Schevuot — Blatt 22a
1Somit wäre hieraus die Frage Rabas zu entscheiden, welches Quantum normiert sei, wenn [man gesagt hat:] ein Schwur, daß ich keine Erde essen werde, und gegessen hat; [hieraus] wäre somit zu entnehmen, nur wenn man ein olivengroßes Quantum gegessen hat!? – Wir sprechen nur von eßbaren Dingen. –
2Dies ist ja beim Qonamder Fall!? – Beim Qonam ist es ebenso wie bei der Präzisierung.
3ER ERWIDERTE IHNEN: WO FINDEN WIR DENN, DASS JEMAND WEGEN DES SPRECHENS EIN OPFER DARZUBRINGEN HAT, WÄHREND DIESER WEGEN DES SPRECHENS EIN OPFER DARZUBRINGEN HAT. Etwa nicht, dies ist ja beim Gotteslästerer der Fall!? – Wir sprechen vom Sprechen, wodurch man sich einen Zwang auferlegt, während dieser durch das Sprechen eine Sünde begeht. –
4Dies ist ja beim Nazirder Fall!? –Wir sprechen nur von einem Opfer wegen des Sprechens, während dieser das Opfer zu dem Zwecke darbringt, damit ihm der Weingenuß erlaubt werde. – Dies ist ja beim Heiligender Fall!? –
5Wir sprechen nur von einem Falle, wenn jemand nur sich ein Verbot auferlegt, während dieses für die ganze Welt verboten ist. – Dies ist ja beim Qonam der Fall!? –
6Er ist der Ansicht, beim Qonam gebe es keine Veruntreuung.
7Raba sagte: Sie streiten nur über den Fall, wenn er esnicht präzisiert, wenn er es aber präzisiert, so ist er nach aller Ansicht auch wegen eines Minimums [schuldig]. – Weshalb? – Bei der Präzisierung ist es ebenso wie bei einem lebenden Geschöpfe.
8Ferner sagte Raba: Sie streiten nur über den Fall, [wenn er geschworen hat], daß er nicht essen werde, wenn aber, daß er nicht kosten werde, so ist er nach aller Ansicht auch wegen eines Minimums [schuldig]. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, was die Leute unter ‘kosten’verstehen, so lehrt er uns.
9R. Papa sagte: Sie streiten nur über Schwüre, beim Qonam aber sind alle der Ansicht, daß man auch wegen eines Minimums [schuldig sei]. – Weshalb? – Beim Qonam ist es, da man das Essen überhaupt nichterwähnt, ebenso, als würde man es präzisiert haben.
10Man wandte ein: Zwei mit einem Qonam [belegte Quantitäten] werden vereinigt, zwei mit einem Schwure [belegte Quantitäten] werden nicht vereinigt ; R. Meír sagt, der Qonam gleiche dem Schwure. Wozu ist nun die Vereinigung nötig, wenn du sagst, man sei auch wegen eines Minimums schuldig!? –
11Wenn er gesagt hat: das eine gelte für mich hinsichtlich des Essens als Qonam und das andere gelte für mich hinsichtlich des Essens als Qonam. – Wieso werden sie demnach vereinigt, schließlich hat ja weder das eine noch das andere das erforderliche Quantum!? – Wenn er gesagt hat, beide sollen für mich hinsichtlich des Essens als Qonam gelten. –
12Dem entsprechend bei Schwüren, wenn er gesagt hat: ein Schwur, daß ich von beiden nicht essen werde; weshalb werden sie demnach nicht vereinigt!? R. Pinḥas erwiderte: Anders ist es bei den Schwüren; da sie hinsichtlich der Sündopfer von einander getrenntsind, so werden sie nicht vereinigt –
13Wieso sagt R. Meír demnach, der Qonam gleiche dem Schwure; erklärlich ist dies von den Schwüren, da sie hinsichtlich der Opfer getrennt sind, weshalb aber werden sie beim Qonam nicht [vereinigt] !? – Wende es um: R. Meír sagt, der Schwur gleicht dem Qonam, und zwar hält er nichts van [der Erklärung des] R. Pinḥas.
14Rabina erwiderte: R. Papa spricht von der Geißelung, während diese Lehre vom Opferspricht, wobei das Quantum eine Peruṭa wert sein muß. –
15Demnach wären die Rabbanan der Ansicht, beim Qonam gebe es eine Veruntreuung, und dem widersprechend wird gelehrt: [Wenn jemand gesagt hat:] dieser Laib sei Geheiligtes, und er ihn ißt, einerlei ob er selber oder ein anderer, so begeht er eine Veruntreuung. Daher gibt es bei diesem eine Auslösung. [Wenn er aber sagt:] dieser Laib sei mir Geheiligtes, so kann er selber an diesem eine Veruntreuung begehen, nicht aber kann ein anderer an diesem eine Veruntreuung begehen. Daher gibt es bei diesem keine Auslösung – so R. Meír.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.