Sevachim — Blatt 116a
1«Männchen und Weibchen, Fehlerfreie und Fehlerbehaftete.» Der Meister sagte nämlich, Fehlerfreiheit und Männlichkeitgebe es nur beim Vieh und nicht beim Geflügel,
2und das Vieh ist mit dem Geflügel zu vergleichen.
3Fehlerfreie und Fehlerbehaftete, ausgenommen eines, dem ein Glied fehlt. R. Elea͑zar sagte: Woher, daß [ein Vieh], dem ein Glied fehlt, den Noaḥiden verboten ist? Es heißt:und von allem Lebendigen und von allem Fleische, die Tora sagt, daß man nur ein Vieh darbringe, dessen Hauptglieder leben. –
4Vielleicht schließt dies das Totverletzte aus? – Dies geht hervor aus [den Worten]:Nachkommen zu erhalten. –
5Einleuchtend ist dies nach demjenigen, welcher sagt, das Totverletzte könne nicht zeugen, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, das Totverletzte könne wohl zeugen!? – Die Schrift sagt: mit dir, die dir gleichen. –
6Vielleicht war Noah selber ein Totverletzter!? – Von ihm heißt es vollständig. – Vielleicht vollständig in seinem Wandel!? – Diesbezüglich heißt es von ihm: Frommer. –
7Vielleicht vollständig in seinem Wandel und fromm in seinen Handlungen!? – Wieso würde, wenn man sagen wollte, Noaḥ sei totverletzt gewesen, [Gott] zu ihm gesagt haben, daß er nur solche aufnehme, die ihm gleichen, unverletzte aber nicht. –
8Wozu sind nun, wo dies aus [den Worten] mit dir hervorgeht, [die Worte] Nachkommen zu erhalten nötig!? – Man könnte glauben, mit dir, nur zur Gesellschaft, jedoch auch alte und kastrierte, so lehrt er uns.
9«Reine, aber keine Unreinen.» Gab es denn damalsReine und Unreine!? R. Šemuél b. Naḥmani erwiderte im Namen R. Jonathans: Mit denen keine Sünde begangen worden ist. –
10Woher wußteman es? – Nach einer Lehre R. Ḥisdas, denn R. Ḥisda sagte: Man brachte sie vor die Arche; nahm die Arche es auf, so wußte man, daß es rein sei, und nahm die Arche es nicht auf, so wußte man, daß es nicht rein sei.
11R. Abahu erklärte: Die Schrift sagt:und es kamen je ein Männchen und ein Weibchen, sie kamen von selbst.
12Der Meister sagte: Jeder brachte Brandopfer dar. Etwa nur Brandopfer und nicht auch Heilsopfer, es heißt ja:und sie schlachteten Farren als Heilsopfer für den Herrn!? – Lies vielmehr: von jedemnahm man Brandopfer an.
13Nur Brandopfer, aber keine Heilsopfer; nach demjenigen, welcher sagt, für die Noaḥiden seienkeine Heilsopfer dargebracht worden. Es wird nämlich gelehrt: R. Elea͑zar und R. Jose b. R. Ḥanina [streiten;] einer sagt, man habe siedargebracht, und einer sagt, man habe sie nicht dargebracht. –
14Was ist der Grund desjenigen, welcher sagt, man habe Heilsopfer von Noaḥiden dargebracht? – Es heißt:und auch Hebel brachte von den Erstlingen seines Kleinviehs und von ihren Fettstücken; was ist das, von dem nur die Fettstücke auf dem Altar geopfert werden und nicht das ganze? Das Heilsopfer. –
15Was ist der Grund desjenigen, welcher sagt, man habe sie nicht dargebracht? – Es heißt:erwache Nord, komm, o Süd; es werde fortgestoßendie Nation, für deren [Opfer]werke die Nordseitebestimmt ist, und es komme die Nation, für deren [Opfer]werke die Nordseite und die Südseitebestimmt sind. –
16Und dieser, es heißt ja auch: von ihren Fettstücken!? – Von den fettesten. –
17Und jener, es heißt ja auch: erwache Nord!? – Dies bezieht sich auf die Einsammlung der Exulanten. –
18Es heißt ja aber:und Moše sprach: Du selbst sollst Schlachtopferund Brandopfer in unsere Hand geben, daß wir sie dem Herrn, unserem Gott, darbringen!? – Schlachtopfer zum Essen, Brandopfer zur Opferung. –
19Es heißt ja aber:und Jithro, der Schwiegervater Mošes, nahm Brandopfer und Schlachtopfer!? – Dies war nach der Gesetzgebung. –
20Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, dies geschah nach der Gesetzgebung, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, dies geschah vor der Gesetzgebung!? Es wird nämlich gelehrt: Die Söhne R. Ḥijas und R. Jehošua͑ b. Levi [streiten;] nach der einen Ansicht geschah [das Ereignis mit] Jithro vor der Gesetzgebung, und nach der anderen Ansicht geschah es nach der Gesetzgebung. – Derjenige, welcher sagt, es geschah vor der Gesetzgebung, ist der Ansicht, die Noaḥiden haben Heilsopfer dar gebracht.
21Hierüber [streiten auch] folgende Tannaím.Und Jithro, der Priester von Midjan, hörte; welches Gerücht hörte er, daß er kam und sich bekehrte? R. Jehošua͑ sagt, er hörte vom Kriege mit A͑maleq, denn daneben heißt es:und Jehošua͑ streckte A͑maleq und sein Volk nieder mit der Schärfe des Schwertes.
22R. Elea͑zar aus Modai͑m sagt, er hörte von der Gesetzgebung. Als nämlich die Tora den Jisraéliten verliehen wurde, hörte man ein Geräusch von einem Weltende bis zum anderen; alle weltlichen Völker ergriff in ihren Palästen ein Beben und sie stimmten einen Lobgesang an, denn es heißt:und in seinem Palaste spricht jeder von der Herrlichkeit.
23Sie versammelten sich alle beim ruchlosen Bileam und sprachen zu ihm: Was ist das für ein Getöse, das wir vernommen haben, kommt vielleicht eine Sintflut über die Welt? Dennes heißt:der Herr thronte über der Sintflut. Er erwiderte ihnen: Und der Herr thront als König in Ewigkeit; der Heilige, gepriesen sei er, hat bereits geschworen, ewig keine Sintflut mehr zu bringen.
24Jene sprachen: Vielleicht bringt er keine Sintflut aus Wasser mehr, wohl aber eine Sintflut aus Feuer? Denn es heißt:siehe, der Herr rechtet mit Feuer. Er erwiderte ihnen: Er hat bereits geschworen, kein Geschöpf mehr zu verderben. –
25Was war dies nun für ein Getöse, das wir vernommen haben? Er erwiderte ihnen: Der Heilige, gepriesen sei er, hat ein kostbares Geschmeide in seiner Schatzkammer, das seit neunhundertvierundsiebzig Generationenvor der Weltschöpfung bei ihm verwahrt ist, und nun will er es seinen Kindern geben. Denn es heißt:der Herr gibt seinem Volke Macht. Hierauf begannen sie alle und sprachen:Der Herr segne sein Volk mit Frieden.
26R. Elie͑zer sagt, er hörte von der Spaltung des Schilfmeeres und er kam, denn es heißt:und als alle Könige von Emori hörten. Ebenso sagte auch die Hure Raḥabh zu den Abgesandten Jehošua͑s:denn wir hörten, daß der Herr das Wasser des Schilfmeeres austrocknen ließ. –
27Weshalb heißt es bei jenen:und sie hatten keinen Mut mehr, und dagegen heißt es bei diesen:und keinem Manne blieb der Mut stehen? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.