Sevachim — Blatt 115b
1Dies nach R. Hona im Namen Rabhs, denn R. Hona sagte im Namen Rabhs, wenn ein Schuldopfer zur Weide ausgeschieden wordenist und man es ohne Bezeichnung geschlachtet hat, gelte es als taugliches Brandopfer.
2WER DARBRINGT VOM FLEISCHE DES SÜNDOPFERS &C.Die Rabbanan lehrten: Woher, daß man frei ist, wenn man [außerhalb] darbringt vom Fleische des Sündopfers, vom Fleische des Schuldopfers, vom Fleische hochheiliger Opfer, vom Fleische minderheiliger Opfer, vom Zurückbleibenden der Schwingegarbe, von den zwei Broten, den Schaubroten und dem Zurückbleibenden der Speisopfer?
3Es heißt: Brandopfer, wie das Brandopfer zur Opferung geeignet ist, ebenso alles andere, was zur Opferung geeignetist.
4Woher, daß man frei ist auch wenn man außerhalb gießt, umrührt, zerbröckelt, salzt, schwingt, heranbringt, den Tisch anrichtet, die Lampen putzt, den Haufen abhebt und [das Blut] auf nimmt?
5Es heißt:der ein Brandopfer oder ein Schlachtopfer darbringt, wie die Opferung den Abschluß des Opferdienstes bildet, ebenso auch alles andere, was den Opferdienst abschließt.
6BEVOR DIE WOHNUNG ERRICHTET WORDEN WAR &C. R. Hona b. R. Qaṭṭina saß vor R. Ḥisda und las den Schriftvers:er sandte die Jünglinge Jisraéls. Da sprach dieser zu ihm: Folgendes sagte R. Asi: Siehatten bis dahin geopfert und hörten dann auf.
7Jener wollte gegen ihn einen Einwand aus unserer Mišnaerheben, da hörte er ihn im Namen des R. Ada b. Ahaba weiter vortragen: Die Brandopfer, die die Jisraéliten in der Wüste darbrachten, benötigten nicht des Enthäutens und des Zerlegens. Hierauf erhob er gegen ihn einen vollständigen Einwandaus folgender Barajtha:
8Bevor die Wohnung errichtet worden war, waren Privataltäre erlaubt und der Dienst erfolgte durch die Erstgeborenen; alles war zur Darbringung tauglich, Vieh, Wild und Geflügel, Männchen und Weibchen, Fehlerfreie und Fehler behaftete, Reine, aber keine Unreinen;
9jeder brachte Brandopfer dar, und die Brandopfer, die die Jisraéliten in der Wüste darbrachten, erforderten des Enthäutens und des Zerlegens. Nichtjuden dürfen dies in der Jetztzeittun. –
10Hierüber [streiten] Tannaím, denn es wird gelehrt:Und auch die Priester, die vor den Herrn treten, sollen sich heilig halten; R. Jehošua͑ b. Qorḥa erklärte, dies sei die Zurückziehung der Erstgeborenen; Rabbi erklärte, dies sei die Zurückziehung von Nadabh und Abihu. –
11Erklärlich ist nach demjenigen, welcher sagt, darunter sei die Zurückziehung von Nadabh und Abihu zu verstehen, der Schriftvers: das ist es, was der Herr sprach, ich will durch meine Nahen geheiligtwerden,
12wo aber ist diesangedeutet nach demjenigen, welcher sagt, darunter sei die Zurückziehung der Erstgeborenen zu verstehen? – Es heißt: ich werde mich dorthin verfügen zu den Kindern Jisraél, und es soll geheiligt werden durch meine Herrlichkeit, und man lese nicht meine Herrlichkeit, sondern meine Herrlichen.
13Der Heilige, gepriesen sei er, hatte es Moše angedeutet, er aber verstand es erst nachdem die Söhne Ahrons gestorben waren. Als die Söhne Ahrons gestorben waren, sprach er zu ihm: Mein Bruder Ahron, deine Söhne starben nur um den Namen des Heiligen, gepriesen sei er, zu heiligen. Als nun Ahron erfuhr, daß seine Söhne Lieblinge Gottes waren, schwieg er, wofür er belohnt wurde, wie es heißt:und Ahron schwieg.
14Ebenso sagte auch David:Schweige vor dem Herrn und harre auf ihn; schweige, auch wenn er dir Leichen über Leichenniederstreckt. Ebenso sagte auch Šelomo:Eine Zeit zum Schweigen, eine Zeit zum Reden; zuweilen schweige man, und man erhält eine Belohnung für das Schweigen, und zuweilen rede man, und man erhält eine Belohnung für das Reden.
15Das ist es, was R. Ḥija b. Abba im Namen R. Joḥanans sagte: Es heißt:Furchtbar bist du, o Gott, von deinem Heiligtume: man lese nicht Heiligtume, sondern Geheiligten. Wenn der Heilige, gepriesen sei er, an seinen Heiligen Recht übt, ist er furchtbar, erhaben und gepriesen. –
16Aber es besteht ja noch ein Einwand hinsichtlich des Brandopfers!? – Auch hierüber [streiten] zwei Tannaím, denn es wird gelehrt: R. Jišma͑él sagte: Das Allgemeine wurde am Sinaj angeordnet und die Einzelheitenim Offenbarungszelte.
17R. A͑qiba sagte: Das Allgemeine und die Einzelheiten wurden am Sinaj angeordnet, im Offenbarungszelte wiederholt und in A͑rboth Moabverdreifacht.
18Der Meister sagte: Alles war zur Darbringung tauglich. Woher dies? R. Hona erwiderte: Die Schrift sagt:Noaḥ errichtete einen Altar für den Herrn und nahm von allem reinen Vieh und von allem reinen Geflügel. Das Viehwird ausdrücklich genannt, und das Wild ist im Vieh einbegriffen.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.