Sevachim — Blatt 30b

1Abajje sprach zu ihm: Rabba b. Bar Ḥana sagte ja aber im Namen R. Joḥanans, wenn man R. Meír und R. Jose näher bringt, streiten sie nicht!? –

2Streiten sie etwa nicht, sie streiten ja!? Dieser erwiderte: Sie streiten über das, worüber sie den Streit führen, und sie streiten nicht über das, worüber sie keinenStreit führen.

3R. Jiçḥaq b. Joseph sagte nämlich im Namen R. Joḥanans: Alle stimmen überein, daß, wenn er gesagt hat: es sei auf das eine, und nachher: es sei auf das andere eingetauscht, es nicht eingetauscht sei, und wenn: der eine Tausch sei nur dann gültig, wenn der andere gültig ist, es eingetauschtsei,

4sie streiten nur über den Fall, wenn er gesagt hat: eingetauscht auf das Brandopfer, eingetauscht auf das Heilsopfer. R. Meír ist der Ansicht, da er sagen sollte : eingetauscht auf das Brandopfer und das Heilsopfer, aber gesagt hat: eingetauscht auf das Brandopfer, eingetauscht auf das Heilsopfer, so ist zu ersehen, daß er zurücktreten wollte;

5R. Jose aber ist der Ansicht, hätte er gesagt: eingetauscht auf das Brandopfer und das Heilsopfer, so wäre dies zu verstehen, die Hälfte auf das Brandopfer und die Hälfte auf das Heilsopfer, daher sagte er: eingetauscht auf das Brandopfer, eingetauscht auf das Heilsopfer, das heißt: das ganze auf das Brandopfer, das ganze auf das Heilsopfer.

6Jener entgegnete: Er sagt, sie streiten darübernicht, ich aber sage, sie streiten wohl.

7U͑la, nach anderen R. Oša͑ja, sprach: Wissen vielleicht die Genossen in Babylonien, ob es in unserer Mišna ‘Olive, Olive’ oder ‘Olive und Olive’heißt?

8Heißt es ‘Olive, Olive’, wenn aber ‘Olive und Olive’, sind alle der Ansicht, daß dies eine Vereinigung der Bestimmungen sei, oder aber heißt es ‘Olive und Olive’, sogar dies gilt nach R. Jehuda als geteilt, und um so mehr, wenn ‘Olive, Olive’. –

9Komm und höre: Levi fragte Rabbi, wie es dennsei, wenn man beabsichtigt hat, am folgenden Tage eine Olive außerhalb zu essen, und dieser erwiderte ihm: das ist eine bedeutende Frage; dies ist eine Vermischung der Bestimmungen.

10Hierauf sprach R.Šimo͑n b. Rabbi vor ihm: Dies ist ja unsere Mišna: [beabsichtigt man] eine Olive außerhalb und eine Olive am folgenden Tage, oder eine Olive am folgenden Tage und eine Olive außerhalb, oder eine halbe Olive außerhalb und eine halbe Olive am folgenden Tage, oder eine halbe Olive am folgenden Tage und eine halbe Olive außerhalb zu essen, so ist es untauglich und man verfällt nicht der Ausrottung. Anders aberist es eine Vermischung der Beabsichtigungen!?

11Jener erwiderte: Er richtete an mich eine wissenschaftliche Frage, und du erwiderst, dies sei unsere Mišna; dich lehrte ich beides, daher ist dir dies nicht fraglich,

12ihn aber lehrte ich nur eines, und da er die Jünger beides lernen hörte, so war es ihm fraglich, ob das, was ich ihn lehrte, genau zu nehmen sei, während es im von ihnen gelernten Falle eine Vermischung der Beabsichtigungen sei, oder das von ihnen gelernte genau zu nehmen sei, während ich das eine nur fortgelassen habe, und wenn ich ihm dies fortgelassen habe, so kann ich ihnen jenes fortgelassen haben.

13Welche Lesart lehrte er ihn nun, wollte man sagen, ‘Olive und Olive’, so ist ja jeneskeine Fortlassung; wahrscheinlich lehrte er ihn ‘Olive, Olive’. –

14Sollte er ihn doch über ‘Olive und Olive’ gefragt haben!? –

15Er dachte: ich werde ihn über eines fragen, und [aus seiner Antwort] beides entnehmen. Frage ich nur über ‘Olive und Olive’, so gilt dies allerdings, wenn er mir entscheidet, es gehöre zusammen, um so mehr [von der Wendung], ‘eine Olive am folgenden Tage außerhalb des Raumes’ ; wenn er mir aber entscheidet, dies sei zu trennen, so bleibt es fraglich, wie es denn sei, wenn man ‘eine Olive am folgenden Tage außerhalb des Raumes’ [gesagt hat]. –

16Aber auch jetztgilt dies ja allerdings, wenn er entscheidet, [die Wendung] ‘eine Olive am folgenden Tage außerhalb des Raumes’ gelte als getrennt, um so mehr von ‘Olive und Olive’, wenn er aber entscheidet, es gehöre zusammen, so bleibt es ja noch hinsichtlich ‘Olive und Olive’ fraglich!? –

17Dannkönnte erärgerlich werden:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.