Sevachim — Blatt 18b
1oder [die Kleider] schmutzig oder zerrissen sind, und er Dienst getan hat, so ist er ungültig.
2R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls : Nachschleifend sind tauglich, zu kurz sind untauglich. – Es wird ja aber gelehrt, zu kurz seien sie tauglich!? Rami b. Ḥama erwiderte: Das ist kein Einwand; eines, wenn er sie mit dem Gürtel hochgeschürzt hat, und eines, wenn sie an sich zu kurzsind.
3Rabh sagt, sie seien ob so oder sountauglich.
4Einst kam R. Hona nach Argiza; da richtete sein Hauswirt an ihn folgenden Einwand: Kann Šemuél denn gesagt haben, nachschleifende seien tauglich und kurze seien untauglich, es wird ja gelehrt, kurze seien tauglich!? Dieser erwiderte: Abgesehen von der Erklärung des Rami b. Ḥama;
5gegen Rabh aber ist dies ein Einwand. Wollte man erklären, unter nachschleifend sei zu verstehen, wenn sie mit dem Gürtel hochgeschürzt sind, und der Gürtel schneidesie ab, so bleibt ja immerhin ein Einwand bestehen hinsichtlich des Falles, wenn sie zu kurz sind.
6R. Zera erwiderte : Rabh lehrte es als einen Fall : wenn sie nachschleifen und man sie mit dem Gürtel kürzt, so sind sie tauglich.
7R. Jirmeja aus Diphte sagte: Über den Fall, wenn sie nachschleifen und man sie nicht hochschürzt, [streiten] Tannaím, denn es wird gelehrt :An den vier Zipfeln deines Gewandes, vier und nicht drei. Vielleicht ist dem nicht so, sondern: vier und nicht fünf? Wenn es heißt: mit dem du dich umhüllst, so wird ja auch von einem fünfzipfligen gesprochen, somit ist [das Wort] vier zu erklären: vier und nicht drei. Was veranlaßt dich, das fünfzipflige ein zuschließen und das dreizipflige auszuschließen? Ich schließe das fünf zipflige ein, weil in fünf vier enthalten sind, und ich schließe das dreizipflige aus, weil in drei nicht vier enthalten sind.
8Dem widersprechend lehrt ein Anderes: An den vier Zipfeln deines Gewandes, vier und nicht drei, vier und nicht fünf. Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: einer ist der Ansicht, das Überflüssige gelte als vorhanden, und einer ist der Ansicht, es gelte als nicht vorhanden. –
9Nein, alle sind der Ansicht, es gelte als vorhanden, nur verhält es sich hierbei anders, denn der Allbarmherzige hat es durch [die Worte] mit dem du dich umhüllst einbegriffen. –
10Wofür verwendet der andere [die Worte] mit dem du dich umhüllst? – Diese verwendet er für folgende Lehre :Ihr sollt es sehen, ausgenommen ist das Nachtgewand. Vielleicht ist dem nicht so, sondern: ausgenommen ist das Gewand eines Blinden? Wenn es heißt: mit dem du dich umhüllst, so wird ja auch vom Gewand eines Blinden gesprochen, somit schließen [die Worte] ihr sollt es sehen das Nachtgewand aus.
11Was veranlaßt dich, das Gewand eines Blinden einzuschließen und das Nachtgewand auszuschließen? Ich schließe das Gewand eines Blinden ein, weil es von anderen gesehen wird, und ich schließe das Nachtgewand aus, weil es auch von anderen nicht gesehen wird.
12Die Rabbanan lehrten: Leinen, siemüssen aus Byssussein ; Leinen, sie müssen neu sein; Leinen, sie müssen gezwirnt sein; Leinen, sie müssen aus sechsfachem Faden sein ; Leinen, er darf mit diesem kein profanes [Gewand] anhaben.
13Abajje sprach zu R. Joseph: Erklärlich ist die Auslegung, sie müssen aus Byssus sein, er lehrt uns damit, daß nur Byssus tauglich sei, anderes aber nicht; wieso aber: Leinen, sie müssen neu sein, wonach nur neue tauglich sind, zerschlissene aber nicht, dem widersprechend wird ja gelehrt, zerschlissene seien tauglich!?
14Dieser erwiderte: Auch nach deiner Auffassung [ist ja einzuwenden: wieso]: Leinen, sie müssen aus sechsfachem Faden sein, ‘bad’ [Leinen] heißt ja einzeln!? Vielmehr meint er es wie folgt: die Kleider, bei denen es Leinen heißt, müssen aus Byssus, neu, gezwirnt und aus sechsfachem Faden sein; manches davon ist nur Gebotund manches ist unerläßlich. –
15Woher ist es erwiesen, daß unter ‘bad’ Flachs zu verstehen sei? R. Jose b. R. Ḥanina erwiderte : Etwas, das in einzelnen [Fasern] aus dem Boden hervorkommt. –
16Vielleicht Wolle!? – Wollfasern spalten sich. – Auch Flachsfasern spalten sich ja!? – Flachsfasern spalten sich nur durch das Klopfen.
17Rabina entnimmt dies aus folgendem :Leinene Kopfbunde sollen auf ihrem Haupte sein.
18R. Aši sprach zu Rabina: Woher wußte man es bevor Jeḥezqel kam? – Wie willst du nach deiner Auffassung das erklären, was R. Ḥisda gesagt hat, daß wir diesnämlich nicht aus der Tora Mošes lernen, sondern aus den Worten des Jeḥezqel, des Sohnes Buzis :kein Fremdling, der unbeschnittenen Herzens und unbeschnittenen Fleisches ist, soll in mein Heiligtum kommen, um mich zu bedienen; woher wußte man dies bevor Jeḥezqel kam!? Vielmehr war es eine überlieferte Lehre, und Jeḥezqel kam und brachte sie zu Schrift, ebenso war auch jenes eine überlieferte Lehre &c. –
19Was heißt :sie sollen sich nicht mit Schweiß gürten? Abajje erwiderte: Sie sollen sich nicht da umgürten, wo man zu schwitzenpflegt. So wird auch gelehrt: Wenn sie sich umgürten, so umgürten sie sich nicht unter den Lenden, auch nicht über den Ellenbogen,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.