Schevuot — Blatt 20b

1gegen Raba aber ist dies ja ein Einwand!? –

2Raba kann dir erwidern: man erkläre und lese es wie folgt. Was heißt ein Enthaltungsgelübde, von dem in der Tora gesprochen wird? Wenn jemand sagt: ich nehme auf mich weder Fleisch zu essen noch Wein zu trinken, wie am Tage, an dem mein Vater gestorben ist, oder wie am Tage, an dem jener getötet wurde ; und hierzu sagte Šemuél, dies nur dann, wenn er an jenem Tage ein Gelübde abgelegthat. –

3Aus welchem Grunde? – Die Schrift sagt:wenn jemand dem Herrn ein Gelübde geloben wird, nur wenn er ein Gelübde ablegt, gleich einem, der schon besteht. –

4‘Wie am Tage, an dem mein Vater gestorben ist’; selbstverständlich!? – Nötig ist der Fall: wie am Tage, an dem Gedalja, der Sohn, Aḥiqams, getötet wurde; man könnte nämlich glauben, daß auf diesen, da esan diesem auch ohne Gelübde verboten ist, das Enthaltungsgelübde sich nicht erstrecke und er vom Gelübde nicht erfaßt werde, so lehrt er uns.

5Und auch R. Joḥanan ist derselben Ansicht wie Raba, denn als Rabin kam, sagte er im Namen R. Joḥanans: [Sagt jemand:] ich tue einen Ausspruch, daß ich deines nicht essen werde, ich nehme eine Enthaltung auf mich, daß ich deines nicht essen werde, so gilt dies als Schwur.

6Als R. Dimi kam, sagte er im Namen R. Joḥanans: [Der Schwur:] ich werde essen, und: ich werdenicht essen, ist [eventuell] ein Falschschwur, und das Verbot befindet sich in folgendem:ihr sollt in meinem Namen nicht falsch schwören; [der Schwur:] ich habegegessen, und: ich habe nicht gegessen, ist [eventuell] ein Nichtigkeitsschwur, und das Verbot befindet sich in folgendem:du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht umsonst aussprechen;

7wegen des Qonambegeht man [das Verbot:] er soll sein Wort nicht brechen.

8Man wandte ein: Nichtigkeitsschwur und Falschschwur sind dasselbe. Wahrscheinlich erstreckt sich der Falschschwur auch auf die Vergangenheit, wie auch der Nichtigkeitsschwur sich auf die Vergangenheit erstreckt; demnach gilt auch [der Schwur:] ich habe gegessen, und: ich habe nicht gegessen, als Falschschwur!? –

9Wieso denn, der eine auf seine Art und der andere auf seine Art. – Wieso heißt es: sind dasselbe!? – Sie wurden zusammen ausgesprochen, wie gelehrt wird: Gedenke und beachtewurden zusammen ausgesprochen, was sonst der Mund nicht aussprechen und das Ohr nicht vernehmen kann. –

10Allerdings kann man da sagen, daß sie zusammen ausgesprochen wurden, nach R. Ada b. Ahaba, denn R. Ada b. Ahaba sagte, Frauen seien nach der Tora zur Weihung des Tagesverpflichtet, denn die Schrift sagt, gedenke und beachte, und wer [der Vorschrift] des Beachtensunterliegt, unterliegt auch [der Vorschrift] des Gedenkens, und da die Frauen der Vorschrift des Beachtens unterliegen, so unterliegen sie auch der Vorschrift des Gedenkens; welche Bedeutung hat diesaber hierbei!? –

11Vielmehr, wie wegen des Nichtigkeitsschwures zu geißeln ist, ebenso ist zu geißeln wegen des Falschschwures. –

12Wo denkst duhin!? – Vielmehr, wie wegen des Falschschwures zu geißeln ist, ebenso ist zu geißeln wegen des Nichtigkeitsschwures. –

13Selbstverständlich, dies ist ein Verbot und jenes ist ein Verbot!? – Man könnte glauben, [man erkläre,] wie R. Papa dem Abajje erklärt hat: er werde überhaupt nicht gereinigt,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.