Sevachim — Blatt 34a

1ebenso handelt es sich auch beim Heiligen um ein Vergehen, durch das man das Leben verwirkt, und das Leben verwirkt man nicht durch das Berühren, sondern nur durch das Essen. –

2Aber immerhin ist es ja wegen des Falles nötig, wenn ein Unreiner heiliges Fleisch vor dem Sprengengegessen hat, denn es wurde gelehrt: Hat ein Unreiner heiliges Fleisch vor dem Sprengen gegessen, so ist er, wie Reš Laqiš sagt, zu geißeln, und wie R. Joḥanan sagt, nicht zu geißeln.

3Reš Laqiš sagt, er sei zu geißeln, [denn es heißt:] nichts Heiliges darf sie berühren, einerlei ob vor dem Sprengen oder nach dem Sprengen; R. Joḥanan sagt, er sei nicht zu geißeln, nach der Lehre des Bardela, daß diesaus [dem Worte] Unreinheit zu entnehmen sei, und dies gilt nur nach dem Sprengen. –

4Die Schrift sollte ja Heiliges sagen, wenn es aber nichts Heiliges heißt, so ist beides zu verstehen.

5Der Text. Hat ein Unreiner heiliges Fleisch vor dem Sprengen gegessen, so ist er, wie Reš Laqiš sagt, zu geißeln, und wie R. Joḥanan sagt, nicht zu geißeln. Abajje sagte: Der Streit besteht nur über die Unreinheit des Körpers, bei Unreinheit des Fleisches aber stimmen alle überein, daß er zu geißeln sei,

6denn die Schrift sagt:und das Fleisch, und dies schließt das Holz und den Weihrauch ein; die Schrift schließt sie ein, obgleich sie überhaupt nicht eßbar sind.

7Raba aber sagte: Der Streit besteht nur über die Unreinheit des Körpers, bei Unreinheit des Fleisches aber stimmen alle überein, daß er nicht zu geißeln sei, denn da es hiervon nicht heißt: und die Unreinheit ihm anhaftet, so soll ausgerottet werden, so heißt es hiervon auch nicht: und das Fleisch, das mit etwas Unreinem in Berührung kommt, soll nicht gegessen werden. –

8Der Meister sagte ja aber: und das Fleisch, dies schließe das Holz und den Weihrauch ein!? –

9Dies gilt von dem Falle, wenn sie durch ein Gefäß geheiligt worden sind, und es ist ebenso, als wäre das Erlaubtmachendedargebracht worden.

10Es wird nämlich gelehrt: Alles, was Erlaubtmachendes hat, sobald das Erlaubtmachende dargebracht wordenist, und was nicht Erlaubtmachendes hat, sobald es durch das Gefäß geheiligt worden ist.

11Es wurde gelehrt: Wenn jemand Glieder von einem unreinen Viehauf den Altar bringt, so ist er, wie Reš Laqiš sagt, zu geißeln, und wie R. Joḥanan sagt, nicht zu geißeln. Reš Laqiš sagt, er sei zu geißeln, denn nur ein reines [ist darzubringen], nicht aber ein unreines, und wegen eines Verbotes, das aus einem Gebotekommt, ist zu geißeln; R. Joḥanan sagt, er sei nicht zu geißeln, denn wegen eines Verbotes, das aus einem Gebote kommt, ist nicht zu geißeln.

12R. Jirmeja wandte ein :Dieses sollt ihr essen, nicht aber ein unreines Tier, und ein Verbot, das aus einem Gebote kommt, gilt als Gebot!?

13R. Ja͑qob sprach zu R. Jirmeja b. Taḥlipha : Ich will es dir erklären: über Glieder von einem unreinen Vieh streitet niemand, sie streiten nur über solche von einem Wild, und die Lehre lautet wie folgt: R. Joḥanan sagt, er übertrete ein Gebot; Reš Laqiš sagt, er übertrete keines,

14R. Joḥanan sagt, er übertrete ein Gebot, denn nur ein Vieh [ist darzubringen], nicht aber ein Wild; Reš Laqiš sagt, er übertrete keines, denn diesist nur Gebot.

15Raba wandte ein: Würde es nur geheißen haben :ein Opfer für den Herrn, Vieh, so könnte man glauben, unter Vieh sei auch ein Wild einbegriffen, wie es auch heißt :Dies ist das Vieh, das ihr essen dürft: Rind, Schaf, Ziege, Hirsch, Reh &c., daher heißt es Rinder und Schafe : ich habe es dir nur von Rind und Schaf gesagt, nicht aber vom Wild.

16Man könnte glauben, man bringe solches von vornherein nicht dar, hat man es aber dargebracht, sei es tauglich, denn dies sei ebenso, als wenn ein Lehrer zu seinem Schüler sagen würde, daß er ihm Weizen hole, und er ihm Weizen und Gerste holt, was nicht eine Übertretung seiner Worte ist, sondern eine Hinzufügung zu seinen Worten,

17so heißt es Rinder und Schafe: ich habe es dir nur von Rind und Schaf gesagt, nicht aber vom Wild. Dies ist ebenso, als wenn ein Lehrer zu seinem Schüler sagen würde, daß er ihm nur Weizen hole, und dieser ihm Weizen und Gerste holt, was nicht eine Hinzufügung zu seinen Worten ist, sondern eine Übertretung seiner Worte; es ist auch untauglich.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.