R. Šimo͑n b. Jose b. Laqonja: Wo findet sich in der Tora das Verbot, eine Menstruierende zu beschlafen? Da nahm er einen Erdklumpen und warf nach ihm; ‘das Verbot, eine Menstruierende zu beschlafen’, [es heißt:]du sollst einer Frau in der Unreinheit ihrer Menstruation nicht nahen.

5Vielmehr, wo finden wir das Verbot, sich, wenn jemand den Beischlaf mit einer reinen Frau vollzieht, und sie zu ihm sagt, sie sei unrein geworden, sofort zurückzuziehen? Ḥizqija erwiderte: Die Schrift sagt:und ihre Unreinheit auf ihn kommt, auch zur Zeit ihrer Menstruation bleibesie bei ihm. –

6Wir finden nun das Gebot, wo aber das Verbot? R. Papa erwiderte: Die Schrift sagt: nicht nahen, und nicht nahen heißt auch: nicht zurücktreten, denn es heißt: rückeab, nähere dich mir nicht, denn ich mache dich heilig.

7Die Rabbanan lehrten:Ihr sollt die Kinder Jisraél verwarnen inbetreff ihrer Unreinheit. R. Jošija sagte: Dies ist eine Verwarnung für die Kinder Jisraél, daß sie sich von ihren Frauen nahe ihrer Periode zurückziehen sollen. – Wieviel? Rabba erwiderte: Einen Halbtag.

8R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Wer sich von seiner Frau nahe ihrer Periode nicht zurückzieht, dem sterben seine Söhne, selbst wenn sie den Söhnen Ahrons gleichen, denn es heißt: Ihr sollt die Kinder Jisraél verwarnen, inbetreff ihrer Unreinheit &c. und inbetreff der Menstruierenden, und darauf folgt nach dem Tode.

9R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Wer sich von seiner Frau nahe ihrer Periode zurückzieht, bekommt männliche Kinder, denn es heißt:damit man zwischen dem Unreinen und dem Reinen unterscheide, und darauf folgt:wenn eine Frau niederkommt und einen Knaben gebiert. R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Er bekommt Söhne, die das Gesetz zu lehren würdig sind, denn es heißt:zu unterscheiden und zu lehren.

10R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Wer am Ausgange des Šabbaths den Unterscheidungssegen über den Wein spricht, bekommt männliche Kinder, denn in diesem heißt es: zwischen Heiligem und Profanem zu unterscheiden, und dort heißt es: damit man zwischen dem Unreinen und dem Reinen unterscheide, und darauf folgt: wenn eine Frau niederkommt und einen Knaben gebiert. R. Jehošua͑ b. Levi sagte: [Er bekommt] Kinder, die das Gesetz zu lehren würdig sind, denn es heißt: zu unterscheiden und zu lehren.

11R. Binjamin b. Jepheth sagte im Namen R. Elea͑zars: Wer sich beim Beischlaf heiligt, bekommt männliche Kinder, denn es heißt:erweiset euch als heilig und seid heilig, und darauf folgt: wenn eine Frau niederkommt &c.

12R. ELIEZ͑ER SAGTE: [ES HEISST:] das Kriechtier &c. und es ihm entfällt. Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen?

13Ḥizqija erwiderte: Ein Unterschied besteht zwischen ihnen bei [der Verunreinigung durch] ein Kriechtier oderein Aas; R. Elie͑zer ist der Ansicht, nur wenn man weiß, ob man sich an einem Kriechtiere oder an einem Aase verunreinigt hat, und R. A͑qiba ist der Ansicht, auch wenn man nicht weiß, ob man sich an einem Kriechtiere oder an einem Aase verunreinigt hat, wenn man nur weiß, daß man sich verunreinigt hat.

14Ebenso sagte auch U͑la, ein Unterschied bestehe zwischen ihnen bei [der Verunreinigung durch] ein Kriechtier oder ein Aas. U͑la wies nämlich auf einen Widerspruch hin, in dem R. Elie͑zer sich befindet, und erklärte ihn auch. Kann R. Elie͑zer denn gesagt haben, nur wenn man weiß, ob man sich an einem Kriechtiere oder an einem Aase verunreinigt hat,

15dem widersprechend wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Wie du es nimmst: hat er Talggegessen, so ist er schuldig, hat er Übriggebliebenes gegessen, so ist er schuldig; hat er den Šabbath entweiht, so ist er schuldig, hat er den Versöhnungstag entweiht, so ist er schuldig; hat er seine menstruierende Frau beschlafen, so ist er schuldig, hat er seine Schwester beschlafen, so ist er schuldig.

16R. Jehošua͑ entgegnete ihm: Es heißt:und ihm bekannt geworden ist sein Vergehen, dessen er sich schuldig gemacht hat, ihm bekannt ist, wodurch er sich schuldig gemacht hat.

17Er erklärte ihn auch. Hierbei sagt der Allbarmherzige: dessen er sich schuldig gemacht hat, also irgend eine Sünde, dort aber heißt es:oder irgend etwas Unreines, wozu heißt es noch: oder das Aas eines unreinen Kriechtieres? Schließe hieraus: nur wenn er weiß, ob er sich an einem Kriechtiere oder an einem Aase verunreinigt hat. –

18Und R. A͑qiba!? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.