Sevachim — Blatt 101b

1und es war recht in seinen Augen. Moše sagte nicht, er habe es nicht gehört, sondern schämte sich nicht zuzugeben, daß er es gehört und vergessen habe. –

2Sollten sie es doch verwahrt und [abends] gegessen haben!? – Es hatte sich unverschuldet eine Unreinheit ereignet. –

3Einleuchtend ist es nach den Rabbanan, daß es diesen Tag heißt, wieso aber heißt es diesen Tag nach R. Neḥemja!? – Die Opfer des Tages. –

4Einleuchtend ist es nach R. Neḥemja, daß es siehe, diesen Tagheißt, wozu aber heißt es nach den Rabbanan siehe, diesen Tag!? – Er meint es wie folgt: haben siees denn dargebracht, ich habe es ja dargebracht.

5Der Meister sagte: So sollten ja alle drei verbrannt worden sein. Welche drei? –

6Es wird gelehrt:Und nach dem Ziegenbocke des Sündopfers forschte Moše, Ziegenbock, das ist der Ziegenbock Naḥšons; Sündopfer, das ist das Sündopfer des achten Tages; forschte, das ist der Ziegenbock des Neumondes.

7Man könnte glauben, alle drei seien verbrannt worden, so heißt es:und siehe, er war verbrannt worden, eines war verbrannt worden, nicht alle drei. Forschenforschte, worauf deuten diese zwei Forschungen? Er sprach zu ihnen: Weshalb ist dieses Sündopfer verbrannt worden, während die anderen noch daliegen. Ich würde nicht gewußt haben, welches [verbrannt worden] war, wenn es aber heißt: und dieses hat er euch gegeben, um die Sünde der Gemeinde fortzuschaffen, so sage man, daß es der Ziegenbock des Neumondeswar. –

8Sie haben ihmja treffend erwidert!? – R. Neḥemja vertritt hierbei seine Ansicht, denn er sagt, die heiligen Opfer der damaligen Stunde waren durch die Trauer nicht untauglich geworden.

9Der Meister sagte: So konnte man es ja abends essen. Sie haben ihm ja treffend erwidert!? – Er ist der Ansicht, die Trauer während der Nacht sei aus der Tora. –

10«Eine andere Begründung: Pinḥas war ja bei ihnen.» Sie haben ihm ja treffend erwidert!? – Er ist der Ansicht R. Elie͑zers, denn R. Elie͑zer sagte im Namen R. Ḥaninas, Pinḥas sei in die Priesterschaft eingesetzt worden, erst nachdem er Zimri getötethatte, denn es heißt:es soll ihm und seinen Nachkommen nach ihm eine Zusicherung ewiger Priesterschaft sein.

11R. Aši sagte: Erst nachdem er Frieden zwischen den Stämmen gestiftet hatte, denn es heißt:und es hörten Pinḥas, der Priester, und die Fürsten der Gemeinde, die Häupter der Tausendschaften in Jisraél&c. –

12Es heißt ja aber: es soll ihm und seinen Nachkommen &c. sein!? – Dies war nur ein Segen. –

13Und jener, es heißt ja auch: und es hörten Pinḥas, der Priester!? – Dies zur Legitimierung seiner Nachkommen nach ihm.

14Rabh sagte: Unser Meister Moše war Hochpriester und erhielt einen Anteil vom Heiligen des Himmels, denn es heißt:vom Widder der Einweihung war sie Moše zuteil.

15Man wandte ein: [Wieso sagten sie demnach:] Pinḥas war bei ihnen, sie sollten doch sagen: unser Meister Moše war bei ihnen!? – Vielleicht verhielt es sich bei Moše anders, da er mit der Göttlichkeit beschäftigt war. Der Meister sagte nämlich: Moše kam nur bei Morgenanbruchherunter.

16Man wandte ein:Die Speise seines Gottes, vom Hochheiligen und vom Heiligen darf er essen. Wozu wird dies vom Minderheiligen gesagt, wenn es vom Hochheiligen gesagt wird, und wozu vom Hochheiligen, wenn dies vom Minderheiligen gesagt wird?

17Würde es vom Minderheiligen nicht gesagt worden sein, so könnte man glauben, er dürfe nur Hochheiliges essen, da es einem Gemeinenund ihnen erlaubt ist, Minderheiliges aber dürfe er nicht essen. Und würde es vom Hochheiligen nicht gesagt worden sein, so könnte man glauben, er dürfe nur Minderheiliges essen, weil sie weniger heilig sind, Hochheiliges aber dürfe er nicht essen. Daher wird es sowohl vom Hochheiligen als auch vom Minderheiligen gesagt.

18Hier lehrt er also: da es einem Gemeinen und ihnen erlaubt ist, worunter wohl Moše zu verstehen ist!? R. Šešeth erwiderte: Nein, bei einem Privataltar, und zwar nach demjenigen, welcher sagt, auf den Privataltären wurden Speisopferdargebracht.

19Man wandte ein: Wer hatte die Mirjamabgeschlossen: wollte man sagen, Moše hatte sie abgeschlossen, so war er ja Gemeiner,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.