Sevachim — Blatt 102a

1und ein Gemeiner darf ja nicht den Aussatz besichtigen, und wollte man sagen, Ahron hatte sie abgeschlossen, so war er ja verwandt und ein Verwandter darf ja den Aussatz nicht besichtigen? Vielmehr hat der Heilige, gepriesen sei er, Mirjam eine große Ehrung erwiesen, indem er dann [sagte:] ich will ihr Priester sein, ich schließe sie ab, ich entscheide esund ich befreie sie.

2Hier wird also gelehrt, daß Moše Gemeiner war und ein Gemeiner den Aussatz nicht besichtigen dürfe!?

3R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Anders verhält es sich bei der Besichtigung des Aussatzes, bezüglich dessen Ahron und seine Söhne im Abschnitte genannt werden.

4Man wandte ein: In fünf Beziehungen war Elišeba͑bedeutender als die übrigen Töchter Jisraéls: ihr Schwager war König, ihr Gatte Hochpriester, ihr Sohn Priestervorsteher, ihr Enkel Feldpriesterund ihr Bruder Stammesfürst, und sie trauerte über ihre beiden Söhne.

5Hier wird gelehrt, ihr Schwager war König, also nur König und nicht Hochpriester!? – Lies: auch König.

6[Hierüberstreiten] folgende Autoren:Da entbrannte der Zorn des Herrn wider Moše. R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagte: Wenn irgendwo in der Schrift von Zorn die Rede ist, so wird auch die Folge angegeben, hierbei aber wird keine Folge angegeben.

7R. Šimo͑n b. Joḥaj sagte: Auch hierbei wird die Folge angegeben, denn es heißt:ist nicht dein Bruder Ahron, der Levite, da. Er war ja Priester? Vielmehr sprach er zu ihm wie folgt: Ich dachte dich zum Priester und ihn zum Leviten zu machen, nun aber soll er Priester sein und du Levite.

8Die Weisen sagen, Moše war nur für die sieben Einweihungstage zum Priester eingesetztworden. Manche sagen, die Priesterschaft hörte erst bei der Nachkommenschaft Mošesauf, denn es heißt:und die Söhne Mošes, des Gottesmannes, wurden nach dem Stamm Levis genannt. Ferner heißt es:Moše und Ahron waren unter seinen Priestern, und Šemuél unter den Anrufern seines Namens. –

9Wozu ist das ‘ferner’nötig? – Man könnte glauben, jener stehe wegen der nachfolgenden Generationgeschrieben, so heißt es auch: Moše und Ahron unter seinen Priestern. –

10Wird denn überall, wo in der Schrift von Zorn die Rede ist, die Folge angegeben, es heißt ja:und er ging von Phareo͑ in glühendem Zorn; er sagte ihm aber nichts!?

11Reš Laqiš erwiderte: Er versetzte ihm einen Backenstreich und ging. – Kann Reš Laqiš dies denn gesagt haben, es heißt ja:und stelle dich ihm gegenüber am Ufer des Flusses, und hierzu sagte Reš Laqiš: erist ein König, sei gegen ihn höflich, und R. Joḥanan erklärte: er ist ein Frevler, sei gegen ihn grob. – Wende es um.

12R. Jannaj sagte: Stets habe Ehrfurcht vor dem König, denn es heißt: und alle diese deine Knechte werden zu mir herabkommen, von ihm selber aber sagte er es nicht.

13R. Joḥanan entnimmt dies aus folgendem:und die Hand Gottes kam über Elijahu, und er schnürte seine Lenden und lief vor Aḥáb her.

14U͑la sagte: Moše wollte das Königtum, aber es wurde ihm nicht gewährt, denn es heißt:tritt nicht hierher, und unter hierher ist das Königtum zu verstehen, wie es heißt:wer bin ich, Gott, mein Herr &c. daß du mich bis hierher gebracht hast.

15Rabbawandte ein: R. Jišma͑élsagte: ihr Schwager war König!? Raba erwiderte: Er meint es, für ihn und seine Nachkommen.

16Ist denn überall, wo es hierher heißt, das [Königtum] für immer zu verstehen, bei Šaúl heißt es ja:ist ein Mann hierhergekommen, und nur er war es, nicht aber seine Nachkommen!? –

17Wenn du willst, sage ich: Išbošethwar es ja, und wenn du willst, sage ich: anders verhielt es sich bei Šaúl, auch ihm selber blieb es nicht erhalten.

18Dies nach R. Elea͑zar, der im Namen R. Ḥaninas sagte: Teilt man einem Menschen Würde zu, so teilt man sie ihm und seinen Nachkommen zu, bis ans Ende aller Generationen, wie es heißt:er zieht seine Augen von den Frommen nicht zurück, und Könige auf dem Throne &c. Ist er aber hochmütig, so erniedrigt ihn der Heilige, gepriesen sei er, wie es heißt:gefesselt in Ketten und gefangen in Stricken des Elends.

19FEHLERBEHAFTETE, EINERLEI OB &C. LEIBESFEHLER. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten:Jeder Mann, dies schließt Fehlerbehaftete ein.

20In welcher Hinsicht, wenn hinsichtlich des Essens, so heißt es ja bereits:die Speise seines Gottes, vom Hochheiligen &c. darf er essen, doch wohl hinsichtlich der Beteiligung.

21Ein Anderes lehrt: Jeder Mann, dies schließt Fehlerbehaftete ein. In welcher Hinsicht, wenn hinsichtlich des Essens, so ist dies ja bereits gesagt worden, wenn hin sichtlich der Beteiligung, so ist dies ja bereits gesagt worden. Vielmehr, man könnte glauben, dies gelte nur von einem, der fehlerfrei war und mit einem Leibesfehler behaftet worden ist, woher dies von einem Fehlerbehafteten seit jeher? Es heißt: jeder Mann.

22Ein Anderes lehrt: Jeder Mann, dies schließt einen Fehlerbehafteten ein. In welcher Hinsicht, wenn hinsichtlich des Essens, so ist dies ja bereits gesagt worden, wenn hinsichtlich der Beteiligung, so ist dies ja bereits gesagt worden, wenn hinsichtlich eines Fehlerbehafteten seit jeher, so ist dies ja bereits gesagt worden. Vielmehr, man könnte glauben, dies gelte nur von einem mit einem dauernden Leibesfehler Behafteten, woher dies von einem mit einem vorübergehenden Leibesfehler Behafteten? Es heißt: jeder Mann. –

23Wohindenn!? R. Šešeth erwiderte: Man wende es um.

24R. Aši erklärte: Tatsächlich braucht man es nicht umzuwenden, denn diesist nötig; man könnte glauben,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.