Schevuot — Blatt 35b

1und bei dem, der barmherzig ist.

2Raba entgegnete ihm: Demnach kann man ja auch [die Formel]: ‘bei Himmel und Erde’, erklären: bei dem, dem Himmel und Erde gehören!? –

3Wieso dies: in jenem Falle meint er ganz bestimmt: bei dem, der gnädig ist, bei dem, der barmherzig ist, da es nichts gibt, was ‘gnädig’ und ‘barmherzig’ heißt, in diesem Falle aber meint er bestimmt Himmel und Erde, da es Dinge gibt, die Himmel und Erde heißen.

4Die Rabbanan lehrten: Hat man El von Elohim oder Jahvon Jahveh geschrieben, so darf es nicht mehr ausgemerzt werden, wenn Šadvon Šaddaj, Advon Adonaj oder Çebvon Çebaoth, so darf es ausgemerzt werden;

5R. Jose sagt, Çebaoth dürfe auch vollständig ausgemerzt werden, denn er heißt Çebaoth nur wegen der Jisraéliten, denn es heißt:ich werde meine Scharen [çibóthaj], mein Volk Israél, aus dem Lande Miçrajim herausführen. Šemuél sagte: Die Halakha ist nicht wie R. Jose.

6Die Rabbanan lehrten: Alles, was dem Gottesnamen angehängt wird, einerlei ob vom oder hinten, darf ausgemerzt werden. Zum Beispiel vorn: von lejahveh darf le ausgemerzt werden, von bejahveh darf be ausgemerzt werden, von vejahveh darf ve ausgemerzt werden, von mejahveh darf me ausgemerzt werden, von šejahveh darf še ausgemerzt werden, von hajahveh darf ha ausgemerzt werden, von kejahveh darf ke ausgemerzt werden.

7Zum Beispiel hinten: von Elohenu darf tnu ausgemerzt werden, von Elohehem darf hem ausgemerzt werden, von Elohekhem darf khem ausgemerzt werden. Andere sagen, hinten angehängte [Silben] dürfen nicht ausgemerzt werden, weil sie bereits durch den Gottesnamen geheiligt worden sind. R. Hona sagte: Die Halakha ist wie die anderen.

8Alle [Gottes]namen, die in der Tora bei Abraham vorkommen, sind heilig, ausgenommen folgender, der profanist:und er sprach: O Herr, wenn ich Gnade gefunden habe in deinen Augen.

9Ḥanina, der Brudersohn des R. Jehošua͑, und R. Elea͑zar b. A͑zarja sagen im Namen des R. Elea͑zar aus Modai͑m, auch dieser sei heilig. Wessen Ansicht vertritt nun die Lehre des R. Jehuda im Namen Rabhs, daß nämlich die Gastfreundschaft bedeutender sei als der Empfang derGöttlichkeit? Die des genannten Paares.

10Alle [Gottes]namen, die bei Loṭvorkommen, sind profan, mit Ausnahme des folgenden, der heilig ist:da sprach Loṭ zu ihnen: Ach nein, Herr, dein Knecht hat nun einmal Gnade gefunden in deinen Augen &c. Derjenige, in dessen Hand es liegt zu beleben und zu töten, das ist der Heilige, gepriesen sei er.

11Alle [Gottes]namen, die bei Nabothvorkommen, sind heilig, die bei Mikhavorkommen, sind profan. R. Elie͑zer sagt, die bei Naboth vorkommen, sind heilig, von denen, die bei Mikha vorkommen, sind manche profan und manche heilig. Aleph-Lamed ist profan, Jod-He ist heilig, ausgenommen folgende Stelle, wo Aleph-Lamed heilig ist:alle Tage, während welcher das Gotteshaus zu Šilo bestand.

12Alle [Gottes]namen, die bei Gibeath͑ Binjaminvorkommen, sind, wie R. Elie͑zer sagt, profan, und wie R. Jehošua͑ sagt, heilig.

13R. Elie͑zer sprach zu ihm: Würde erdenn etwas versprochen und nicht gehalten haben!?

14R. Jehošua͑ erwiderte ihm: Was er versprochen hatte, hielt er auch, nur prüften sie nicht, ob besiegtzu werden oder zu siegen; zuletzt aber, als sie dies prüften, stimmte es auch, denn es heißt: und Pinḥas, der Sohn Elea͑zars, des Sohn, [des Priesters,] wartete zu jener Zeit des Dienstes vor ihm; sie sprachen: Soll ich wiederum gegen meinen Bruder Binjamin zum Kampfe ausrücken oder soll ich es unterlassen &c.

15Jeder [Name] Šelomo im ‘Liede der Lieder’ ist heilig: ein Lied dem, dessen der Frieden [šalom] ist, ausgenommen folgender: mein Weinberg steht zu meiner Verfügung; die tausend dir, o Šelomo, für Šelomo selber; und zweihundert den Hütern seiner Frucht, den Gelehrten. Andere sagen, auch folgender sei profan:das ist das Lager Šelomos; sechzig &c.

16Auch dieser, und um so mehr jener; wessen Ansicht vertritt nun Šemuél, welcher sagt, daß eine Regierung, die einen von sechs dem Todepreisgibt, nicht bestraft werde, denn es heißt: die tausend dir, o Šelomo, für das himmlische Reich, und zweihundert den Hütern seiner Frucht, für das irdischeReich; Šemuél ist also weder der Ansicht des ersten Autors noch der Ansicht der anderen!? –

17Vielmehr ist wie folgt zu lesen: andere sagen, dieser sei heilig und jener, der vom Lager, profan, und Šemuél ist der Ansicht der anderen.

18Alle ‘König’ im [Buche] Daniél sind profan, ausgenommen folgender, der heilig ist:du, o König, demder König der Könige, der Gott des Himmels, königliche Herrschaft, Macht, Stärke und Ehre verliehen hat.

19Andere sagen, auch folgender sei heilig:o Herr, der Traum deinen Feinden, und seine Deutung deinen Hassern. Zu wem sollte er dies gesagt haben: wenn zu Nehukhadneçar, so waren ja die Jisraéliten seine Feinde, und er würde Jisraél geflucht haben.

20Der erste Autor aber ist der Ansicht, es gebe nur Feinde Jisraéls, nicht aber Feinde der weltlichen Völker.

21ODER BEI ALLEN ANDEREN [GÖTTLICHEN] ATTRIBUTEN, SO SIND SIE SCHULDIG &C.

22Ich will auf einen Widerspruch hinweisen:Der Herr mache dich zu [einem Beispiel der] Verwünschung und des Schwures; was lehrt dies, es heißt ja bereits:so beschwöre nun der Priester das Weib mit dem Schwure der Verwünschung? Da es heißt:und die Stimme einer Verwünschung hört, [so folgere man:] hier heißt es Verwünschung und dort heißt es Verwünschung, wie hier ein Schwur, ebenso ist auch dort ein Schwur, und wie hier beim Gottesnamen, ebenso auch dort beim Gottesnamen!?

23Abajje erwiderte: Das ist kein Widerspruch; eines nach R. Ḥanina b. Idi und eines nach den Rabbanan. Es wird nämlich gelehrt: R. Ḥanina b. Idi sagte: Die Tora sagt, daß man schwöre, und daß man nichtschwöre, daß man fluche, und daß man nichtfluche, wie nun das Schwören beim Gottesnamen erfolgt, ebenso auch das Nichtschwören beim Gottesnamen, und wie das Fluchen beim Gottesnamen erfolgt, ebenso auch das Nichtfluchen beim Gottesnamen. –

24Und die Rabbanan: halten sie von der Wortanalogie, so sollte auch der einzige Gottesnamenerforderlich sein, und halten sie von der Wortanalogie nicht, woher wissen sie, daß bei der Verwünschung ein Schwur erforderlich ist!? –

25Sie entnehmen dies aus der folgenden Lehre: Verwünschung, unter Verwünschung ist ein Schwur zu verstehen, denn es heißt: so soll nun der Priester das Weib mit dem Schwure der Verwünschung beschwören. –

26Da heißt es doch ausdrücklich: Schwur der Verwünschung!? – Er meint es wie folgt: Verwünschung, ich weiß dies nur von einem Schwure mit Verwünschung, denn so heißt es: so soll nun der Priester das Weib mit dem Schwure der Verwünschung beschwören,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.