Sevachim — Blatt 24a

1und wenn zwei Schriftverse dasselbe lehren, so ist von diesen nichts zu folgern.

2Und nach demjenigen, welcher sagt, es sei wohl zu folgern, lehrt dies der Schriftvers vom Trunkenen drittmals, und wenn es drei sind, so ist von diesen entschieden nichts zu folgern.

3EIN AUF EINEM GERÄTE, EINEM TIERE ODER DEN FÜSSEN SEINES NÄCHSTEN STEHENDER IST UNTAUGLICH. Woher dies? – In der Schule R. Jišma͑léls wurde gelehrt: Der Estricherwirkt Heiligung und die Dienstgeräte erwirken Heiligung, wie ihn nichts vom Dienstgefäße trennendarf, ebenso darf ihn nichts vom Estrich trennen.

4Und siesind nötig. Würde er es nur vom auf einem Geräte [Stehenden] gelehrt haben, so könnte man glauben, weil es nicht aus Fleisch besteht, nicht aber gilt dies von einem Tiere, das aus Fleisch besteht. Und würde er es nur vom auf einem Tiere [Stehenden] gelehrt haben, so könnte man glauben, weil es nicht zur Art des Menschen gehört, nicht aber gilt dies von seinem Nächsten, der zur Art des Menschen gehört. Daher sind alle nötig.

5Es wird gelehrt : R. Elie͑zer sagte : Wenn er mit einem Fuße auf einem Geräte und mit einem Fuße auf dem Estrich, mit einem Fuße auf einem Steine und mit einem Fuße auf dem Estrich steht, so erwäge man: kann er, falls das Gerät oder der Stein fortgenommen wird, auf einem Fuße stehen bleiben und Dienst tun, so ist sein Dienst gültig, wenn aber nicht, so ist er ungültig.

6R. Ami fragte : Wie ist es, wenn ein Steinsich losgelöst hat und er auf diesem steht? Wenn er ihn zu befestigen nicht beabsichtigt, ist es nicht fraglich, in diesem Fallegilt er entschieden als Trennung, fraglich ist es nur, wenn er ihn zu befestigen beabsichtigt: gilt er, da er ihn zu befestigen beabsichtigt, als befestigt, oder aber, vorläufig ist er ja losgelöst?

7Rabba der Kleine trug dies in folgender Fassung vor: R. Ami fragte: Wie ist es, wenn ein Stein sich losgelösthat und er an dieser Stelle steht? –

8Was ist ihm fraglich? – Hat Davidnur den oberen Estrich geheiligt, oder aber hat er ihn bis zum Abgrunde hinunter geheiligt. – Sollte er es doch hinsichtlich des ganzen Tempelhofesgefragt haben!? –

9Tatsächlich ist es ihm entschieden, daß er bis zum Abgrunde geweiht worden ist, nur fragte er folgendes: gilt es auf diese Weise als Dienst oder nicht? – Dies bleibt unentschieden.

10HAT ER ES MIT DER LINKEN [HAND] AUFGENOMMEN, SO IST ES UNTAUGLICH, NACH R. ŠIMO͑N ABER TAUGLICH. Die Rabbanan lehrten:Mit dem Finger, und er soll nehmen, dies lehrt, daß die [Blut]aufnahme mit der rechten [Hand]erfolgen muß;mit dem Finger, und er soll auftragen, dies lehrt, daß das Auftragenmit der rechten [Hand] erfolgen muß.

11R. Šimo͑n sprach: Bei der [Blut]aufnahme heißt es ja nicht ‘Hand’, es heißt nur: mit dem Finger, und er soll auftragen; nur das Auftragen hat mit der rechten [Hand] zu erfolgen. Da es nun bei der [Blut]aufnahme nicht ‘Hand’ heißt, so ist es gültig, auch wenn man [das Blut] mit der linken aufgenommen hat. –

12Welcher Ansicht ist R. Šimo͑n : hält er von der Wortanalogie, so ist ja nichts dabei, daß es bei der [Blut]aufnahme nicht ‘Hand’ heißt, und hält er nichts von der Wortanalogie, so wäre es ja belanglos, auch wenn es bei der [Blut]aufnahme ‘Hand’ hieße!?

13R. Jehuda erwiderte: Tatsächlich hält er nichts von der Wortanalogie, nur meint er es wie folgt: bei der [Blut]aufnahme wird ja nicht die rechte Hand genannt, und da dabei nicht die rechte Hand genannt wird, so ist es gültig, auch wenn man [das Blut] mit der linken aufgenommen hat.

14Raba sprach zu ihm: Demnach sollte dies auch vom Auftragengelten!? Ferner: hält denn R. Šimo͑n nichts von der Wortanalogie, es wird ja gelehrt : R. Šimo͑n sagt, wo Hand genannt wird, sei es die rechte, und wo Finger, sei es der der Rechten!?

15Vielmehr, erklärte Raba, hält er wohl von der Wortanalogie, nur meint er es wie folgt: bei der [Blut]aufnahme heißt es ja nicht ‘Hand’, und da es dabei nicht ‘Hand’, sondern ‘Finger’ heißt, und die Aufnahme mit dem Finger nicht möglich ist, so ist es, wenn er [das Blut] mit der linken [Hand] aufgenommen hat, tauglich.

16R. Sama, Sohn des R. Aši, sprach zu Rabina: Man kann ja an den Rand des Sprengbeckens einen Henkel anbringenund aufnehmen!?

17Vielmehr, erklärte Abajje,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.