Sevachim — Blatt 37a

1Woher, daß bei allen Blutsprengungen das Blutgegen das Fundament gegossen werden muß? Es heißt: das Blut deiner Schlachtopfer ist auszugießen. – Dies geht aus einer Lehre Rabbis hervor, denn es wird gelehrt:Und was vom Blute übrig bleibt, werde ausgedrückt, und da [die Worte] vom Blute überflüssig sind, so lehrt dies, daß bei allen Blutsprengungen das Blut gegen das Fundament zu gießen ist. –

2Wieso kann es hierfür verwandt werden, es ist ja für folgende Lehre nötig!? Woher, daß man, wenn man das schleudernd aufzutragende [Blut]gießend aufgetragen hat, der Pflicht genügt hat? Es heißt: das Blut deiner Schlachtopfer ist auszugießen. –

3Er ist der Ansicht R. A͑qibas, welcher sagt, weder sei das Sprengen im Gießen noch das Gießen im Sprengen einbegriffen.

4Wir haben nämlich gelernt: Hat man den Segen über das Pesaḥopfer gesprochen, so hat man das Schlachtopferenthoben,

5hat man den Segen über das Schlachtopfer gesprochen, so hat man das Pesaḥopfer nicht enthoben – so R. Jišma͑él.

6R. A͑qiba sagt, weder enthebe dieses jenes, noch enthebe jenes dieses. –

7Wieso ist es hierfür zu verwenden, es ist ja für folgende Lehre nötig!? R. Jišma͑él sagte: Aus dem Schriftverse :das Erstgeborene eines Rindes, das Erstgeborene eines Schafes und das Erstgeborene einer Ziege &c. lernen wir, daß beim Erstgeborenen Blutsprengen und [Aufräuchern] der Opferteile auf dem Altar erforderlich sind; woher dies vom Zehnten und dem Pesaḥopfer? Es heißt: das Blut deiner Schlachtopfer ist auszugießen. –

8Er ist der Ansicht R. Jose des Galiläers,

9denn es wird gelehrt : R. Jose der Galiläer sagte : Es heißtnicht sein Blut, sondern ihr Blut, es heißt nicht sein Fett, sondern ihr Fett, dies lehrt, daß beim Erstgeborenen, beim Zehnten und beim Pesaḥopfer Blutsprengen und [Aufräuchern] der Opferteile auf dem Altar erforderlich sind. –

10R. Jišma͑él verwendet also denselben Schriftvers für die eine Lehreund für die andere Lehre!? – Zwei Tannaím streiten über die Ansicht R. Jišma͑éls. – Einleuchtend ist es nach R. Jišma͑él,

11der den ganzen Schriftversauf das Erstgeborenebezieht, daß es heißt :und ihr Fleisch gehöre dir,

12wozu aber heißt es nach R. Jose, der ihn auf den Zehnten und das Pesaḥopfer bezieht: und ihr Fleisch gehöre dir, der Zehnt und das Pesaḥopfer werden ja vom Eigentümergegessen !? – Sowohl von Fehlerfreien als auch von Fehlerbehafteten;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.