Sevachim — Blatt 52b

1bleibt nichts zurück, so ist nichts auszupressen!? – Zwei Tannaím streiten über die Ansicht R. Jišma͑éls.

2Rami b. Ḥama sagte : Folgender Autor ist der Ansicht, das Fortgießen sei unerläßlich, denn es wird gelehrt :Der Priester, der es als Sündopfer darbringt, dessenBlut obengesprengt wird, nicht aber, dessen Blut unten gesprengt wird.

3Ich will dir sagen, wieso kommst du darauf!? Es heißt:das Blut deiner Schlachtopfer soll ausgegossen werden auf den Altar &c.; wir lernen also, daß, wenn man das in vier Sprengungen aufzutragende [Blut] in einer Sprengung auf getragen hat, man Sühne erlangthabe. Man könnte nun glauben, man habe Sühne erlangt, auch wenn man das oberhalb zu sprengende unterhalb gesprengt hat, und zwar wäre dies aus einem Schluß zu folgern.

4Obenwird vom Blute gesprochen und untenwird vom Blute gesprochen, wie man keine Sühne erlangt hat, wenn man das unterhalb genannte Blut oberhalb gesprengt hat, ebenso hat man keine Sühne erlangt, wenn man das oberhalb genannte Blut unterhalb gesprengt hat.

5Aber nein, wenn man keine Sühne erlangt, falls man das unterhalb zu sprengende oberhalb gesprengt hat, wo davon später nichts nach oben gelangt, sollte dies auch von dem Falle gelten, wenn man das oberhalb zu sprengende unterhalb gesprengt hat, wo es später untengelangt!?

6Vom innerhalb zu sprengenden Blut ist [das Entgegengesetzte] zu beweisen: es gelangt später auf den äußeren [Altar], dennoch hat man keine Sühne erlangt, wenn man es anfangs auf den äußeren aufgetragen hat.

7Aber nein, wenn dies vom auf den inneren zu sprengenden Blute gilt, bei dem die Vollendung nicht durch den inneren Altarerfolgt, sollte dies auch vom oberhalb zu sprengendengelten, bei dem die Vollendung durch die Hörnererfolgt!? [Man könnte somit glauben,] es sei tauglich, wenn man [das Blut] unterhalb gesprengt hat,

8so heißt es es, dessen Blut oberhalb gesprengt worden ist, und nicht dessen Blut unterhalb gesprengt worden ist.

9Was heißt: die Vollendung nicht durch den inneren Altar erfolgt? Doch wohl wegen des zurückbleibendenBlutes.

10Raba sprach zu ihm : Demnach sollte esdoch [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere gefolgert werden :

11wenn man beim auf den inneren [Altar zu sprengenden Blute], bei dem das zurückbleibende nachher auf den äußeren [zu gießen] Pflicht ist, keine Sühne erlangt, wenn man es anfangs auf den äußeren aufgetragen hat, um wieviel weniger hat man Sühne erlangt, wenn man das oberhalb zu sprengende, das später unten zu sprengen keine Pflicht ist, anfangs unterhalb auf getragen hat!?

12Vielmehr, die Vollendung erfolgt nicht durch den inneren Altar allein, sondern auch durch den Vorhang.

13Die Rabbanan lehrten:Wenn er vollendet hat die Sühne; er hat gesühnt, so hat er vollendet, hat er nicht gesühnt, so hat er nicht vollendet – so R. A͑qiba. R. Jehuda sprach zu ihm: Weshalb sollten wir nicht auslegen: hat er vollendet, so hat er gesühnt, und hat er nicht vollendet, so hat er nicht gesühnt; wenn er nämlich eine von den Sprengungen unterlassen hat, so hat er nichts getan. –

14Welche Meinungsverschiedenheit gibt es zwischen ihnen? R. Joḥanan und R. Jehošua͑ b. Levi [streiten hierüber]; einer sagt, eine Meinungsverschiedenheit bestehe zwischen ihnen nur über die Artder Auslegung, und einer sagt, eine Meinungsverschiedenheit bestehe zwischen ihnen, ob das Ausgießen unerläßlich ist.

15Es ist zu beweisen, daß R. Jehošua͑ b. Levi es ist, welcher sagt, ob das Ausgießen unerläßlich ist, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Nach demjenigen, welcher sagt, das Ausgießen sei unerläßlich, bringe maneinen Farren und beginne [die Sprengungen] auf den inneren von vorne. –

16Hält denn R. Joḥanan nicht von dieser Ansicht, R. Joḥanan sagte ja, R. Neḥemja lehre nach der Ansicht desjenigen, welcher sagt, das Ausgießen sei unerläßlich!?

17Du mußt also erklären: nach der Ansicht desjenigen, ohne jene Autorenzu meinen, ebenso spricht auch jener nach der Ansicht desjenigen, ohne jene Autoren zu meinen.

18DIE GEMEINDE- UND DIE PRIVATEN SÜNDOPFER. FOLGENDE SIND GEMEINDE-SÜNDOPFER: DIE ZIEGENBÖCKE DER NEUMONDE UND DER FESTE; IHRE SCHLACHTUNG ERFOLGT AUF DER NORDSEITE, DIE BLUTAUFNAHME IN EINEM DIENSTGEFÄSSE AUF DER NORDSEITE, IHR BLUT BENÖTIGT VIER SPRENGUNGEN AUF DIE VIER HÖRNER. UND ZWAR:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.