Sevachim — Blatt 108a

1den Kopf einer Taube opfert, der nicht olivengroß ist und durch das Salzzur Olivengröße ergänzt wird?

2Raba aus Parziqa sprach zu R. Aši: Ist dies nicht identisch mit dem Falle, worüber R. Joḥanan und Reš Laqiš streiten, und die Frage besteht sowohl nach R. Joḥanan als auch nach Reš Laqiš.

3Es ist nach R. Joḥanan fraglich, denn R. Joḥanan vertritt seine Ansicht vielleicht nur bei einem Knochen, der zur Art des Fleisches gehört, nicht aber beim Salz, das nicht zur Art der Taube gehört; nach Reš Laqiš ist es ebenfalls fraglich, denn Reš Laqiš vertritt seine Ansicht vielleicht nur da, weil [ein Knochen] getrennt nicht darzubringen ist, während hierbei [das Salz] auch getrennt darzubringen ist. Oder aber gibt es dabei keinen Unterschied? –

4Dies bleibt unentschieden.

5R. JOSE DER GALILÄER SAGT &C.

6Rabbi erwiderteanstelle R. Jose des Galiläers: Wohl gilt diesvon dem Falle, wenn man innerhalb schlachtet und außerhalb opfert, weil [das Opfer] vorher tauglich war, während es in dem Falle, wenn man außerhalb schlachtet und außerhalb opfert, niemals tauglich war.

7R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n erwiderte anstelle R. Jose des Galiläers: Wohl gilt dies von dem Falle, wenn man innerhalb schlachtet und außerhalb opfert, weil das Heiligtum [das Opfer] aufgenommen hat, während in dem Falle, wenn man es außerhalb schlachtet [und außerhalb opfert], das Heiligtum es nicht aufgenommen hat. –

8Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? Zeeri erwiderte: Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen beim Schlachten zur Nachtzeit.

9Rabba erwiderte: Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen bei der [Blut]aufnahme in ein profanes Gefäß.

10HAT EIN UNREINER HEILIGES GEGESSEN, EINERLEI OB &C.

11Die Rabbanan erwiderten ja R. Jose dem Galiläer treffend!?

12Raba erwiderte: In dem Falle, wenn zuerst die Person unrein war und nachher das Fleisch unrein geworden ist, stimmen alle überein, daß er schuldig sei, denn bei Unreinheit der Person ist daraufdie Ausrottung gesetzt,

13sie streiten nur über den Fall, wenn zuerst das Fleisch unrein war und nachher die Person unrein geworden ist.

14Die Rabbanan sind der Ansicht, wir sagen ‘weil’, und R. Jose der Galiläer ist der Ansicht, wir sagen nicht ‘weil’. –

15Aber nach R. Jose sollte doch, wenn wir auch nicht ‘weil’ sagen, die strengere Unreinheit des Körpers die leichtere Unreinheit des Fleisches erfassen!?

16R. Aši erwiderte: Woher, daß die Unreinheit des Körpers strenger ist, vielleicht ist die Unreinheit des Fleisches strenger, denn für dieses gibt es keine Reinigung durch das Tauchbad.

17IN MANCHER HINSICHT IST DAS SCHLACHTEN STRENGER ALS DIE OPFERUNG UND IN MANCHER HINSICHT DIE OPFERUNG ALS DAS SCHLACHTEN.

18DAS SCHLACHTEN IST STRENGER, DENN, WER FÜR EINEN GEMEINENSCHLACHTET, IST SCHULDIG, WER ABER FÜR EINEN GEMEINEN OPFERT, ISTFREI. DIE OPFERUNG IST STRENGER, DENN, WENN ZWEI DAS MESSER HALTEN UND SCHLACHTEN, SIND SIE FREI, WENN ABER ZWEI EIN GLIED HALTEN UND ES OPFERN, SIND SIE SCHULDIG.

19WER ETWAS EINMAL GEOPFERT, WIEDERUM GEOPFERT UND WIEDERUM GEOPFERTHAT, IST WEGEN JEDER OPFERUNG SCHULDIG – SO R. JIŠMA͑ÉL; R. JOSE SAGT, ER SEI NUR EINMAL SCHULDIG.

20MAN IST NUR DANN SCHULDIG, WENN MAN ES AUF EINEM ALTAR GEOPFERT HAT; R. JIŠMA͑ÉL SAGT, AUCH WENN MAN ES AUF EINEM FELSEN ODER EINEM STEIN GEOPFERT HAT, SEI MAN SCHULDIG.

21GEMARA. Wer für einen Gemeinen opfert, ist wohl deshalb frei, weil es für den Herrn heißt, aber auch beim Schlachten heißt es ja für den Herrn!? –

22Anders ist es hierbei, denn die Schrift sagt jeder Mann. – Bei der Opferung heißt es ja ebenfalls jeder Mann!? – Hierbei deutet dies darauf, daß, wenn zwei ein Glied halten und es opfern, sie schuldig sind. –

23Demnach sollte dies doch auch bei jenem darauf deuten, daß, wenn zwei das Messer halten und schlachten, sie schuldig sind!? – Anders ist es da, die Schrift sagt jener, nur einer und nicht zwei. –

24Bei der Opferung heißt es ja ebenfalls jener!? – Dies schließt

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.