Sevachim — Blatt 53a

1ER STIEG AUF DIE ALTARRAMPE UND GELANGTE AUF DEN SIMS; DANN GING ER ZUM SÜDÖSTLICHEN, NORDÖSTLICHEN, NORDWESTLICHEN UND SÜDWESTLICHEN HORN; DAS ZURÜCKBLEIBENDE BLUT GOSS ER AUF DAS SÜDLICHE FUNDAMENT. ZU ESSEN SIND SIE INNERHALB DER VORHANGE, VON MÄNNERN AUS DER PRIESTERSCHAFT, IN JEDER ZUBEREITUNG, EINEN TAG UND EINENACHT, BIS MITTERNACHT.

2GEMARA. Wie verfuhr er dabei? – R. Joḥanan und R. Elea͑zar [streiten hierüber]; einer sagt, er trug [das Blut] aufinnerhalb einer Elle an der einen Seite oder einer Elle an der anderen Seite, und einer sagt, er strich es nach unten über die Kante des Horns.

3Nach R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n, welcher sagt, es müsse auf das Hornselbst gesprengt werden, streiten sie nicht, sie streiten nur nach Rabbi; einer ist der Ansicht, eine Elle an der einen Seite oder eine Elle an der anderen Seite heiße gegen das Horn, und einer ist der Ansicht, nur gegen die Kante, weiter aber nicht.

4Man wandte ein: Wie erfolgt das Blutsprengen beim Gemeinde- und beim privaten Sündopfer? Er stieg auf die Altarrampe und gelangte auf den Sims; und als er an das südöstliche Horn herankam, tauchte er den (rechten)Zeigefinger der rechten Hand in das Blut des Beckens, stützteihn oben mit dem Daumen und unten mit dem kleinen Finger und strich ihn über die Kante des Horns, bis das Blut am Finger zuende war; ebenso bei allen übrigen Hörnern. –

5Er meint es wie folgt: Vorschrift ist es, daß es auf die Kante erfolge, ist es aber innerhalb einer Elle auf der einen Seite oder einer Elle auf der anderen Seite erfolgt, so ist nichts dabei.

6Was ist das [für ein Streit zwischen] Rabbi und R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n? – Es wird gelehrt: Das oberhalb [zu sprengende] Blut wird oberhalb des roten Striches und das unterhalb zu sprengende wird unterhalb des roten Striches gesprengt –

7so Rabbi. R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n sagt, dies gelte nur vom Geflügel-Brandopfer, beim Vieh-Sündopfer aber muß es direkt auf die Hörner erfolgen.

8R. Abahu sagte: Was ist der Grund Rabbis? Es heißt:und der Opferherdmaß vier Ellen, und vom Opferherd nach oben &c. Waren es denn vierEllen? R. Ada b. Ahaba erklärte, die Hörner nahmen vier Ellen ein. Nahmen denn die Hörner vier Ellenein? Vielmehr ist zu erklären, der zu den Hörnern gehörende Raumnahm vier Ellen ein.

9Dort haben wir gelernt: Ein Strich von roter Farbe umgab ihnin der Mitte, um zwischen dem oberhalb und dem unterhalb zu sprengenden Blute zu trennen. – Woher dies? R. Aḥa b. R. Qaṭṭina erwiderte: Es heißt:und das Netz reiche bis zur Hälfte des Altars, die Tora hat eine Teilungangeordnet, um zwischen dem oberhalb und dem unterhalb zu sprengenden Blute zu trennen.

10DAS ZURÜCKBLEIBENDE BLUT &C. Die Rabbanan lehrten: Auf das Fundament des Altars, das ist das südliche Fundament. Du sagst, das sei das südliche Fundament, vielleicht ist dem nicht so, sondern das westliche Fundament,

11denn es ist vom Genanntenauf das Ungenannte zu folgern? Ich will dir sagen, hinsichtlich des Herabsteigens von der Altarrampe ist vom Verlassen des Tempelszu lernen, wie esbeim Verlassen des Tempels an der ihm nächsten [Seite]erfolgt, ebenso erfolgt es beim Herabsteigen von der Altarrampe an der ihm nächsten.

12Es wird gelehrt : R. Jišma͑él sagt, bei beidenerfolge es auf das westliche Fundament; R. Šimo͑n b. Joḥaj sagt, bei beiden auf das südliche Fundament.

13Einleuchtend ist die Ansicht desjenigen, welcher sagt, auf das westliche Fundament, denn er ist der Ansicht, man folgere es hinsichtlich des Ungenannten vom Genannten,

14was aber ist der Grund desjenigen, welcher sagt, auf das südlicheFundament? R. Asi erwiderte: Dieser Autor ist der Ansicht, der Altar befand sich vollständig auf der Nordseite. Eine andere Lesart: Die [Tür]befand sich auf der Südseite.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.